Dieses Kreiseln

Erstes Kreiseln an der Ahrensfelder Höhe dieses Jahr.
War gespannt, wie es so auf sechs 5km-Runden laufen würde. Schließlich habe ich dieses Jahr noch nicht wirklich Höhenmeter gesammelt. Bis km20 lief das Höhenmetersammeln irgendwie komplett ohne Befund – Einfach laufen und gut. Bissl Angst machte mir das schon. Immerhin lief ich fast normale Rundenzeiten wie ich sie bei 30km kreiseln vergangenes Jahr auch ungefähr lief – da vielleicht 1min schneller. Aber das ist ja keine riesen Welt. Gegen Ende der 4.Runde merkte ich dann janz leichte Verschleißerscheinungen und den letzten Anstieg der sechsten Runde ging ich dann doch hoch. Ok, Welt in Ordnung. Kreiseln lief besser als erwartet. Zum Glück hintenraus doch noch Verschleißerscheinungen. Auf irgendwas muß man ja noch aufbauen können! Läuft! 😉
29km; 2:43:47h; 1092hm; 5:40min/km im Schnitt

Nachtrag einen Tag später:
Beine schwer, Oberschnekel ziehen beim Ablaufen. Hatte gar keine Lust zum Loslaufen. Bin dann doch auf ne Kienbergrunde los. Zu nem normalen Dembo konnte ich mich nicht aufraffen. Also bin ich im Schlurfschritt Richtung Kienberg. War am S-Bahnhof Wuhletal schon am Überlegen, ob ich nicht einfach rechts gen Heimat abbiege. Würden dann 10km werden. Als ich dort war, liefen die Beine dann doch geradeaus weiter… 😉 Kurz darauf schaute ich dann mal auf den Puls. Dann war zumindest die Welt in Ordnung. bei der konstanten Pace um 5:20min/km lag der Puls wenigstens konstant sehr niedrig: 65-70% Pmax. Paßt! Wenigstens das.

Nachtrag noch einen Tag später:

Wieder an der Ahrensfelder Höhe. Nach dem gestrigen „quasi-nixtun“ heute der Versuch noch mal zu kreiseln.
Ich war so froh schon in der Vergangenheit öfter so etwas gemacht zu haben.
Beim Loslaufen waren die Beine fest, die Oberschnekel meckerten. Im Grunde nach wenigen hundert Metern der Moment einfach wieder umzudrehen. „Du willst Laufen! Das soll Spaß machen! Das hier wird mit jedem Meter weniger Spaß machen.“ D.h., für weniger Spaß ist Grundvoraussetzung, dass zu Beginn etwas davon da ist, das dann weniger werden kann. Da war er schon, der erste Fehler. Ein gutes hatte das ganze. Ich ging die Runde mit ausreichend Demut an. 26:30min. Das ist für die erste Runde wirklich nicht schnell.
Mit Runde zwei wurde es nicht besser. Schon da ging mir durch den Kopf, dass im Zweifel auch 20km ausreichend sein würden. Vier Runden sind einfach an so nem Tag auch OK! Abspulen der Strecke. 27:00min.
In Runde drei lockerten sich langsam die Beine. Es wurde besser. Der Kopf auch. „Ja, 20km kriegste heute voll.“ 27:30min.
In Runde Vier lief es dann ähnlich. Gegen Ende fingen allerdings die Schnekel beim Ablaufen an zu meckern. OK, das wird jetzt nicht mehr besser. Aber irgendwie sind es nun auch nur noch zwei Runden; nur noch sechs Mal da hoch. Vielleicht auch einfach nur noch eine Runde. Drei Mal hoch und nur noch 5km.
In Runde Fünf war dann aber ein zeitigeres Heimlaufen auch nicht mehr so die Option. Also doch durchgezogen.
2min langsamer als zwei Tage vorher. Ja, zum Glück hatte ich schon öfter solche Trainingsläufe, wo du nach wenigen hundert Metern eigentlich schon wieder retour willst. Kann man dann machen. Ist nicht schlimm. Wenn man es nicht macht, ist das aber auch OK. 😉

29Harald Reiff, Klaus Dahlbeck und 27 weitere Personen2 KommentareGefällt mirKommentierenTeilen

Manchmal dauerts halt etwas

So’n Ultra läuft man nicht auf den ersten Metern ins Ziel. Das kann manchmal etwas länger dauern. In den letzten Jahren war ich froh, diese Erfahrung schon öfter gemacht zu haben. Das hilft dann doch unglaublich auch lange Durststrecken zu überwinden. Da ist es auch nicht ganz so schlimm, wenn du am Anfang noch nicht das Licht am Ende des Tunnels siehst. Auf der Runde ums Aostatal hat man ja auch nach Valgrisenche (km54 der 330km des TOR des Geants) noch nicht gleich den Col Malatra (ca. km310 dieser Runde) im Visier.

So überstand ich auch die Verletzungen in 2018/2019 und kam in 2020 langsam wieder ins Laufen. Highlight war dann 2020 die unsupported FKT auf dem Malerweg im Oktober. Im Anschluß folgte eine Ruhepause und richtig ätzend fand ich im November das wieder Anlaufen nach der Pause. Mei waren die Beine schwer, zogen sich die Strecken wie Kaugummi.

Es kann so ätzend sein, wenn dein Kopf ein anderes Laufgefühl abgespeichert hat und auch aufruft (!), als das dein Körper in dem Moment auch nur annähernd leisten kann!

Und genau da hilft dann nur dieses Wissen um die kleinen Schritte. Wie soll man sich schließlich sonst motivieren? Sonst zieht man los. Es fühlt sich einfach doddal doof an und wird auch am nächsten und übernächsten Tag nicht besser. Da kann man dann auch schon mal die Laufschuhe in der Ecke stehen lassen. Nur das ist dann so wie mitten auf dem Trail einfach stehen bleiben. Das kann man machen. Hilft aber nur bedingt, ins Ziel zu kommen. Beim kurz inne halten kann das ja in der Tat helfen besser anzukommen. Aber wenn man ganz stehen bleibt, hilft das eher nicht.

Und nach der langen Vorrede kann ich nach nunmehr 5 Monaten mit kontinuierlichem Auf und Ab vermelden, dass der nächste Meilenstein erreicht scheint. Die Leichtigkeit der 30km Läufe ist endlich wieder da. Ich rufe diese km endlich wieder ohne ziehen und beißen ab. Ich laufe sie einfach. Und auch da ist das Geile endlich wieder dieses Gefühl im Kopf zu haben, dass es locker läuft, die Pace paßt – genaugenommen laufe ich nicht auf eine bestimmte Pace. Ich laufe einfach – so wie heute – und ratsche mit Riggo und es läuft einfach und dann schaut man nach dem vollen km auf die Uhr und Gefühl und die Zahl im Display passen gut zusammen. Und paßt die Zahl nicht, dann eher weil wir etwas zu schnell waren. Also wieder einbremsen. Da kann ich super mit leben.

Die Woche stehen bereits 105Wo-km auf der Uhr. Ok, es waren durchweg flache km. Zum Kreiseln konnte ich mich noch nicht aufraffen. Aber morgen wird das noch um weitere 30-35 km erweitert und dann steht da die zweite Woche in diesem Jahr mit etwas um 140 Wo-km. Und das geilste daran ist die Leichtigkeit, mit der ich diese gerade laufen kann – laufen darf!

Es ist einfach ein tolles Privileg, das ich mir über die letzten 5 Monate wieder erarbeitet habe. Das genieße ich gerade.

😉

Zu viel Ruhe!

Letzte Woche ne Ruhewoche und in der Tat unter der Woche gar nicht zum Laufen gekommen, Samstag irgendwann keine Lust mehr gehabt zum Loslaufen und Sonntag dann halt noch zum Beine lockern ne 30er Müggelseerunde. Die Woche war unter der Woche nicht besser als die vergangene. Selbst Freitag war ich ich erst kurz vor Sechs daheim. Da ich die ganze Woche unterwegs war, blieb ich daheim.

Heute also erster Lauf nach 5Tagen. Der erste Lauf nach so ner Ruhewoche ist immer spannend. Laufe da normal erst mal zum Lockern nen 20er. Gut, war Samstag. Also keinen 20er. Also bissl weiter. Beim Loslaufen war der Plan bei um die 30km. Gestern schrieb jemand, dass es bis zum Steich im Mai noch 72 Tage seien. Puh, noch 72 Tage! Das fiel mir auf den ersten 2km Richtung Wald ein und plötzlich bog ich nicht wie geplant Links Richtung Erpe ab, um mir noch zu überlegen, ob ich ne Müggelseerunde laufe oder über Hoppegarten Zscherpe hoch zur Ahrensfelder Höhe.

