Malerweg nonstop

Auf der Website Sächsische-Schweiz.de steht zum Malerweg

112 Kilometer Wanderglück!

Ich wollte den Weg am Stück laufen.
Ein paar Vorbetrachtungen schrieb ich in der Woche vor dem Lauf zusammen (https://schalklaeuft.wordpress.com/2020/09/29/malerweg-die-vorbereitung/).
Die Intension hierfür und die Vorbereitung habe ich seperat in einem Blog festgehalten (https://schalklaeuft.wordpress.com/2020/10/07/malerweg-ein-langer-geplanter-lauf/).
Es war Samstag, der 03.Oktober2020. Um 01:30Uhr klingelte der Wecker. Ich schälte mich aus meinem Schlafsack. Es ist nicht wirklich stockfinster. Der Mond gibt viel Licht. Trotzdem ziehe ich das Akku der Lauflampe vom Netz und mache die Stirnlampe an. Ich habe das Auto in einer dunklen Seitenstraße geparkt, um die wenigen Stunden trotzdem ruhig im Auto schlafen zu können. Rein in die Laufklamotten, alles zusammenschieben, Zähne putzen, Radl ins Auto und los. Das Brötchen zum Frühstück futtere ich auf den paar Metern zum Bahnhof Pirna. 2Uhr starte ich dort mit dem Radl. Es geht über die Elbe und durch menschenleere Straßen nach Liebethal. Auf dem Wanderparkplatz stelle ich mein Radl ab. Dort kann ich es fest anschließen.

Um 2:24Uhr geht es an der Bushaltestelle Liebethaler Grund los. Gleich auf den ersten Metern muß ich mich erst mal in der Orientierung und Wegfindung finden. Es wird eine Weile dauern, bis ich in den Lauf finden werde. Die Beine sind nicht wirklich locker. Es nervt mich an jedem klitzekleinen Seitenweg unsicher zu sein, wo es lang geht. Der Vollmond hilft da auch nicht wirklich, wenn man im Wald rumturnt. Aber wenigstens die Temperaturen sind angenehm. Und ja, dass ich bei manchem Lauf ne Weile brauche, bis ich auf Betriebstemperatur bin, ist jetzt auch nicht ganz neu. Oben auf den Feldern geht ordentlich der Wind von vorn. Aber das ist jetzt auch nur noch ein klitzkleiner Nadelstich. Es hebt nicht mehr weiter irgendwie an. Der Blick geht in die Ferne. Bei dem Mond ist das doch ein schöner Anblick!

Nach reichlich einer Stunde erreiche ich Wehlen (12km – 1:08h). Das mitgeführte Wasser ist alle. Ich fülle die Flaschen auf, 1,75l. Es geht runter zur Elbe. Ein Güterzug braust auf der anderen Seite des Flußes durchs Elbtal Richtung Tschechien. Der Ort ist ruhig. Niemand zu sehen, kein Licht im Fenster. Logisch. Es ist noch nicht mal 4Uhr. Es geht hoch zur Bastei. 4Uhr bin ich auf der Bastei. Ruhig hier. In wenigen Stunden wird es auf dem Parkplatz und der Basteibrücke anders aussehen. Jetzt ist es dunkel und still.

Der Weg führt runter zum Amselsee. Ich kenne die Strecke. Die Beine sind noch etwas steif. Nein, flüssig geht es nicht nach unten. Der Magen fängt leicht an zu knurren. Zu den schweren Beinen kommt dann auch noch ein Verpflegungsproblem dazu. Warum auch nicht? Auf Kartoffel habe ich grad kein Appetit. Mit Wasser, wie ich es sonst oft mache, kann ich ihn nicht beruhigen. Da hab ich nicht genug von bei für solche Spielerein. Km16 schiebe ich mir einfach das erste Gel ein. Novum. Ist OK. Wird schon noch werden. Am Amselfall ist dann der Weg gesperrt. Massive Wegabsperrung sollen ein Überklettern unmöglich machen. Ein Schild weist darauf hin, dass der Weg bis zum 25.01.2020 (So ich mir das richtig gemerkt habe) leider wegen dringen nötiger Sicherungsarbeiten gesperrt ist. Hmm, ist wohl nicht pünktlich fertig geworden und dann kam Corona und jetzt sind alle nicht im Wald am Arbeiten wo sich keiner Anstecken kann, sondern im Homeoffice? Ich bin nicht der erste, der den Weg durch die Absperrungen findet. Naja, hier turnen schließlich auch naturgemäß reichlich Kletterer in der Gegend rum. Der km20 ist dann nach etwa 2:12h erreicht.

Vor Hohnstein, am Hockstein, ist wieder etwas Kletterei angesagt. Leitern geht es runter. Es werden nicht die letzten am heutigen Tag sein. Es ist um km20-25, also nicht weit ab vom Waldborn. In diesem Abschnitt vor dem Waldborn wären einige Male Bäche gewesen, wo ich auch Flaschen hätte auffüllen können. Ok, wie die Wasserqualität da ist, steht natürlich dran. Könnte prinzipiell auch schief gehen. Ich habe ausreichend Wasser anbei. Also keine Notwendigkeit des Auftankens. Mittlerweile bin ich etwas besser im Rennen. Auch wenn sich noch nicht zu 100% die Routine der Wegfindung nach den Wegweisern gefunden hat. Gerade wenn es aufwärts geht und der Kopf eher nach unten geneigt ist, sehe ich nicht zwingend die Wegweiser und muß an Kreuzungen manches mal ne Weile schauen. Auch im Polenztal und darauf kommt noch das eine oder andere Orientierungsproblem. Das nervt! Aber gut. Da muß man dann halt durch. Diese ganze Ecke dort habe ich als sehr, sehr schön im Kopf. Was ich im Schein der Stirnlampe sehe, läßt das ebenfalls vermuten. Allein, es ist dunkel. Schade!