Es ging Rechts weg auf dem kurzen Weg zur Ahrensfelder Höhe. Die Rechnung war ziemlich einfach: es würden für Hin- und Rückweg etwas mehr als 25km werden. Bleiben zwei 5er Runden zum Kreiseln an der Ahrensfelder Höhe und in Summe stehen dann 35km. Morgen das selbe noch mal und wenn man 70km in zwei Tagen schafft, dürfte es in 72 Tagen auch für etwas mehr an einem halben Tag auch reichen. So der Gedanke. Trainingsplanung beim Laufen. 😉

Kreiseln und danach Heim Laufen ist immer doddal spannend. Ich mag das so gar nicht! Egal. Muß ich jetzt durch. Ist eh der erste Lauf nach 5 Tagen Ruhe. Wird schon gehen. Der Hinweg war in der Tat doddal easy. Waren ja auch nur 13km. Die erste Kreiselrunde in 27:50min war ne normale Runde ohne groß Dampf. Easy going halt. Bei der zweiten Runde wurde es zwar die selbe Zeit, aber schon etwas zäher. Und der Heimweg? Naja, wie erwartet. Hatte kein Trinken mitgenommen. Für ne flache 30er Runde braucht man das bei Temperaturen knapp über Null nicht. Hmm, war dann so ne zusätzliche kleine Challenge. Nein, bin nicht verdurstet. Aber lief halt schwerer retour. Beine wurden schwer, kein Trinken, bähh. Aber ich habe überlebt! Je cervecu! Das kann ich schon. 😉

Auf den letzten Metern ging mir noch durch den Kopf wie geil das doch ist, wenn man während des Laufens einfach bekannte Strecken mal anders kombiniert, bei km 4 auf ne Strecke von 35km hochrechnet und dann tatsächlich nach 35km noch 200m von daheim entfernt ist. Klingt. 😉

Morgen noch mal irgendwas Flaches zum cruisen und ab nächste Woche versuche ich es dann mal mit Training. Kreiseln ist langsam dran…Vorbereitung für den Steich läuft!(y) 😉

Einfach cruisen

Vielleicht noch einen km bis Müggelseeperle. Locker und entspannt cruise ich am Müggelsee den Uferweg entlang. Ein fettes Grinsen ist ins Gesicht getackert. Und das liegt nicht am Frost. So kalt ist es grad noch gar nicht. Vielleicht um Null Grad. Der Puderzucker, der in der letzten Nacht vom Himmel fiel ist weitgehend vom Wind vom Weg geblasen worden. Im Moment ist der Schritt schön leise. Die Spikes graben in den weichen Untergrund und hinterlassen keinen Krach. Vielleicht 500m wird dies noch andauern. Dann beginnt wieder der Asphalt und über weite Teile des restlichen Weges werde ich wieder die Nägel auf den Asphalt knallen hören. Bei uns in der Siedlung lagen etwas mehr weiße Krümmel und auf den Wegen und der Straße war es glatt. Sowas über 30km wollte ich mir nicht antun. Deshalb diese ungewöhnliche Schuhwahl. Leicht übertrieben war das dann aber doch über mehr als 90% des gesamten Weges. Richtung Hessenwinkel gingen Eis und Schnee gegen Null und das hielt an bis kurz vor Mahlsdorf. Aber das war mir gerade recht egal. Ich genoß die leicht weiß eingefärbte Landschaft, genoß das lockere Laufen – OK, es war jetzt Rückenwind! – genoß einfach diese Leichtigkeit, die ich doch so lange auf dieser Distanz vermißt hatte. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, wenn man nach langer Zeit von Verletzung und Wiederaufbau auf einer bekannten Distanz endlich wieder die bekannte Lockerheit erreicht hat. Und ich meine, man genießt diesen Moment dann noch mehr! Meine Müggelseerunde ist so eine Haßliebe. Wunderbare Läufe bin ich da schon gelaufen und schwere Einbrüche habe ich dort hinnehmen müssen. Gerade dort, etwa km22 mußte ich mir öfter schon einen virtuellen Tritt in den Hintern geben, um dran zu bleiben, weiter Druck zu machen.Und heute? Heute war genießen! Heute war Liebe und kein Haß. Ich mag Laufen!;-)

Die Meister des Sommer … Status quo Anfang Dezember

Lange schrieb ich hier nicht mehr. Nach dem Malerweg war erst mal etwas Ruhe angesagt und nun bin ich gerade dabei nach der Pause janz laangsam wieder etwas Form aufzubauen. Auf der kurzen Kurzstrecke ist diese schon wieder einigermaßen vorhanden. 10er gehen schon wieder in nem 4:30er Schnitt – so es nicht mehrere in aufeinanderfolgenden Tagen sind. Auch nen 20er bin ich jetzt schon wieder unter 1:30h gelaufen. Wird. Allerdings hab ich noch vor zwei Jahren an ne 1:30 auf der Kienbergrunde am nächsten Tag das selbe noch mal gehangen. Undenkbar im Moment.

Das ist eigentlich das, woran ich zur Zeit arbeite und wo ich merke, dass so etwas halt doch dauert – Konstanz in die Läufe bekommen. Nach zwei längeren Läufen brauche ich zur Zeit nen freien Tag und länger ist da noch nicht mal 40km. Das sind dann 25-30km. Ich denke mit langen Läufen und kontinuierlich langen Läufen wird das Stück für Stück besser.

Aber warum wollte ich auch kurz wieder einen Status abgeben? Letztens schrieb ein Laufkumpel, dass er dieses Jahr erstmalig wohl 3000 Jahres-km laufen wird. Ich war daraufhin am Überlegen, ob ich die auch gelaufen bin in diesem Jahr. Gefühlt war es weniger. Aber vielleicht könnte ne 3 vorn noch werden in diesem Jahr. So jedenfalls mein Denken. Tage später kam mir dann wieder der Gedanke und ich schaute doch mal in der Statistik bei Garmin nach. Ok. So kann man sich also täuschen! Da standen etwas mehr, als 3.600km für das Jahr 2020.

Mal schauen. Vielleicht werden es ja sogar noch 4000Lauf-km in 2020? Vielleicht. Priorität hat ein verletzungsfreies Aufbautraining. Und wenn ich da nun einfach einen Ruhetag mehr brauche als noch vor zwei Jahren, dann ist das so. Und wenn ich Ende Dezember noch nicht wieder bei drei 40ern am Wochenende bin, ist das auch nicht schlimm.

Geil finde ich im Moment vor allem auch den Punkt, dass ich letztens gefragt wurde, ob ich wieder gut Laufen könne. Und ich mußte in dem Moment kurz nachdenken, was gemeint war. Der Fuß kam mir erst nach zwei Sekunden in den Kopf.

Nachtrag Anfang Februar:

Es wurden noch 4000km für 2020 und es wurden keine 3x40km an nem Wochenende. Letzteres ist heute noch nicht. Muß aber auch nicht. Die BC findet eh nicht statt, ein Trainingslager auf den Kanaren auch nicht, der Rennsteig ist auf Oktober 2021 verschoben und unter den nun veröffentlichten Regularien beim TOR werde ich nicht für 2021 melden, sondern verschiebe auf 2022. Es ist also Zeit für gleichmäßigen, ruhigen Aufbau. 👍🏻😉

TOR450 – 2021?

Den ganzen Sommer 2020 war mein Ziel in 2021 den TOR450 zu laufen. Im Dezember begann das finale Training für den TOR450 – ein sorgfältiger, allmählicher Aufbau. Ziel ist kontinuierlich, mit Luft im Plan und vor allem verletzungsfrei auf das notwendige Niveau zu kommen.
Nach zwei Mal Tor des Geants nun die große Runde laufen – ein Traum. Im Dezember und Januar war kein Raum im Kopf für eine eventuelle erneute Absage des TOR in 2021.
Nun wurden die Regularien veröffentlicht. Ich mußte zwei Mal lesen, ob der Punkt 9.12 wirklich so stimmt:

  1. „Refund for cancellation of the race
    In the event that the race is cancelled due to force majeure beyond the control of the organisation, including any national or international regulations issued to contain the spread of COVID-19, the proportion of the registration fee to be refunded will be determined as follows:
% refund
before 1 June 202160%
between 1 June and 30 June50%
between 1 July and 31 July30%
after 31 July 2021no refund
Kopie aus den Regularien des TOR2021

Refunds will only be made on submission of the appropriate request form completed by the runner, which will be provided by the organisation.“

Der Veranstalter behält sich tatsächlich vor, dass bei einer Absage des Rennens wegen Covid19 gestaffelt 60% bis Null Rückzahlung des Startgeldes erfolgt.
Im ersten Moment klingt das wirtschaftlich für den Veranstalter auch richtig. Ein Großteil der Ausgaben ist dann angefallen, Lieferverträge sind fällig. Andererseits gibt es da keine Möglichkeit Kosten zu reduzieren? Man hatte ein Jahr Zeit sich Gedanken über Szenarien einer Absage zu machen, über ein Hygienekonzept und nachdem für 2020 50% Startgeld (bei mir waren das mal eben 500€!) schon einbehalten wurden, ist nun die Lösung das wirtschaftlich noch sicherer zu machen.
Im Zweifel gibt es für den Teilnehmer der für 2021 meldet gar nichts wieder. Gut, wenigstens ist es klar kommuniziert. Wer sich anmeldet, wird wenigstens nicht überrascht.
Vergangenes Jahr lief die Registrierung zu Beginn der Pandemie. Das Geld wurde Anfang bis Mitte März eingesammelt – mitten im Lockdown in Italien. Viele konnten sich im März 2020 nicht vorstellen, dass der Lauf Mitte September 2020 nicht stattfinden würde. Ich auch nicht. Am 01.Juli 2020, als wir viel mehr über Covid19 wußten, dann die Absage. Da sehr verständlich.
Wir haben wieder Lockdown. Wir wollen uns erneut nicht vorstellen, dass der Lauf abgesagt werden muß? Hmm. Was wird im September 2021 anders sein? Sicher vieles. Impfungen. Viel niedrigere Infektionszahlen als im Dezember 2020 – hoffen wir. Hoffen!
Wird der Lauf doch erneut abgesagt und passiert dies spät genug, kostet diese Hoffnung dann also 800€. Ernsthaft?
Ist das ernsthaft die Arbeit, die in die Organisation in diesen wundervollen Lauf in den letzten 12 Monaten gesteckt hat? Ist das wirklich das Ergebnis, dass die Spende vergangenes Jahr erbracht hat? So ich dies richtig verfolgt habe, waren die Personalkosten der Grund für dieses hohe Einbehalten des Startgeldes, für die 50% – viel Geld für einen Traum. Andere Laufveranstalter verschieben den Lauf. Auch bei anderen gibt es kein Startgeld zurück. Es gibt viele Möglichkeiten, die mir einfallen würden, die anderen Laufveranstaltern eingefallen sind.

OK, der Traum wird zur wirtschaftlichen Entscheidung.

Kein Ding. Dann bin ich für 2021 raus aus der Nummer.

😉

Auf den Pfaden des TOR des Glaciers VI

Pas-Entre-Deux-Sants-Courmayeur (km437-km448)

Heute sollte es etwas ruhiger werden. Einfach nur ne kleine Runde hoch nach Bertone, dann die TOR330-Strecke hoch Richtung Col Malatra, aber am Abzweig des TOR450 dann diesen Retour nach Courmayeur. Laut Outdooractive sollten das 22km sein.

Los ging ich mit Andreas. Jaanz in Ruhe zogen wir los. Nach der Straße, in den ersten Kehren im Wald schickte er mich dann doch los, hoch nach Bertone. Und schon war die Idee geboren, doch zum Col Malatra hochzulaufen. Das wären dann aber in Summe 45km. Vielleicht bissl viel.

Aber erst einmal ging es ja hoch nach Bertone. Die Beine waren beim Loslaufen auf den ersten km noch etwas müde. Das hatte sich aber bereits Ortsausgang Courmayeur gegeben. Somit „flog“ ich gefühlt nach oben. Es machte richtig Spaß! Bertone angekommen ging es gleich weiter die UTMB-Strecke in Richtung Rifugio Bonatti, wobei man an einer kleinen Alm, dem Arminaz Desot, direkt nach einer kleinen Bachüberquerung rechts hoch in ein Seitental läuft. Der Weg ist super laufbar. Das wußte ich ja noch von 2017, als ich runterzu ab Col Malatra so richtig Gas gegeben hatte. Selbst hoch war das teils gut zu laufen.

Am Ende des Tals kommen TOR330 und TOR450 von Links vom Col Malatra. Der TOR330 geht dann in die Richtung aus der ich kam. Der TOR450 geht aus meiner Laufrichtung Rechts weiter – noch mal ein paar Meter hoch.

Ich bog Links ab in Richtung Col Malatra. Es ging leicht aufwärts. Auf dem Pas-entre-deux-sex auf 2.500müNN machte ich nach knapp 2h ne kleine Pause. Zwei Leute schauten in der Gegend rum und überlegten wo was zu sehen wäre. Da die beiden Deutsch sprachen, konnte ich schnell aushelfen. Die Pause war insofern gut, als sich beim folgenden Ablaufen in Richtung Col Malatra die Beine doch sehr gebraucht anfühlten und ich dies wohl auch durch den kurzen Stop gut mitbekam. Kurz darauf setzte ich mich, aß etwas und überlegte, ob ich weiterlaufen sollte. Zeit war. Aber wollte ich das? Bis 15Uhr würde ich auf dem Col Malatra sein. Und dann in 3h ablaufen? Ich beschloß die paar Meter bis ins nächste Seitental noch abzulaufen und dann vor dem Anstieg zum Col Malatra neu zu überlegen. Hmm, eigentlich ist bei solchen Gedanken die Entscheidung schon klar.

Unten angekommen, wurde also umgedreht. In dem Tal ging früher die Strecke zum Rifugio Bonatti runter und von da dann den UTMB-Track entgegen bis Bertone. Heute aber eben nicht. Also wieder Retour von 2.300 hoch auf 2500 und runter in das Seitental aus dem ich kam. Das war dann wieder etwa auf 2300müNN. Der TOR330 geht, wie oben schon geschrieben, jetzt Rechts das Tal abwärts. Der TOR450 geht geradeaus weiter – noch mal hoch. Ich wußte es würde auf reichtlich 2500m gehen. Wohin und wo lang nach Bertone sah ich nicht so. Den kleinen Hügel ging es hoch. Sah erst mal steil aus. War es am Ende dann gar nicht. Als ich aber den Sattel erreichte, war ich erst auf 2400m. Geradeaus ging es runter. Hmm. Rechts ging es aber noch mal ordentlich hoch! Und natürlich verriet mir der Blick auf die Karte, dass es hoch geht.

Hier einfach mal ein Blick zurück, als ich schon einiges des Anstieges hinter mir hatte.

In dem Moment war ich sehr froh nicht bis zum Col Malatra durchgeballert zu sein. So frisch waren die Beine wirklich nicht mehr. Ich schob mich also in aller Ruhe auch die Höhenmeter nach oben.

Dort angekommen war allerdings alle Anstrengung sofort verflogen!
Der Blick von da auf das gesamte Massiv des Monte Bianco war einfach atemberaubend!

Der Blick zurück. Der Col Malatra ist der Sattel etwa in der Bildmitte

Und das war der Blick nach vorn:

Monte Bianco

Ich wünsche wirklich von ganzem Herzen jedem Läufer der TOR des Glaciers an dieser Stelle, dem letzten wirklich hohen Punkt des Laufes in dem Moment, wenn er da ankommt auch so einen Bilderbuchblick genießen zu dürfen. Es war einfach doddal gigantisch! Dieser Blick auf den Mont Blanc, das gesamte Massiv, rüber in das Seitental, in das wir gestartet sind, Das Tal von La Thuile, der Gletscher am Ende des Tals von Valgrisenche und blickt man dann einmal rum, sieht man den Col Malatra, wo man gerade herkommt. Zurück in Richtung Mont Blanc sieht man dann den Weg, den es runter geht und unterhalb des Bergrückens Bertone. Ist man dort, sind es noch reichlich 30min bis Courmayeur – so die Beine noch etwas locker sind.

Der Blick war einfach atemberaubend.

Da oben rumzuturnen war einfach so genial, dass ich gar keine Lust hatte abzulaufen. Immer wieder schweifte beim Laufen der Blick, hielt ich an, sog das Bild auf.

Aber irgendwann muß man dann ja doch runter. Anders als beim TOR330 sieht man diesmal Bertone bereits von weitem. Im Trockenen ist der Abstieg schnell gemacht und ab Bertone ist dann der Blick natürlich wieder auf den Trail gerichtet. Ich mag diesen Abstieg. Der ist wirklich richtig gut laufbar. Dann erreicht man auch recht schnell Courmayeur.

Zieleinlauf muß ich heute eher nicht üben. Das wird dann im nächsten September auch spontan funktionieren.