Um kurz vor 6Uhr bin ich am Brand. Steil ging es runter, dann links die Straße hoch und dann ist auf der Uhr auch schon der km30 voll. Es sind 3:30h gelaufen – gerade 30min über 6er Schnitt. Nun geht es wieder steil viele Stufen nach oben. Ohja, ich erinnere mich. In den Aufpassagen muß ich mich zusammenreißen nicht zu schnell hochzusteigen. Es dauert dann immer zu lange, bis es gerade auch wieder gut läuft. Schön sachte!

Im Abstieg zur Kohlmühle, im Kohllichtgraben höre ich einen Wasserlauf. Es dürfte jetzt nicht mehr so weit bis zur Ostrauer Mühle sein. Den Bachlauf habe ich mir gesucht und Wasser aufgefüllt. Das Stück des Weges an der Bahnstrecke entlang kann ich mich nicht ansatzweise erinnern. Ok. Vor fünf Jahren lief ich da letztmalig entlang. Das passiert.

Langsam wird es hell. Den Sonnenaufgang werde ich dann also nicht an den Schrammsteinen erleben. wäre sicher auch schön gewesen. Kurz vor Altendorf lugt sie dann hinter den Bäumen vor.

Altendorf

Doch, ein Stück weit atme ich auf, da nun sicherlich die Wegfindung noch etwas besser wird. Andererseits bin ich gespannt ab wann es merklich wärmer wird. Um kurz vor 7 passiere ich die Ostrauer Mühle. Der Zeltplatz liegt auf den einen Blick immer noch verschlafen da. Sicherlich wird der Schein trügen.
Kurz hinter dem Zeltplatz sind die 40km voll. 4:48h. Über die Laufzeit bin ich leicht erstaunt. Klar wußte ich, dass die ersten km leichter zu laufen sind. Gerade da tat ich mich aber auch schwer. Die Hälfte der Höhenmeter bis Schmilka dürften weg sein und doch noch keine 50min hinter einem 6er Schnitt hinterher.

Ich freue mich auf den Weg in Richtung Schrammsteine. D.h., in der Bergaufpassage ärgere ich mich erst mal, dass es leicht zu steil zum Laufen für mich ist und ich so schnell wandern muß. Das kostet nur unötig Zeit! Auf diesem Abschnitt begegne ich den ersten Leuten am heutigen Tag, zwei Wanderinnen. Und kurz darauf, direkt vor dem Schrammtor kommt von rechts ein Läufer – um rechts an der Kreuzung 10m vor mir abzubiegen. Für mich geht es da Links in die Schrammsteine.

Schrammsteintor

Grad 7:30Uhr und schon so ein Begängnis. Keine 10min später bin ich oben auf den Schrammsteinen – völlig allein. Ich glaube an diesem Tag dauert das 2h später bereits deutlich länger… 😉

Ausblick von den Schrammsteinen

Jetzt geht es wieder abwärts ins Kirnitzschtal. Der km50 sollte eigentlich im Aufstieg zum Kuhstall sein. Hmm, meine Uhr sagt mir schon vor dem Beuthenfall, dass die 50km voll sind. 6:15h bin ich unterwegs.
Am Beuthenfall kommt man auf die Straße. Das ist da, wo früher sicherlich einmal Richters Born zu finden war. Ich laufe die Straße entlang. Am Lichtenhainer Wasserfall höre ich das Wasser rauschen und beschließe mir dort eine Flasche aufzufüllen. Eine zweite Flasche mit knapp 0,5Liter habe ich noch. Das Wasser schmeckt nicht so Bombe. Kurz darauf tausche ich es gegen Wasser aus der Kirnitzsch. Das ist besser. Ob es immer gut ist, weiß ich nicht. Das Tal ist noch lang und einige Mühlen sind noch weiter hinten im Tal direkt am Fluß gelegen. Egal. Das ist jetzt so. 9:05Uhr bin ich am Kuhstall. Erwartungsgemäß ist auch hier noch niemand. Aber auch das wird sich bald ändern.

Der nun folgende Weg ist für mich Neuland. In einer Wegbeschreibung las ich, dass der Weg zum Großen Winterberg nicht zu unterschätzen ist. Ich habe für den Weg 2h benötigt und den Weg durch das Kirnitzschtal empfand ich auch aufgrund des immer wieder auf die Straße herunterlaufens mental etwas anstrengend. Man kommt sich da etwas wie Hase und Igel vor, Es geht von der Straße aus Trail oder Wanderweg hoch, irgendwo durch den Wald, wieder runter und schwups ist man wieder auf der Kirnitzschtalstraße – um den nächsten Trail hochzulaufen. „Ick bün all hier.“ Etwas eine Stunde nach dem Lichtenhainer Wasserfall erreichte ich aber mit der Räumichtmühle die letzte Mühle für den heutigen Tag im Kirnitzschtal und es ging in den finalen Anstieg hoch zum Winterberg. Die Mühle läßt man allerdings links liegen, tangiert sie nicht. Beim Queren einer kleinen Brücke dort überlegte ich noch kurz, ob ich nicht auch da Wasser fassen solle. Aufgrund der Nähe zur Mühle machte ich es nicht. Das wäre auch eine Option. Das ist km60 (7:27h) – Noch 8km bis Schmilka. Da der Abstieg nach Schmilka nicht all zu lang ist, wird es noch zwei Minuten bis zum Großen Winterberg dauern. Oh ja! Die 5km sollte man nicht unterschätzen. Die ziehen sich – wenngleich der Weg recht ruhig und wunderschön ist!
Ist man dann endlich oben! Recht fix geht es nach unten. Einige Leute kommen mir entgegen und es ist wunderschön nach unten zu „fliegen“.