😉

Havelhöhenweg

<p value="<amp-fit-text layout="fixed-height" min-font-size="6" max-font-size="72" height="80">Ich habe gerade gesehen, dass ich doch länger nicht mehr hier geschrieben habe. Stimmt. Das letzte Erwähnenswerte war er Malerweg. Seit dem war erst einmal Regeneration und dann ein langsamer Wiederanfang mit dem Laufen angesagt. <br>Eine Woche war also nüscht. Und dann waren wir zu zweit ne Woche an Werra und Umgebung wandern. Und dann wollte ich langsam wieder los. Doch zu Beginn des Wiedereinstiegs wollte das Fahrgestell nicht wirklich die früher gewohnten 20er und länger. Vor allem waren Pace und Kondition ziemlich im Eimer – verglichen mit dem, was ich sonst so veranstaltet habe. Ich fühlte mich nach den Läufen kaputt. Also einfach mal janz entspannt die Distanz pro Lauf runterfahren, dafür wieder in den fünftägigen Laufrhythmus pro Woche reinkommen und janz sachte aufbauen. Die erste Novemberwoche wurden es also 5 Lauftage und jeweils wirklich nur um die 10km/Lauf – also jedenfalls an vier Tagen. 😉 Ich habe gerade gesehen, dass ich doch länger nicht mehr hier geschrieben habe. Stimmt. Das letzte Erwähnenswerte war er Malerweg. Seit dem war erst einmal Regeneration und dann ein langsamer Wiederanfang mit dem Laufen angesagt.
Eine Woche war also nüscht. Und dann waren wir zu zweit ne Woche an Werra und Umgebung wandern. Und dann wollte ich langsam wieder los. Doch zu Beginn des Wiedereinstiegs wollte das Fahrgestell nicht wirklich die früher gewohnten 20er und länger. Vor allem waren Pace und Kondition ziemlich im Eimer – verglichen mit dem, was ich sonst so veranstaltet habe. Ich fühlte mich nach den Läufen kaputt. Also einfach mal janz entspannt die Distanz pro Lauf runterfahren, dafür wieder in den fünftägigen Laufrhythmus pro Woche reinkommen und janz sachte aufbauen. Die erste Novemberwoche wurden es also 5 Lauftage und jeweils wirklich nur um die 10km/Lauf – also jedenfalls an vier Tagen. 😉

Dann haperte es wieder: Viel los auf Arbeit. Ich schaffe es einfach nicht unter der Woche loszukommen. Die zähen 10er sind auch keine wirklich förderliche Motivation – wenn eh schon keine (?) Zeit ist.

Und dann kommt da so eine Nachricht von einem Laufkumpel aus Berlin, der da eine FKT-Strecke auf dem Havelhöhenweg auslobt. 13,5km. 260Hm. Die ersten 2km etwa sind viel Asphalt und dann kommt durchweg hügeliger Trail. Das heißt auf er Kurzstrecke ballern – genau das, was ich seit Jahren nicht mehr gemacht habe. Und schon kam zu wenig Kondition und Kraft auch noch mangelndes Dembo (für so ’ne Sprint-FKT) hinzu. Die Baustellen hatte ich ja schon klar. So einige liefen die FKT schon mal und setzten Marken. Ich schaute mir die Marken an und machte mich daran die Baustellen Stück für Stück abzuarbeiten.

Der November war somit den eben den bereits erwähnten 10ern und auch dabei hier und da mal dem Dembo gewidmet. Wenige längere Läufe ergänzten. Dembo fühlt sich anfangs fürchterlich an. Also jedenfalls das Dembo und die Korrelation zu der Zeit, die die Uhr anzeigt. Man zieht los, zieht an und denkt, dass man janz schnell ist und dann schaust beim gelaufenen km auf die Uhr… ;-( Monde weg von schnell und schon gar nicht ganz schnell. Aber Stück für Stück wurde es besser. Erst ist dieses gefühlte Schnell eine 5er Pace, dann steht da auch schon mal kurzzeitig ne 4:30 – also wenigstens mal ein oder zwei km. Dabei bekommt man zwar kaum noch Luft und die Beine haben ganz klar diesen Dembobegrenzer drinnen, aber wenigstens knallt der Puls nicht gleich durch die Decke. Letzteres läßt hoffen! Am 20.11. steht dann erstmals wieder auf 7km ne 4:28er Durchschnittspace. Früher hätte ich da müde gelächelt. Heute ist das gar nicht mal so schlimm. Es fühlt sich richtig, richtig gut an, wieder zügig und schmerzfrei laufen zu können!
Noch im November ist dann der nächste Meilenstein erreicht. 20km Kiebergrunde mit 4:28er Pace! Yes!

Der Dezember ist nun zwar auch schon wieder fast um. Aber hierzu kommt später etwas.
😉

Malerweg nonstop

Auf der Website Sächsische-Schweiz.de steht zum Malerweg

112 Kilometer Wanderglück!

Ich wollte den Weg am Stück laufen.
Ein paar Vorbetrachtungen schrieb ich in der Woche vor dem Lauf zusammen (https://schalklaeuft.wordpress.com/2020/09/29/malerweg-die-vorbereitung/).
Die Intension hierfür und die Vorbereitung habe ich seperat in einem Blog festgehalten (https://schalklaeuft.wordpress.com/2020/10/07/malerweg-ein-langer-geplanter-lauf/).
Es war Samstag, der 03.Oktober2020. Um 01:30Uhr klingelte der Wecker. Ich schälte mich aus meinem Schlafsack. Es ist nicht wirklich stockfinster. Der Mond gibt viel Licht. Trotzdem ziehe ich das Akku der Lauflampe vom Netz und mache die Stirnlampe an. Ich habe das Auto in einer dunklen Seitenstraße geparkt, um die wenigen Stunden trotzdem ruhig im Auto schlafen zu können. Rein in die Laufklamotten, alles zusammenschieben, Zähne putzen, Radl ins Auto und los. Das Brötchen zum Frühstück futtere ich auf den paar Metern zum Bahnhof Pirna. 2Uhr starte ich dort mit dem Radl. Es geht über die Elbe und durch menschenleere Straßen nach Liebethal. Auf dem Wanderparkplatz stelle ich mein Radl ab. Dort kann ich es fest anschließen.

Um 2:24Uhr geht es an der Bushaltestelle Liebethaler Grund los. Gleich auf den ersten Metern muß ich mich erst mal in der Orientierung und Wegfindung finden. Es wird eine Weile dauern, bis ich in den Lauf finden werde. Die Beine sind nicht wirklich locker. Es nervt mich an jedem klitzekleinen Seitenweg unsicher zu sein, wo es lang geht. Der Vollmond hilft da auch nicht wirklich, wenn man im Wald rumturnt. Aber wenigstens die Temperaturen sind angenehm. Und ja, dass ich bei manchem Lauf ne Weile brauche, bis ich auf Betriebstemperatur bin, ist jetzt auch nicht ganz neu. Oben auf den Feldern geht ordentlich der Wind von vorn. Aber das ist jetzt auch nur noch ein klitzkleiner Nadelstich. Es hebt nicht mehr weiter irgendwie an. Der Blick geht in die Ferne. Bei dem Mond ist das doch ein schöner Anblick!

Nach reichlich einer Stunde erreiche ich Wehlen (12km – 1:08h). Das mitgeführte Wasser ist alle. Ich fülle die Flaschen auf, 1,75l. Es geht runter zur Elbe. Ein Güterzug braust auf der anderen Seite des Flußes durchs Elbtal Richtung Tschechien. Der Ort ist ruhig. Niemand zu sehen, kein Licht im Fenster. Logisch. Es ist noch nicht mal 4Uhr. Es geht hoch zur Bastei. 4Uhr bin ich auf der Bastei. Ruhig hier. In wenigen Stunden wird es auf dem Parkplatz und der Basteibrücke anders aussehen. Jetzt ist es dunkel und still.

Der Weg führt runter zum Amselsee. Ich kenne die Strecke. Die Beine sind noch etwas steif. Nein, flüssig geht es nicht nach unten. Der Magen fängt leicht an zu knurren. Zu den schweren Beinen kommt dann auch noch ein Verpflegungsproblem dazu. Warum auch nicht? Auf Kartoffel habe ich grad kein Appetit. Mit Wasser, wie ich es sonst oft mache, kann ich ihn nicht beruhigen. Da hab ich nicht genug von bei für solche Spielerein. Km16 schiebe ich mir einfach das erste Gel ein. Novum. Ist OK. Wird schon noch werden. Am Amselfall ist dann der Weg gesperrt. Massive Wegabsperrung sollen ein Überklettern unmöglich machen. Ein Schild weist darauf hin, dass der Weg bis zum 25.01.2020 (So ich mir das richtig gemerkt habe) leider wegen dringen nötiger Sicherungsarbeiten gesperrt ist. Hmm, ist wohl nicht pünktlich fertig geworden und dann kam Corona und jetzt sind alle nicht im Wald am Arbeiten wo sich keiner Anstecken kann, sondern im Homeoffice? Ich bin nicht der erste, der den Weg durch die Absperrungen findet. Naja, hier turnen schließlich auch naturgemäß reichlich Kletterer in der Gegend rum. Der km20 ist dann nach etwa 2:12h erreicht.