Das Wasser ist bald alle. Höchste Zeit also auch, endlich die Illmquelle zu erreichen. Obwohl doch unten an der Elbe die Fähre pendelt und man also eigentlich zusehen sollte schnellstmöglich dort hin zu kommen, mache ich an der Quelle kurz Rast, fülle alle Flaschen auf und wasche Unterarme, Gesicht und Kopf ab. Das kühle Nass ist herrlich!

Schmilka, Fähre

Gestärkt geht es nun zur Fähre runter. Immer wieder kommt mir ein Schwall an Leuten entgegen – eben so pulsartig, wie sie die Fähre ausspukt. An der Fähre bin ich genau um 11:30Uhr – also 9:05h nach dem Loslaufen. Innerloch schüttle ich etwas den Kopf über meine Schätzung von 9h und die nun real gelaufene Zeit. Das ist schon drollig.
Die Fähre legt gerade auf der anderen Seite an, als ich an der Elbe ankomme. Es ist also Zeit für mich. Ich futtere eine Pellkartoffel und warte. Die Beine waren bereits auf dem letzten km hoch zum Großen Winterberg leicht angeschossen. Die Waden zuckten aufwärts bei Druck schon leicht und in den Kniekehlen merkte ich ein Ziehen. Eine kurze Entspannung war durchaus sinnvoll!

Nach ca. 15min geht es auf der anderen Seite weiter. Beim Queren der Elbe auf der Fähre war mein km70 nach der Uhr weg – 9:17h. Das Stück Radweg laufe ich wieder. Aber den Anstieg aus dem Elbtal nach oben geht es dann zügig empor. Oben angekommen sieht man dann bereits die deutliche Änderung des Terrains. Ist man stromauf linksseitig der Elbe sehr trailig unterwegs, überwiegen auf dem Rückweg zu Beginn eher Felder und Wälder. Hier ist Laufen angesagt! So schwer es manches Mal auch fällt! Aber das Ergebnis ist jetzt nicht so schlecht: km80 nach 10:34h. Ich laufe doch noch einmal 1:17h auf den letzten 10km und das ist inkl. des Anstiegs aus dem Elbtal. Diese Zeit lief ich auch auf den 10ern bis km30 und km40.

Das Highlight dieses Abschnittes ist aber ein anderes. Auch bei km80 hatte ich mir ein Gel reingedrückt. Der Weg war gut laufbar und so hatte ich mich mittlerweile doch für diese Tages-km-Zahl ganz gut eingelaufen. Es kam der Waldgasthof Liethenmühle. Der Weg ging mitten durch. Einiges an Leuten saß dort bei Bierchen, Kaffee oder weiß ich was. Zügig lief ich durch, grüßte und war auch schon wieder raus und im Wald. Nur wenige Meter später traute ich meinen Augen nicht! Das war ein Teich und an dessen Ende floß ich weitem Bogen aus einem Rohr Bachwasser in den Teich! Das ist ja wohl mal Geil! Es war etwa km82. Ich hatte noch reichlich 30km zu laufen und ich kann noch einmal Wasser voll auffüllen. Nun müßte ich eigentlich mit den 2 Litern, die ich jetzt wieder hatte bis Pirna kommen.
Lief ich zwar zu Beginn schon mehr mit einer Option Malerweg-FKT los, so war spätestens nach den 9h in Schmilka eine FKT erklärtes Ziel. Nunmehr wurde aber schon aus der eventuell selfsupported gelaufenen FKT, weil ich ggf. noch einmal Wasser bis Pirna fassen muß, doch das Ziel FKT – unsupported!

Quelle nach der Lietzenmühle, km82

Es war 13:15Uhr. Es waren noch 5h bis Sonnenuntergang und es waren noch irgendwas um 30km+x. Bis Sonnenuntergang wäre es eine Laufzeit von 16h. Klar kam noch der Papststein, der Pfaffenstein, die Feste Königsstein und auch der Rauenstein. Das versprach noch Höhenmeter, Kletterei, schwer laufbares Gelände. Aber es waren ja auch noch zum 6er Schnitt 2h drauf Zeit. Das geht ein wenig Richtung 2h/10km – eine Pace, die ich in den Alpen immer überschlägig nehme.

Mit diesen Überlegungen witterte ich „mittägliche“ Morgenluft. Es geht auf die letzten „bummeligen“ km. Die Beine hatten akzeptiert, was ich mit ihnen machte. Der Kopf regelte, dass ich es nicht übertrieb. Es lief also einfach gerade. Und nun kam eben auch ein leichter Zug im Lauf dazu.

Liebe Freunde wollten auf der zweiten Hälfte irgendwo am Weg stehen. Jetzt hieß es konzentrieren. Laufen und Konzentration. Hmm. Manchmal klappt das. Manchmal nicht. Am Papststein nahm ich oben einen kleinen Abzweig rechts und fand mich auf der falschen Seite der Steine wieder. Also retour. Mit ein paar Wanderern, die das gleiche machten, noch ein kurzer Schnack. Sie fragten mich wo es lang ginge und es dauerte etwas bis ich klar hatte von wo sie her kamen und wo sie hinwollten. So eine grobe Karte, wie die sie hatten und meine Lauf-km im Kopf sind nicht immer eine wirklich hilfreiche Kombination. Wieder auf dem richtigen Weg hoffte ich, meine Freunde wären jetzt nicht an mir vorbei. Kurz Telefon an, Standort geschickt, weiter.