Vor Hohnstein, am Hockstein, ist wieder etwas Kletterei angesagt. Leitern geht es runter. Es werden nicht die letzten am heutigen Tag sein. Es ist um km20-25, also nicht weit ab vom Waldborn. In diesem Abschnitt vor dem Waldborn wären einige Male Bäche gewesen, wo ich auch Flaschen hätte auffüllen können. Ok, wie die Wasserqualität da ist, steht natürlich dran. Könnte prinzipiell auch schief gehen. Ich habe ausreichend Wasser anbei. Also keine Notwendigkeit des Auftankens. Mittlerweile bin ich etwas besser im Rennen. Auch wenn sich noch nicht zu 100% die Routine der Wegfindung nach den Wegweisern gefunden hat. Gerade wenn es aufwärts geht und der Kopf eher nach unten geneigt ist, sehe ich nicht zwingend die Wegweiser und muß an Kreuzungen manches mal ne Weile schauen. Auch im Polenztal und darauf kommt noch das eine oder andere Orientierungsproblem. Das nervt! Aber gut. Da muß man dann halt durch. Diese ganze Ecke dort habe ich als sehr, sehr schön im Kopf. Was ich im Schein der Stirnlampe sehe, läßt das ebenfalls vermuten. Allein, es ist dunkel. Schade!

Um kurz vor 6Uhr bin ich am Brand. Steil ging es runter, dann links die Straße hoch und dann ist auf der Uhr auch schon der km30 voll. Es sind 3:30h gelaufen – gerade 30min über 6er Schnitt. Nun geht es wieder steil viele Stufen nach oben. Ohja, ich erinnere mich. In den Aufpassagen muß ich mich zusammenreißen nicht zu schnell hochzusteigen. Es dauert dann immer zu lange, bis es gerade auch wieder gut läuft. Schön sachte!

Im Abstieg zur Kohlmühle, im Kohllichtgraben höre ich einen Wasserlauf. Es dürfte jetzt nicht mehr so weit bis zur Ostrauer Mühle sein. Den Bachlauf habe ich mir gesucht und Wasser aufgefüllt. Das Stück des Weges an der Bahnstrecke entlang kann ich mich nicht ansatzweise erinnern. Ok. Vor fünf Jahren lief ich da letztmalig entlang. Das passiert.

Langsam wird es hell. Den Sonnenaufgang werde ich dann also nicht an den Schrammsteinen erleben. wäre sicher auch schön gewesen. Kurz vor Altendorf lugt sie dann hinter den Bäumen vor.

Altendorf

Doch, ein Stück weit atme ich auf, da nun sicherlich die Wegfindung noch etwas besser wird. Andererseits bin ich gespannt ab wann es merklich wärmer wird. Um kurz vor 7 passiere ich die Ostrauer Mühle. Der Zeltplatz liegt auf den einen Blick immer noch verschlafen da. Sicherlich wird der Schein trügen.
Kurz hinter dem Zeltplatz sind die 40km voll. 4:48h. Über die Laufzeit bin ich leicht erstaunt. Klar wußte ich, dass die ersten km leichter zu laufen sind. Gerade da tat ich mich aber auch schwer. Die Hälfte der Höhenmeter bis Schmilka dürften weg sein und doch noch keine 50min hinter einem 6er Schnitt hinterher.

Ich freue mich auf den Weg in Richtung Schrammsteine. D.h., in der Bergaufpassage ärgere ich mich erst mal, dass es leicht zu steil zum Laufen für mich ist und ich so schnell wandern muß. Das kostet nur unötig Zeit! Auf diesem Abschnitt begegne ich den ersten Leuten am heutigen Tag, zwei Wanderinnen. Und kurz darauf, direkt vor dem Schrammtor kommt von rechts ein Läufer – um rechts an der Kreuzung 10m vor mir abzubiegen. Für mich geht es da Links in die Schrammsteine.

Schrammsteintor

Grad 7:30Uhr und schon so ein Begängnis. Keine 10min später bin ich oben auf den Schrammsteinen – völlig allein. Ich glaube an diesem Tag dauert das 2h später bereits deutlich länger… 😉

Ausblick von den Schrammsteinen

Jetzt geht es wieder abwärts ins Kirnitzschtal. Der km50 sollte eigentlich im Aufstieg zum Kuhstall sein. Hmm, meine Uhr sagt mir schon vor dem Beuthenfall, dass die 50km voll sind. 6:15h bin ich unterwegs.
Am Beuthenfall kommt man auf die Straße. Das ist da, wo früher sicherlich einmal Richters Born zu finden war. Ich laufe die Straße entlang. Am Lichtenhainer Wasserfall höre ich das Wasser rauschen und beschließe mir dort eine Flasche aufzufüllen. Eine zweite Flasche mit knapp 0,5Liter habe ich noch. Das Wasser schmeckt nicht so Bombe. Kurz darauf tausche ich es gegen Wasser aus der Kirnitzsch. Das ist besser. Ob es immer gut ist, weiß ich nicht. Das Tal ist noch lang und einige Mühlen sind noch weiter hinten im Tal direkt am Fluß gelegen. Egal. Das ist jetzt so. 9:05Uhr bin ich am Kuhstall. Erwartungsgemäß ist auch hier noch niemand. Aber auch das wird sich bald ändern.

Der nun folgende Weg ist für mich Neuland. In einer Wegbeschreibung las ich, dass der Weg zum Großen Winterberg nicht zu unterschätzen ist. Ich habe für den Weg 2h benötigt und den Weg durch das Kirnitzschtal empfand ich auch aufgrund des immer wieder auf die Straße herunterlaufens mental etwas anstrengend. Man kommt sich da etwas wie Hase und Igel vor, Es geht von der Straße aus Trail oder Wanderweg hoch, irgendwo durch den Wald, wieder runter und schwups ist man wieder auf der Kirnitzschtalstraße – um den nächsten Trail hochzulaufen. „Ick bün all hier.“ Etwas eine Stunde nach dem Lichtenhainer Wasserfall erreichte ich aber mit der Räumichtmühle die letzte Mühle für den heutigen Tag im Kirnitzschtal und es ging in den finalen Anstieg hoch zum Winterberg. Die Mühle läßt man allerdings links liegen, tangiert sie nicht. Beim Queren einer kleinen Brücke dort überlegte ich noch kurz, ob ich nicht auch da Wasser fassen solle. Aufgrund der Nähe zur Mühle machte ich es nicht. Das wäre auch eine Option. Das ist km60 (7:27h) – Noch 8km bis Schmilka. Da der Abstieg nach Schmilka nicht all zu lang ist, wird es noch zwei Minuten bis zum Großen Winterberg dauern. Oh ja! Die 5km sollte man nicht unterschätzen. Die ziehen sich – wenngleich der Weg recht ruhig und wunderschön ist!
Ist man dann endlich oben! Recht fix geht es nach unten. Einige Leute kommen mir entgegen und es ist wunderschön nach unten zu „fliegen“.

Das Wasser ist bald alle. Höchste Zeit also auch, endlich die Illmquelle zu erreichen. Obwohl doch unten an der Elbe die Fähre pendelt und man also eigentlich zusehen sollte schnellstmöglich dort hin zu kommen, mache ich an der Quelle kurz Rast, fülle alle Flaschen auf und wasche Unterarme, Gesicht und Kopf ab. Das kühle Nass ist herrlich!

Schmilka, Fähre

Gestärkt geht es nun zur Fähre runter. Immer wieder kommt mir ein Schwall an Leuten entgegen – eben so pulsartig, wie sie die Fähre ausspukt. An der Fähre bin ich genau um 11:30Uhr – also 9:05h nach dem Loslaufen. Innerloch schüttle ich etwas den Kopf über meine Schätzung von 9h und die nun real gelaufene Zeit. Das ist schon drollig.
Die Fähre legt gerade auf der anderen Seite an, als ich an der Elbe ankomme. Es ist also Zeit für mich. Ich futtere eine Pellkartoffel und warte. Die Beine waren bereits auf dem letzten km hoch zum Großen Winterberg leicht angeschossen. Die Waden zuckten aufwärts bei Druck schon leicht und in den Kniekehlen merkte ich ein Ziehen. Eine kurze Entspannung war durchaus sinnvoll!