Der Weg an Gohrisch vorbei zum Pfaffenstein läuft sich recht gut. In Pfaffendorf zeigt die Uhr km90 an – 12:07h. Jetzt kam noch mal ein technischerer Abschnitt. Durchs Nadelöhr ging es hoch zum Pfaffenstein, hinten wieder runter und dann um den Quirl herum. Letzteres kannte ich noch nicht. Das letzte Drittel eines Laufes ist schon öfter meins. Auch wenn der 10km-Split bis km100 mit 1:33h eine leicht andere Sprache spricht, so ist doch Druck im Lauf. Es wird anstrengend. Aber ich habe den Lauf jetzt klar angenommen. Auf dem Weg vom Quirl nach Pfaffendorf merke ich, dass der Magen anfängt zu drücken. Ich muß etwas Futtern. Und ich darf nicht zu schnell zur Feste hochlaufen. Beides ist einfach für die dann folgenden relativ flachen km nicht hilfreich. So geht es mir dort durch den Kopf. Allein, ich vergesse das Essen. In Königsstein angelangt, sind höchstens die ersten 20Hm nicht zügig. Dann ist immer mehr Druck im Aufstieg. Wanderer kommen mir entgegen; wenige überhole ich. Es ist ja auch schon kurz vor 16Uhr. Wer geht da noch zu Fuß hoch zur Feste.

Oben an der Feste angelangt, laufe ich den Fußweg nach unten Richtung Parkhaus. Ich kenne den Weg. Kurz hinter der Feste übersehe ich allerdings den Abzweig des Malerwegs nach Rechts und laufe nach FKT-GPX-Track geradeaus weiter. Da ich den FKT-Track auf der Karte auf der Laufuhr habe, mache ich mir gar keine Gedanken weiter. Später werde ich aber mitbekommen, dass meine Freunde genau auf dem Stück des Malerweges, am Fuße der Feste auf einer Wiese sitzen und auf mich warten. 😉 Bingo! Ich laufe also wenige hundert Meter an ihnen vorbei. Erst in Thürmsdorf schaue ich wieder auf mein Handy.

Thürmsdorf. Ja, vom Parkhaus bis da war dann ein kleines Loch im Lauf. Schon einige km vorher sollte ich etwa essen und tat es nicht. Hoch zur Feste blendete ich das noch aus. Runterzu ging das auch noch ein wenig. Da drückte dann aber der Magen doch bereits recht stark. Und noch vor der Bundesstraßenquerung war dann doch der Ofen aus. Es ging laufbar bergab und ich mußte Gehen. Innerlich hätte ich vor Wut über mich selbst die Wände hochgehen können – wäre ich nicht grad bissl zu fertig dafür. Gehen! Jetzt! Aber das war dann eben doch die Einladung in den Rucksack zu greifen und die Pellkartoffeln vor zu holen. Drei von sechs waren noch übrig. Obwohl der Magen drückte und ich gar nicht wirklich wollte, packte ich zwei Stück aus, biß kleine Stücken ab, zerdrückte diese mit der Zunge am Gaumen, nahm einen kleinen Schluck Wasser, mischte das Mus mit dem Wasser und schluckte es wie ne Art kalte Kartoffelsuppe runter. Das dauerte etwas. Auch die Wirkung würde etwas dauern. Aber es war die einzige Lösung, um wieder vorwärts zu kommen. In Thürmsdorf setzte ich mich zum zweiten Mal am heutigen Tag kurz hin, telefonierte kurz mit den Freunden und dann ging es weiter – nun wieder laufend! Noch 12-15km. Der Endspurt war eingeläutet!

Den Weg ab Pfaffendorf kannte ich eh, wußte daher, dass es erst mal auf breitem Weg leicht hügelig nach und durch Weißig bis zum Rauenstein gehen würde. Hier ist Laufen angesagt! Nun ja, die Pace war nicht mehr ganz die von heute Morgen. Aber gut, so lange der Laufschritt da ist, geht es doch schneller als wandernd!

Die Kletterei auf dem Rauenstein hatte ich so nicht mehr auf dem Schirm. Es frißt wieder Zeit. Aber gut. So geht es allen, die hier ne FKT laufen. Also gleiche Bedingungen für alle. Paßt. Meine Uhr sagt 105km weg und 14:28h um. Noch 1:30h für die letzten 10?km. Das könnte sich doch eigentlich ausgehen mit 16h?

Nach der Kletterei in den Steinen geht es noch mal abwärts nach Wehlen und dann natürlich noch mal hoch. Den Weg bis Wehlen kenne ich. Ab dem Abzweig nach Nauendorf kommt wieder unbekanntes Terrain. Insofern werde ich sehen, ob 16h ne Option sind. Einfach Laufen und sehen.

In Nauendorf stehen dann doch meine Freunde! Sehr geil. Nachdem sie mich weder in Pfaffendorf noch in Königsstein getroffen haben, hat es also dann endlich dort geklappt. 😉 Ich komme leicht bergan aus dem Wald. Sie wollen ein paar Meter mitlaufen. Hmm, vielleicht war da doch ein Schuß Adrenalin zu viel bei. Auf jeden Fall bin ich irgendwie doch noch schneller und dann auch recht fix wieder weg. Wir sehen uns dann in Pirna auf dem Markt! Es wird in jedem Fall eine FKT und ich hab jetzt noch mal bissl Gas zu geben, damit da vielleicht doch noch ne 15 vorne steht!

In Nauendorf sehe ich noch einen Wegweiser. Da muß doch mal kurz das Telefon für ein Foto raus. Dann aber wirklich fix weiter. Es war der vorletzte kurze Stopp vor dem Marktplatz.

Ich weiß, dass es noch etwas oberhalb des Elbtals ein Stück an der Abbruchkante entlang geht. Im Kopf habe ich, dass die letzten 5km unten auf dem Elberadweg verlaufen. Der Blick geht also immer wieder auf die km-Anzeige der Laufuhr. Hinter Naundorf sind die 110km voll. Es sind 15:09h gelaufen und vom Radweg ist irgendwie noch lange nichts zu sehen. Egal. Der Weg ist das Ziel. Also einfach laufen und warten, wo es runter geht. Stand im Ort in Naundorf noch ne 6bei der Pace, so kamen auf dem wunderschönen schmalen Pfad an der Abbruchkante nur noch zwischen 7 und 8er Pace raus. Die Kraft war nicht mehr da, auf dem Trail ne 6 zu laufen. km110 weg, km111 und es war kein Weg nach unten in Sicht. Ich schaute kurz auf dem Telefon in die Offlinekarte. Noch ein knapper km. Dann muß es runter gehen! Das wäre dann die Distanz bei der andere schon in Pirna auf dem Markt standen. Aber gut. Egal, was die Uhr anzeigte. Letztlich zählt die Strecke und die bin ich mit ein, zwei, drei kurzen Verlaufern halt gelaufen und der Malerweg ist eben erst auf dem Markt in Pirna zu ende. Etwas am Grübeln war ich aber schon ob der 5km Elbe-Radweg. Langsam ging das Wasser zur Neige. Das letzte Gel hatte ich mir auch schon bei km106 eingeworfen. Irgendwann geht dann der einfach abrufbare Sprit aus.

Endlich der Aussichtspunkt Königsnase und dort ging es auch endlich steil abwärts. Die Stufen fand ich jetzt nicht mehr so das Highlight für die Beine, aber das war mit Ansage. Jetzt ist es nicht mehr weit! Unten auf dem Radweg angekommen schaltete ich auf der Laufuhr dann doch mal die Navigation zum Track an. Nicht, dass ich wissen wollte wo es lang geht. Aber dann zeigt die Uhr wie weit es noch zum Ziel ist. Irgendwas um 3,5km standen da wohl auf der Uhr. Puh, doch keine 5km mehr! Allerdings wußte ich, dass die FKT-Strecke unten auf dem Elbe-Radweg bleibt – warum auch immer das so ist. Der Malerweg biegt kurz vor dem Markt noch einmal nach oben ab und führt hoch zum Schloß. Ein Anstieg, den ich meine auch bei Johannes Hacker schon als spannend gelesen habe.

Nach 15:28h komme ich auf den Radweg. Jetzt ist konsequent einfach nur Laufen angesagt. Ich könnte jeden Meter einfach stehen bleiben. Aber wenn man jetzt hier den Anker wirft, dann dauert es noch mal lange. Immerhin bekomme ich noch mal nen 5:30er Schnitt auf dem glatten und flachen Asphalt hin.

Abzweig in Pirna hoch zum Schloß

Nach 15:45h, lt. Laufuhr km115,3 und lt. Navigation 1,2km vom Ziel entfernt biege ich dann links ab. Es geht hoch zum Schloß. Die FKT-Strecke wäre also klar in unter 16h möglich gewesen. Ich habe bewußt diesen Umweg gewählt. Als FKT zählt die Zeit ab Loslaufen in Liebethal bis zur Ankunft am Markt in Pirna. Welche „Umwege“ man da dann läuft, ist nicht wirklich relevant. Hauptsache man läuft außerdem die FKT-Strecke.
Den Anstieg, ich kann ihn nur teilweise laufen. Ich habe keine Ahnung wie weit es noch in Metern bis zum Markt ist. Das nicht laufen können nervt! Ich bin oben am Schloß. Der letzte Schluck Wasser geht nun weg. Der Weg führt nicht zum Schloß, sondern am Rand des Schloßes entlang. Die Maler sind wohl nur die Dienstbotenwege gegangen. Klar, eigentlich logisch. 😉

Am Ende des Schloßes – für mich das Ende, der Betrachter kommt aus Pirna und da ist es wohl eher der Eingang – ist es dann aber wirklich gleich geschafft. „Malerweg – Pirna Markt 5min“ – oder so ähnlich steht es auf dem Schild. Und in der Tat sind es auch wirklich nur noch wenige Meter bis zum Marktplatz.

16 Stunden und 4min nach dem Loslaufen in Liebethal erreiche ich den Marktplatz von Pirna. Meine Freunde sitzen auf einer Bank mitten auf dem Markt. Geschafft!

Pirna Marktplatz

Malerweg – Ein länger geplanter Lauf

Start Liebethal
Ziel Pirna Marktplatz
Dazwischen 112km herrliche Landschaft, hauptsächlich feinster Trail und 4000Höhenmeter.

Das sind die Rahmendaten. Die Wanderempfehlung unterteilt den Malerweg in 8 Etappen. Um den Malerweg als das wahrzunehmen, wie er angelegt ist, lohnt sicherlich eine Splittung.

Ich hatte etwas anderes im Sinn. Die Inspiration gab mir ein Bericht von Johannes Hacker zu seinem Lauf auf dem Malerweg (https://wordpress.com/block-editor/post/schalklaeuft.wordpress.com/3586) Seit dem spukte mir der Lauf im Kopf herum. 2015 lief ich bereits einen Teil. Aber für den kompletten Weg war irgendwie nie die Zeit zu finden. Nie die Zeit zu finden? Ich habe sie mir nie genommen. Es war ja auch immer noch Zeit dafür! Naja, eine Verletzungspause aufgrund einer zickenden Plantarsehne von April bis Juni 2019 und dann der gleiche Mist noch einmal ab November 2019 bis fast Dezember 2020 zeigte mir dann aber doch wie schnell diese Distanzen unmöglich werden können. Vorher war ich nie großartig verletzt. Man lernt nach so langer Verletzungszeit diese so geliebten längeren Läufe noch mehr schätzen.