Nach ca. 15min geht es auf der anderen Seite weiter. Beim Queren der Elbe auf der Fähre war mein km70 nach der Uhr weg – 9:17h. Das Stück Radweg laufe ich wieder. Aber den Anstieg aus dem Elbtal nach oben geht es dann zügig empor. Oben angekommen sieht man dann bereits die deutliche Änderung des Terrains. Ist man stromauf linksseitig der Elbe sehr trailig unterwegs, überwiegen auf dem Rückweg zu Beginn eher Felder und Wälder. Hier ist Laufen angesagt! So schwer es manches Mal auch fällt! Aber das Ergebnis ist jetzt nicht so schlecht: km80 nach 10:34h. Ich laufe doch noch einmal 1:17h auf den letzten 10km und das ist inkl. des Anstiegs aus dem Elbtal. Diese Zeit lief ich auch auf den 10ern bis km30 und km40.

Das Highlight dieses Abschnittes ist aber ein anderes. Auch bei km80 hatte ich mir ein Gel reingedrückt. Der Weg war gut laufbar und so hatte ich mich mittlerweile doch für diese Tages-km-Zahl ganz gut eingelaufen. Es kam der Waldgasthof Liethenmühle. Der Weg ging mitten durch. Einiges an Leuten saß dort bei Bierchen, Kaffee oder weiß ich was. Zügig lief ich durch, grüßte und war auch schon wieder raus und im Wald. Nur wenige Meter später traute ich meinen Augen nicht! Das war ein Teich und an dessen Ende floß ich weitem Bogen aus einem Rohr Bachwasser in den Teich! Das ist ja wohl mal Geil! Es war etwa km82. Ich hatte noch reichlich 30km zu laufen und ich kann noch einmal Wasser voll auffüllen. Nun müßte ich eigentlich mit den 2 Litern, die ich jetzt wieder hatte bis Pirna kommen.
Lief ich zwar zu Beginn schon mehr mit einer Option Malerweg-FKT los, so war spätestens nach den 9h in Schmilka eine FKT erklärtes Ziel. Nunmehr wurde aber schon aus der eventuell selfsupported gelaufenen FKT, weil ich ggf. noch einmal Wasser bis Pirna fassen muß, doch das Ziel FKT – unsupported!

Quelle nach der Lietzenmühle, km82

Es war 13:15Uhr. Es waren noch 5h bis Sonnenuntergang und es waren noch irgendwas um 30km+x. Bis Sonnenuntergang wäre es eine Laufzeit von 16h. Klar kam noch der Papststein, der Pfaffenstein, die Feste Königsstein und auch der Rauenstein. Das versprach noch Höhenmeter, Kletterei, schwer laufbares Gelände. Aber es waren ja auch noch zum 6er Schnitt 2h drauf Zeit. Das geht ein wenig Richtung 2h/10km – eine Pace, die ich in den Alpen immer überschlägig nehme.

Mit diesen Überlegungen witterte ich „mittägliche“ Morgenluft. Es geht auf die letzten „bummeligen“ km. Die Beine hatten akzeptiert, was ich mit ihnen machte. Der Kopf regelte, dass ich es nicht übertrieb. Es lief also einfach gerade. Und nun kam eben auch ein leichter Zug im Lauf dazu.

Liebe Freunde wollten auf der zweiten Hälfte irgendwo am Weg stehen. Jetzt hieß es konzentrieren. Laufen und Konzentration. Hmm. Manchmal klappt das. Manchmal nicht. Am Papststein nahm ich oben einen kleinen Abzweig rechts und fand mich auf der falschen Seite der Steine wieder. Also retour. Mit ein paar Wanderern, die das gleiche machten, noch ein kurzer Schnack. Sie fragten mich wo es lang ginge und es dauerte etwas bis ich klar hatte von wo sie her kamen und wo sie hinwollten. So eine grobe Karte, wie die sie hatten und meine Lauf-km im Kopf sind nicht immer eine wirklich hilfreiche Kombination. Wieder auf dem richtigen Weg hoffte ich, meine Freunde wären jetzt nicht an mir vorbei. Kurz Telefon an, Standort geschickt, weiter.

Der Weg an Gohrisch vorbei zum Pfaffenstein läuft sich recht gut. In Pfaffendorf zeigt die Uhr km90 an – 12:07h. Jetzt kam noch mal ein technischerer Abschnitt. Durchs Nadelöhr ging es hoch zum Pfaffenstein, hinten wieder runter und dann um den Quirl herum. Letzteres kannte ich noch nicht. Das letzte Drittel eines Laufes ist schon öfter meins. Auch wenn der 10km-Split bis km100 mit 1:33h eine leicht andere Sprache spricht, so ist doch Druck im Lauf. Es wird anstrengend. Aber ich habe den Lauf jetzt klar angenommen. Auf dem Weg vom Quirl nach Pfaffendorf merke ich, dass der Magen anfängt zu drücken. Ich muß etwas Futtern. Und ich darf nicht zu schnell zur Feste hochlaufen. Beides ist einfach für die dann folgenden relativ flachen km nicht hilfreich. So geht es mir dort durch den Kopf. Allein, ich vergesse das Essen. In Königsstein angelangt, sind höchstens die ersten 20Hm nicht zügig. Dann ist immer mehr Druck im Aufstieg. Wanderer kommen mir entgegen; wenige überhole ich. Es ist ja auch schon kurz vor 16Uhr. Wer geht da noch zu Fuß hoch zur Feste.

Oben an der Feste angelangt, laufe ich den Fußweg nach unten Richtung Parkhaus. Ich kenne den Weg. Kurz hinter der Feste übersehe ich allerdings den Abzweig des Malerwegs nach Rechts und laufe nach FKT-GPX-Track geradeaus weiter. Da ich den FKT-Track auf der Karte auf der Laufuhr habe, mache ich mir gar keine Gedanken weiter. Später werde ich aber mitbekommen, dass meine Freunde genau auf dem Stück des Malerweges, am Fuße der Feste auf einer Wiese sitzen und auf mich warten. 😉 Bingo! Ich laufe also wenige hundert Meter an ihnen vorbei. Erst in Thürmsdorf schaue ich wieder auf mein Handy.

Thürmsdorf. Ja, vom Parkhaus bis da war dann ein kleines Loch im Lauf. Schon einige km vorher sollte ich etwa essen und tat es nicht. Hoch zur Feste blendete ich das noch aus. Runterzu ging das auch noch ein wenig. Da drückte dann aber der Magen doch bereits recht stark. Und noch vor der Bundesstraßenquerung war dann doch der Ofen aus. Es ging laufbar bergab und ich mußte Gehen. Innerlich hätte ich vor Wut über mich selbst die Wände hochgehen können – wäre ich nicht grad bissl zu fertig dafür. Gehen! Jetzt! Aber das war dann eben doch die Einladung in den Rucksack zu greifen und die Pellkartoffeln vor zu holen. Drei von sechs waren noch übrig. Obwohl der Magen drückte und ich gar nicht wirklich wollte, packte ich zwei Stück aus, biß kleine Stücken ab, zerdrückte diese mit der Zunge am Gaumen, nahm einen kleinen Schluck Wasser, mischte das Mus mit dem Wasser und schluckte es wie ne Art kalte Kartoffelsuppe runter. Das dauerte etwas. Auch die Wirkung würde etwas dauern. Aber es war die einzige Lösung, um wieder vorwärts zu kommen. In Thürmsdorf setzte ich mich zum zweiten Mal am heutigen Tag kurz hin, telefonierte kurz mit den Freunden und dann ging es weiter – nun wieder laufend! Noch 12-15km. Der Endspurt war eingeläutet!

Den Weg ab Pfaffendorf kannte ich eh, wußte daher, dass es erst mal auf breitem Weg leicht hügelig nach und durch Weißig bis zum Rauenstein gehen würde. Hier ist Laufen angesagt! Nun ja, die Pace war nicht mehr ganz die von heute Morgen. Aber gut, so lange der Laufschritt da ist, geht es doch schneller als wandernd!

Die Kletterei auf dem Rauenstein hatte ich so nicht mehr auf dem Schirm. Es frißt wieder Zeit. Aber gut. So geht es allen, die hier ne FKT laufen. Also gleiche Bedingungen für alle. Paßt. Meine Uhr sagt 105km weg und 14:28h um. Noch 1:30h für die letzten 10?km. Das könnte sich doch eigentlich ausgehen mit 16h?

Nach der Kletterei in den Steinen geht es noch mal abwärts nach Wehlen und dann natürlich noch mal hoch. Den Weg bis Wehlen kenne ich. Ab dem Abzweig nach Nauendorf kommt wieder unbekanntes Terrain. Insofern werde ich sehen, ob 16h ne Option sind. Einfach Laufen und sehen.