Bereits bei der Planung sehr reizvoll fand ich die Herausforderung auf dem Weg. Prinzipiell ist es ja ein Lauf im Mittelgebirge. Aber allein die Höhenmeter versprechen läuferisch einen anderen Lauf, als es ein Rennsteig oder Thüringenultra ist. Für meine Begriffe war es somit die Herausforderung eben diese klassischen Mittelgebirgswege auch zügig laufen zu können und mir in den kurzen steileren oder technischen Abschnitten einfach auch die Zeit zu lassen, eben nicht ins Nirvana zu laufen. Letzteres ist etwas, das ich in den Alpen immer ganz gut hin bekomme. Ersteres hat am Rennsteig und beim TU auch recht gut geklappt. Diese Kombination muß dann schließlich auch gehen.
Dann stand ja da etwas im Bericht von einer „schnellsten bekannten Laufzeit“ (FKT – fastest known time). 18:50h auf 112km. Das muß doch machbar sein. Seit diesem ersten Bericht trugen sich andere in die Liste der LäuferInnen auf dem Malerweg ein. Simon Spindler fragte im vergangenen Jahr im Netz wie man sich unterwegs dort verpflegen könnte. Viel konnte ich ihm nicht an Hilfe geben, nur die Gedanken und Erfahrungen meines gelaufenen Teilstücks aus 2015. Ich verfolgte aber sehr seinen Lauf und freute mich über sein Ergebnis. Marc Schulze lief den Weg in einer Laufzeit, die ich wohl eher nicht erreichen werde. Bedenkt man, dass er eine Stunde „Pause“ in Schmilka machte und trotzdem in 14:43h in Pirna auf dem Markt war, spricht das schon eine klare Sprache. Er kam in Schmilka nach 7:50h an und lief dort nach 1:05h erst wieder weiter. Zieht man von dieser Stunde Pause 15min für die Fähre ab, die wirklich benötigt werden, weiß man wo eine FKT auf dem Malerweg hin kommen kann. 14:43h sind da bestimmt nicht das letzte Wort. Den bisherigen Abschluß an FKTs gab dann vor wenigen Wochen Nolle mit der ersten FKT-Zeit einer Frau auf der Strecke. Auch diese 16:42h fand ich sehr beachtlich!

Zu meiner läuferischen Ausgangsbasis schrieb ich bereits in den Vorbetrachtungen. Lange Läufe fehlen, was sich irgendwann auf die laufbaren Passagen auswirken würde. Dembo fehlte, was in den laufbaren Passagen halt auch zu Buche schlägt. Steil hoch und technische Passagen würde ich gut laufen können. So meine Einschätzung vorher.

Bei Betrachtung der Liste an FKT-Läufen fällt dann noch auf, dass noch niemand den Malerweg nonstop völlig ohne Support gelaufen ist. D.h. Simon lief ihn „selfsupported“. D.h., er versorgte sich auf dem Weg 2x in Gaststätten. Ohne Support ist so definiert, dass man nur an Quellen und Brunnen Wasser tanken darf und ansonsten sämtliche Verpflegung beim Loslaufen bereits bei hat. Dieses „unsupported“ war mein Ziel. Aber dafür galt es Wasserstellen herauszufinden – von Berlin aus eine coole Sache. So ging ich auf meiner Offlinekarte auf dem Telefon den Track ab und suchte nach in der Karte eingezeichneten Quellen in der Nähe. Ich fand einige. Da war der Waldborn in der Nähe von Hohnstein, ca. km25. Als nächstes kam der Münzborn kurz vor dem Kuhstall bei ca. km50, dann die Illmquelle in Schmilka bei km68 und abschließend war eine Quelle am Parkplatz unterhalb des Pfaffenstein (in Sichtweite zum Gasthaus „Zum Pfaffenstein“) eingezeichnet. Das wäre etwa km90. Die Entfernungen waren also eigentlich ganz gut gesetzt, dass man die Distanz auch eigenverpflegt laufen könnte.

Nun geht man so ein Unterfangen nicht an, ohne nicht vorher die Brunnen auch zu prüfen. Nichts wäre schlimmer, als im Nirvana unterwegs zu sein und das Wasser geht aus. Nachdem der Tag also feststand an dem ich laufen wollte, ging es ans Finetuning.

Das Auto wollte ich in Pirna am Bahnhof abstellen. Da ist ein kostenloser P+R-Parkplatz. Das ist nicht wirklich weit vom Marktplatz entfernt. Geht also. Nach Liebethal wollte ich dann nicht auch noch laufen. Also Fahrrad ins Auto. Morgens wird dann vom Parkplatz mit dem Radl die 6km gefahren und abends kann man das Radl mit dem Auto wieder abholen.

Verpflegung.
In den Bergen verpflege ich mich gern mit ner Suppe auf ner Hütte oder auch mit Stulle oder eben Pellkartoffeln. Was eigentlich nie auf dem Speiseplan steht, sind Gels. Wo das Zeugs aber helfen kann, sind die laufbaren Passagen hintenraus. Tragen muß man das Zeugs ja auch noch. Also waren 6 kleine Pellkartoffeln und 10 Gels die Verpflegung der Wahl. Das mußte für „X“ Stunden unterwegs reichen.

Trinken.
Wie schon geschrieben, hatte ich mir die Brunnen im Netz gesucht. So sah meine Planung aus. Dunkelblau hatte ich Wasserläufe oder Wasserfälle markiert, die am Weg sein könnten. Hellblau waren die herausgesuchten Brunnen.