In Nauendorf stehen dann doch meine Freunde! Sehr geil. Nachdem sie mich weder in Pfaffendorf noch in Königsstein getroffen haben, hat es also dann endlich dort geklappt. 😉 Ich komme leicht bergan aus dem Wald. Sie wollen ein paar Meter mitlaufen. Hmm, vielleicht war da doch ein Schuß Adrenalin zu viel bei. Auf jeden Fall bin ich irgendwie doch noch schneller und dann auch recht fix wieder weg. Wir sehen uns dann in Pirna auf dem Markt! Es wird in jedem Fall eine FKT und ich hab jetzt noch mal bissl Gas zu geben, damit da vielleicht doch noch ne 15 vorne steht!

In Nauendorf sehe ich noch einen Wegweiser. Da muß doch mal kurz das Telefon für ein Foto raus. Dann aber wirklich fix weiter. Es war der vorletzte kurze Stopp vor dem Marktplatz.

Ich weiß, dass es noch etwas oberhalb des Elbtals ein Stück an der Abbruchkante entlang geht. Im Kopf habe ich, dass die letzten 5km unten auf dem Elberadweg verlaufen. Der Blick geht also immer wieder auf die km-Anzeige der Laufuhr. Hinter Naundorf sind die 110km voll. Es sind 15:09h gelaufen und vom Radweg ist irgendwie noch lange nichts zu sehen. Egal. Der Weg ist das Ziel. Also einfach laufen und warten, wo es runter geht. Stand im Ort in Naundorf noch ne 6bei der Pace, so kamen auf dem wunderschönen schmalen Pfad an der Abbruchkante nur noch zwischen 7 und 8er Pace raus. Die Kraft war nicht mehr da, auf dem Trail ne 6 zu laufen. km110 weg, km111 und es war kein Weg nach unten in Sicht. Ich schaute kurz auf dem Telefon in die Offlinekarte. Noch ein knapper km. Dann muß es runter gehen! Das wäre dann die Distanz bei der andere schon in Pirna auf dem Markt standen. Aber gut. Egal, was die Uhr anzeigte. Letztlich zählt die Strecke und die bin ich mit ein, zwei, drei kurzen Verlaufern halt gelaufen und der Malerweg ist eben erst auf dem Markt in Pirna zu ende. Etwas am Grübeln war ich aber schon ob der 5km Elbe-Radweg. Langsam ging das Wasser zur Neige. Das letzte Gel hatte ich mir auch schon bei km106 eingeworfen. Irgendwann geht dann der einfach abrufbare Sprit aus.

Endlich der Aussichtspunkt Königsnase und dort ging es auch endlich steil abwärts. Die Stufen fand ich jetzt nicht mehr so das Highlight für die Beine, aber das war mit Ansage. Jetzt ist es nicht mehr weit! Unten auf dem Radweg angekommen schaltete ich auf der Laufuhr dann doch mal die Navigation zum Track an. Nicht, dass ich wissen wollte wo es lang geht. Aber dann zeigt die Uhr wie weit es noch zum Ziel ist. Irgendwas um 3,5km standen da wohl auf der Uhr. Puh, doch keine 5km mehr! Allerdings wußte ich, dass die FKT-Strecke unten auf dem Elbe-Radweg bleibt – warum auch immer das so ist. Der Malerweg biegt kurz vor dem Markt noch einmal nach oben ab und führt hoch zum Schloß. Ein Anstieg, den ich meine auch bei Johannes Hacker schon als spannend gelesen habe.

Nach 15:28h komme ich auf den Radweg. Jetzt ist konsequent einfach nur Laufen angesagt. Ich könnte jeden Meter einfach stehen bleiben. Aber wenn man jetzt hier den Anker wirft, dann dauert es noch mal lange. Immerhin bekomme ich noch mal nen 5:30er Schnitt auf dem glatten und flachen Asphalt hin.

Abzweig in Pirna hoch zum Schloß

Nach 15:45h, lt. Laufuhr km115,3 und lt. Navigation 1,2km vom Ziel entfernt biege ich dann links ab. Es geht hoch zum Schloß. Die FKT-Strecke wäre also klar in unter 16h möglich gewesen. Ich habe bewußt diesen Umweg gewählt. Als FKT zählt die Zeit ab Loslaufen in Liebethal bis zur Ankunft am Markt in Pirna. Welche „Umwege“ man da dann läuft, ist nicht wirklich relevant. Hauptsache man läuft außerdem die FKT-Strecke.
Den Anstieg, ich kann ihn nur teilweise laufen. Ich habe keine Ahnung wie weit es noch in Metern bis zum Markt ist. Das nicht laufen können nervt! Ich bin oben am Schloß. Der letzte Schluck Wasser geht nun weg. Der Weg führt nicht zum Schloß, sondern am Rand des Schloßes entlang. Die Maler sind wohl nur die Dienstbotenwege gegangen. Klar, eigentlich logisch. 😉

Am Ende des Schloßes – für mich das Ende, der Betrachter kommt aus Pirna und da ist es wohl eher der Eingang – ist es dann aber wirklich gleich geschafft. „Malerweg – Pirna Markt 5min“ – oder so ähnlich steht es auf dem Schild. Und in der Tat sind es auch wirklich nur noch wenige Meter bis zum Marktplatz.

16 Stunden und 4min nach dem Loslaufen in Liebethal erreiche ich den Marktplatz von Pirna. Meine Freunde sitzen auf einer Bank mitten auf dem Markt. Geschafft!

Pirna Marktplatz

Malerweg – Ein länger geplanter Lauf

Start Liebethal
Ziel Pirna Marktplatz
Dazwischen 112km herrliche Landschaft, hauptsächlich feinster Trail und 4000Höhenmeter.

Das sind die Rahmendaten. Die Wanderempfehlung unterteilt den Malerweg in 8 Etappen. Um den Malerweg als das wahrzunehmen, wie er angelegt ist, lohnt sicherlich eine Splittung.

Ich hatte etwas anderes im Sinn. Die Inspiration gab mir ein Bericht von Johannes Hacker zu seinem Lauf auf dem Malerweg (https://wordpress.com/block-editor/post/schalklaeuft.wordpress.com/3586) Seit dem spukte mir der Lauf im Kopf herum. 2015 lief ich bereits einen Teil. Aber für den kompletten Weg war irgendwie nie die Zeit zu finden. Nie die Zeit zu finden? Ich habe sie mir nie genommen. Es war ja auch immer noch Zeit dafür! Naja, eine Verletzungspause aufgrund einer zickenden Plantarsehne von April bis Juni 2019 und dann der gleiche Mist noch einmal ab November 2019 bis fast Dezember 2020 zeigte mir dann aber doch wie schnell diese Distanzen unmöglich werden können. Vorher war ich nie großartig verletzt. Man lernt nach so langer Verletzungszeit diese so geliebten längeren Läufe noch mehr schätzen.

Bereits bei der Planung sehr reizvoll fand ich die Herausforderung auf dem Weg. Prinzipiell ist es ja ein Lauf im Mittelgebirge. Aber allein die Höhenmeter versprechen läuferisch einen anderen Lauf, als es ein Rennsteig oder Thüringenultra ist. Für meine Begriffe war es somit die Herausforderung eben diese klassischen Mittelgebirgswege auch zügig laufen zu können und mir in den kurzen steileren oder technischen Abschnitten einfach auch die Zeit zu lassen, eben nicht ins Nirvana zu laufen. Letzteres ist etwas, das ich in den Alpen immer ganz gut hin bekomme. Ersteres hat am Rennsteig und beim TU auch recht gut geklappt. Diese Kombination muß dann schließlich auch gehen.
Dann stand ja da etwas im Bericht von einer „schnellsten bekannten Laufzeit“ (FKT – fastest known time). 18:50h auf 112km. Das muß doch machbar sein. Seit diesem ersten Bericht trugen sich andere in die Liste der LäuferInnen auf dem Malerweg ein. Simon Spindler fragte im vergangenen Jahr im Netz wie man sich unterwegs dort verpflegen könnte. Viel konnte ich ihm nicht an Hilfe geben, nur die Gedanken und Erfahrungen meines gelaufenen Teilstücks aus 2015. Ich verfolgte aber sehr seinen Lauf und freute mich über sein Ergebnis. Marc Schulze lief den Weg in einer Laufzeit, die ich wohl eher nicht erreichen werde. Bedenkt man, dass er eine Stunde „Pause“ in Schmilka machte und trotzdem in 14:43h in Pirna auf dem Markt war, spricht das schon eine klare Sprache. Er kam in Schmilka nach 7:50h an und lief dort nach 1:05h erst wieder weiter. Zieht man von dieser Stunde Pause 15min für die Fähre ab, die wirklich benötigt werden, weiß man wo eine FKT auf dem Malerweg hin kommen kann. 14:43h sind da bestimmt nicht das letzte Wort. Den bisherigen Abschluß an FKTs gab dann vor wenigen Wochen Nolle mit der ersten FKT-Zeit einer Frau auf der Strecke. Auch diese 16:42h fand ich sehr beachtlich!