Malerweg auf der Offlinekarte im Telefon

Am Freitag vor dem Lauf ging es um kurz nach dem Mittag in Berlin los – Ziel war Hohnstein und damit der erste Brunnen. Der Waldborn ist ein alter Brunnen mit einer Schlegelpumpe. Schon beim Lesen hatte ich so die Befürchtung, dass diese Pumpen bei längerer Nichtnutzung oder Trockenheit oder beidem erst einmal angegossen werden müssen, bevor da etwas kommt. Und ja, leider war der Gedanke nicht verkehrt. Da war nix mit Wasser. 1 von 4 negativ.

Waldborn bei Hohnstein – leider trocken


Weiter ging es ins Kirnitzschtal. Kurz vor dem Lichtenhainer Wasserfall sollte an der Brücke, über die man beim Malerweg von den Schrammsteinen runter kommt Richters Born sein. Hmm, trotz intensiver Suche war da nichts zu finden. Also weiter zum Münzborn kurz nach dem Lichtenhainer Wasserfall in Richtung Kuhstall – ausgetrocknet. Ich suchte eine Weile. Aber auch da war nichts. Jetzt wurde es eng! Die nächste Quelle wäre erst km68 in Schmilka. Bis dahin kommt man mit Wasser nur ab Liebethal nicht! Da muß noch ein Plan B her.
Aber erst mal weiter und sehen, ob in Schmilka die Illmquelle vorhanden ist. Jup, die war da! Hier kann also voll aufgetankt werden.

Illmquelle in Schmilka

Letzter Stop war Pfaffendorf. Am Ortsausgang Richtung Pfaffenstein fand ich zwar kurz vor dem Gasthof „Zum Pfaffenstein“ rechter Hand den Brunnen. Am Brunnen stand „kein Trinkwasser“. Allerdings war die Beschriftung recht irrelevant. Es lief kein Wasser. Abgestellt.

Quelle in Pfaffendorf – abgestellt


OK, Trefferquote 1 von 5. Na immerhin. Die eine Quelle war schon mal ne wichtige Basis in der Mitte des Weges. Bis Schmilka brauche ich dringend noch ne Idee mich mit Wasser zu versorgen und ab Schmilka kann ich dann während des Laufes mitrechnen wie viel Wasser ich pro Stunde etwa verbrauche und weiß dann in Königstein, ob ich mir doch irgendwo was holen muß und aus „unsupported“ „selfsupported“ wird, oder ob ich mit dem da dann noch vorhandenen Wasser doch durchkomme.

Da 25°C für den Samstag angesagt waren, entstand nun auch der zweite noch nicht ganz klare Punkt: die Startzeit. Ich würde leider doch recht zeitig loslaufen und sehr schöne Abschnitte des Weges im Dunkeln laufen. Allerdings ist der Wasserbedarf bei niedrigeren Temperaturen einfach geringer. Aus den Zeiten von Marc und Nolle peilte ich einfach über den Daumen mal eine Laufzeit bis Schmilka von 9h an. Für die zweite „Hälfte“ schätzte ich, dass 7h gut klingen würden. Wie realistisch das war, hatte ich allerdings keine Ahnung. Nur mit irgendwas muß man ja mal in eine Zeitplanung gehen. Aus diesen 16h Laufzeit + Fähre entstand dann das Loslaufen zwischen 2 und 3Uhr in der Früh.

In Königststein holte ich mir noch ne Packung Quark zu meinen Pellkartoffeln, die ich aus Berlin eh mitgebracht hatte und schon hatte ich ein Abendbrot. Was noch ausstand war eine Idee zur Wasserversorgung bis Schmilka. Da fiel mein Blick beim Schauen in die Karte auf einen Brunnen an der Kirche in Wehlen. Die Rückfahrt von Königstein nach Pirna ging also über Bad Schandau nach Wehlen. Jup, da kam Wasser und es war auch Trinkwasser. Somit war die Planung klar. Ich werde mit wenig Wasser in Liebethal loslaufen, in Wehlen kurz vom Weg abzweigen und die Flaschen, die ich bei hatte komplett mit Wasser auffüllen. Das waren 2 Liter. Und dann muß ich sehen, dass ich unterwegs irgendwo an Bächen nachfüllen kann. Geht das schief, kann ich sehen, ob ich an der Ostrauer Mühle am Zeltplatz etwas Wasser auffüllen kann. Wäre dann halt „selfsupported“. Ist dann so. Nicht schlimm.

Nachdem die Wasserversorgung gedanklich geklärt war, fuhr ich entspannt nach Pirna, suchte mir nen ruhiges Plätzchen fürs Auto, stellte das Radel neben das Auto, packte meine Luftmatratze und den Schlafsack aus, legte alle Laufklamotten für den nächsten Tag und den Laufrucksack bereit, aß in Ruhe Abendbrot – lecker Pellkartoffeln und Quark, trank nen spritfreies Bierchen, stellte den Wecker und da es mittlerweile dunkel war, war ich auch ruckzuck eingeschlafen.

1:30Uhr klingelte der Wecker.

😉

Malerweg – die Vorbereitung

Schon vor einigen Jahren hatte ich den Malerweg als non-stop-Lauf auf meinem Zettel. 2015 lief ich einen ersten Teil bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Ein herrlicher Lauf mit Freddy. Mehr Zeit war damals nicht. Dann mußte ich zusehen, dass ich pünktlich abends in Berlin bin.