Zu meiner läuferischen Ausgangsbasis schrieb ich bereits in den Vorbetrachtungen. Lange Läufe fehlen, was sich irgendwann auf die laufbaren Passagen auswirken würde. Dembo fehlte, was in den laufbaren Passagen halt auch zu Buche schlägt. Steil hoch und technische Passagen würde ich gut laufen können. So meine Einschätzung vorher.

Bei Betrachtung der Liste an FKT-Läufen fällt dann noch auf, dass noch niemand den Malerweg nonstop völlig ohne Support gelaufen ist. D.h. Simon lief ihn „selfsupported“. D.h., er versorgte sich auf dem Weg 2x in Gaststätten. Ohne Support ist so definiert, dass man nur an Quellen und Brunnen Wasser tanken darf und ansonsten sämtliche Verpflegung beim Loslaufen bereits bei hat. Dieses „unsupported“ war mein Ziel. Aber dafür galt es Wasserstellen herauszufinden – von Berlin aus eine coole Sache. So ging ich auf meiner Offlinekarte auf dem Telefon den Track ab und suchte nach in der Karte eingezeichneten Quellen in der Nähe. Ich fand einige. Da war der Waldborn in der Nähe von Hohnstein, ca. km25. Als nächstes kam der Münzborn kurz vor dem Kuhstall bei ca. km50, dann die Illmquelle in Schmilka bei km68 und abschließend war eine Quelle am Parkplatz unterhalb des Pfaffenstein (in Sichtweite zum Gasthaus „Zum Pfaffenstein“) eingezeichnet. Das wäre etwa km90. Die Entfernungen waren also eigentlich ganz gut gesetzt, dass man die Distanz auch eigenverpflegt laufen könnte.

Nun geht man so ein Unterfangen nicht an, ohne nicht vorher die Brunnen auch zu prüfen. Nichts wäre schlimmer, als im Nirvana unterwegs zu sein und das Wasser geht aus. Nachdem der Tag also feststand an dem ich laufen wollte, ging es ans Finetuning.

Das Auto wollte ich in Pirna am Bahnhof abstellen. Da ist ein kostenloser P+R-Parkplatz. Das ist nicht wirklich weit vom Marktplatz entfernt. Geht also. Nach Liebethal wollte ich dann nicht auch noch laufen. Also Fahrrad ins Auto. Morgens wird dann vom Parkplatz mit dem Radl die 6km gefahren und abends kann man das Radl mit dem Auto wieder abholen.

Verpflegung.
In den Bergen verpflege ich mich gern mit ner Suppe auf ner Hütte oder auch mit Stulle oder eben Pellkartoffeln. Was eigentlich nie auf dem Speiseplan steht, sind Gels. Wo das Zeugs aber helfen kann, sind die laufbaren Passagen hintenraus. Tragen muß man das Zeugs ja auch noch. Also waren 6 kleine Pellkartoffeln und 10 Gels die Verpflegung der Wahl. Das mußte für „X“ Stunden unterwegs reichen.

Trinken.
Wie schon geschrieben, hatte ich mir die Brunnen im Netz gesucht. So sah meine Planung aus. Dunkelblau hatte ich Wasserläufe oder Wasserfälle markiert, die am Weg sein könnten. Hellblau waren die herausgesuchten Brunnen.

Malerweg auf der Offlinekarte im Telefon

Am Freitag vor dem Lauf ging es um kurz nach dem Mittag in Berlin los – Ziel war Hohnstein und damit der erste Brunnen. Der Waldborn ist ein alter Brunnen mit einer Schlegelpumpe. Schon beim Lesen hatte ich so die Befürchtung, dass diese Pumpen bei längerer Nichtnutzung oder Trockenheit oder beidem erst einmal angegossen werden müssen, bevor da etwas kommt. Und ja, leider war der Gedanke nicht verkehrt. Da war nix mit Wasser. 1 von 4 negativ.

Waldborn bei Hohnstein – leider trocken


Weiter ging es ins Kirnitzschtal. Kurz vor dem Lichtenhainer Wasserfall sollte an der Brücke, über die man beim Malerweg von den Schrammsteinen runter kommt Richters Born sein. Hmm, trotz intensiver Suche war da nichts zu finden. Also weiter zum Münzborn kurz nach dem Lichtenhainer Wasserfall in Richtung Kuhstall – ausgetrocknet. Ich suchte eine Weile. Aber auch da war nichts. Jetzt wurde es eng! Die nächste Quelle wäre erst km68 in Schmilka. Bis dahin kommt man mit Wasser nur ab Liebethal nicht! Da muß noch ein Plan B her.
Aber erst mal weiter und sehen, ob in Schmilka die Illmquelle vorhanden ist. Jup, die war da! Hier kann also voll aufgetankt werden.

Illmquelle in Schmilka

Letzter Stop war Pfaffendorf. Am Ortsausgang Richtung Pfaffenstein fand ich zwar kurz vor dem Gasthof „Zum Pfaffenstein“ rechter Hand den Brunnen. Am Brunnen stand „kein Trinkwasser“. Allerdings war die Beschriftung recht irrelevant. Es lief kein Wasser. Abgestellt.

Quelle in Pfaffendorf – abgestellt


OK, Trefferquote 1 von 5. Na immerhin. Die eine Quelle war schon mal ne wichtige Basis in der Mitte des Weges. Bis Schmilka brauche ich dringend noch ne Idee mich mit Wasser zu versorgen und ab Schmilka kann ich dann während des Laufes mitrechnen wie viel Wasser ich pro Stunde etwa verbrauche und weiß dann in Königstein, ob ich mir doch irgendwo was holen muß und aus „unsupported“ „selfsupported“ wird, oder ob ich mit dem da dann noch vorhandenen Wasser doch durchkomme.

Da 25°C für den Samstag angesagt waren, entstand nun auch der zweite noch nicht ganz klare Punkt: die Startzeit. Ich würde leider doch recht zeitig loslaufen und sehr schöne Abschnitte des Weges im Dunkeln laufen. Allerdings ist der Wasserbedarf bei niedrigeren Temperaturen einfach geringer. Aus den Zeiten von Marc und Nolle peilte ich einfach über den Daumen mal eine Laufzeit bis Schmilka von 9h an. Für die zweite „Hälfte“ schätzte ich, dass 7h gut klingen würden. Wie realistisch das war, hatte ich allerdings keine Ahnung. Nur mit irgendwas muß man ja mal in eine Zeitplanung gehen. Aus diesen 16h Laufzeit + Fähre entstand dann das Loslaufen zwischen 2 und 3Uhr in der Früh.

In Königststein holte ich mir noch ne Packung Quark zu meinen Pellkartoffeln, die ich aus Berlin eh mitgebracht hatte und schon hatte ich ein Abendbrot. Was noch ausstand war eine Idee zur Wasserversorgung bis Schmilka. Da fiel mein Blick beim Schauen in die Karte auf einen Brunnen an der Kirche in Wehlen. Die Rückfahrt von Königstein nach Pirna ging also über Bad Schandau nach Wehlen. Jup, da kam Wasser und es war auch Trinkwasser. Somit war die Planung klar. Ich werde mit wenig Wasser in Liebethal loslaufen, in Wehlen kurz vom Weg abzweigen und die Flaschen, die ich bei hatte komplett mit Wasser auffüllen. Das waren 2 Liter. Und dann muß ich sehen, dass ich unterwegs irgendwo an Bächen nachfüllen kann. Geht das schief, kann ich sehen, ob ich an der Ostrauer Mühle am Zeltplatz etwas Wasser auffüllen kann. Wäre dann halt „selfsupported“. Ist dann so. Nicht schlimm.

Nachdem die Wasserversorgung gedanklich geklärt war, fuhr ich entspannt nach Pirna, suchte mir nen ruhiges Plätzchen fürs Auto, stellte das Radel neben das Auto, packte meine Luftmatratze und den Schlafsack aus, legte alle Laufklamotten für den nächsten Tag und den Laufrucksack bereit, aß in Ruhe Abendbrot – lecker Pellkartoffeln und Quark, trank nen spritfreies Bierchen, stellte den Wecker und da es mittlerweile dunkel war, war ich auch ruckzuck eingeschlafen.

1:30Uhr klingelte der Wecker.

😉