Seit dem überlegte ich immer mal wieder wann das nächste Mal Zeit für die ganze Runde wäre. Irgendwas war immer. 2018 kam dann ein Problem mit einer Plantarsehne. So was dauert. Seit dem Frühjahr läuft es wieder. Formaufbau. Kreiseln an der Ahrensfelder Höhe, km sammeln. Im Sommer dann etwas ein Loch. Der TOR des Glaciers war abgesagt. Die Anzahl langer Läufe wurde weniger. Im September dann eine Woche Aostatal. Hier wurden Höhenmeter gesammelt. 4000hm am Stück. Das ist nach der Woche kein Problem mehr. 12h am Stück unterwegs sein? Hab ich da wieder mal gemacht.

Man könnte meinen, die Vorbereitung ist damit abgeschlossen. Es kann losgehen. Hmm. Die Woche bin ich noch mal ein paar flache 20er gelaufen. Und da wurden dann doch zwei bekannte Defizite wieder klar:

Es fehlt Dembo. Die Grundschnelligkeit ist lange nicht mehr da, wo sie vor anderthalb Jahren war. Das ist nicht neu. Dembo gommd von Dembo. Aber Dembo habe ich seit dem Frühjahr nicht gemacht. Wozu auch? Für einen TOR des Glaciers brauche ich das nicht. Die Gefahr einer erneuten Verletzung schien mir viel zu groß.

Es fehlen lange Läufe. Im Hochgebirge läuft man mal 10km am Stück flach oder bergab – wenn überhaupt mal so weit. Dann geht es wieder bergan. Lang am Stück laufen ist da nicht in dem Maß nötig wie im Mittelgebirge.

Beides ist ungewohnt für mich vor einem solchen Lauf.

Also erst mal noch ein paar Wochen km sammeln und dann loslaufen? Hmm, dann wird es länger dunkel sein und kälter. Das Dembo geht da auch ein Stück weit runter. Als Zweites möchte ich gern die Strecke ohne Support bewältigen. Brunnen auf der Strecke habe ich mir auf Karten herausgesucht. Funktioniert das? Das werde ich mir am Wochenende ansehen. Dann weiß ich, ob und wie der Malerweg nonstop unsupported geht.

Wie es laufen wird? Man könnte aus obigem herauslesen, dass das mit den Gedankengängen nichts werden kann. Hmm, mit Anstrengung hintenraus kann ich umgehen. Der Kopf wird sicher kein Problem. Wie es also läuft, das sehe ich dann. Und wenn es später noch mal schneller geht als am WE, dann hab ich auf jeden Fall schon mal nen besseren Plan und nen langen Trainingslauf mehr.

67km mit 2562Hm auf und 2533Hm ab sind es bis Schmilka. Die Brunnen sind bei km 25 (Waldborn), 50 (Münzborn) und 67 (Ilmenquelle).
45km mit 1607Hm auf und 1612Hm ab sind es dann noch bis Pirna. Der Brunnen ist bei km86 in Pfaffenstein, kurz vorm Ortsausgang.
Das sind die groben Eckdaten. Die vielen Auf und Ab dazwischen muß man sich nicht merken. Geht eh entweder hoch oder runter.
Zwischen Liebenthal und Pirna sind 112 landschaftlich wunderschöne km.
Ick freu mir!
Und bin gespannt wie ein Flitzebogen.
😉

Auf den Pfaden des TOR des Glaciers-2020-Part II

Overtüre

Gestern Abend saßen wir ne Weile, um zu schauen welche Strecke wer ganz gut auch gruppenkompatibel laufen kann. Zwei Leute wollten nach 220km auf dem TOR mal einen Tag aussetzen. Ich wollte ganz gern ein Stück des Tor des Glaciers (TOR450) laufen und Andreas wollte sich sachte weiter einlaufen. Letztlich hatte ,wie so oft, Andreas einen sehr guten Gedanken. Wir beide starteten in Verrand nach Courmayeur und weiter auf dem jeweiligen geplanten Track; also er auf dem TOR330 und ich auf dem TOR450. Der erste km des Tracks, oder laß es zwei sein, waren gleich. Dann trennten sich unsere Wege. Wir liefen zwar erst mal den selben Hang hoch; Andreas aber etwas weiter links, um auch vorher Richtung LaThuile abzubiegen. Ich lief die Alta Via 2 in Richtung des Rifugio Maison Vieile.
Ein Lauffreund, der 2017 einiges auf dem TOR mit mir unterwegs war und der letztes Jahr den TOR des Glaciers bereits lief meinte, ich solle mir doch auch ein wenig die Strecke ansehen. Etwas komisch fand ich ursprünglich seine Bemerkung mir nicht nur manch spannende Stelle, sondern ruhig auch das Stück direkt ab Courmayeur anzusehen.
Er hatte so Recht!
Nachdem ich die ersten 35km des Tor des Glaciers hinter mich gebracht habe, kann ich sagen, es ist wohl ähnlich der ersten 18km beim TOR330 bis La Thuile wie eine kleine Overtüre. Man wird auf dem Weg eingestimmt auf das was wohl kommen wird, erlebt den ersten ordentlichen, wenn auch nicht technisch anspruchsvollen Anstieg. Man läuft den ersten herrlich laufbaren Abstieg, kann sich ganz wunderbar bereits hier an der Stelle ausschießen, bevor der Lauf auch nur ansatzweise begonnen hat. Im ersten Anstieg wechselte der Track ständig zwischen Abschnitten der Alta via 2 und Skipisten, die es hoch ging. Es lohnt also definitiv den Track auf ner farbigen Karte auf der Laufuhr zu haben und da auch raufzusehen.
Froh bin ich etwas, dass wir doch in der Nacht starten. Wieso? Aus Courmayeur raus geht es einfach nur ins Skigebiet rein und die erste Hütte ist wohl im Winter recht gut besucht – sie liegt mitten im Skigebiet. ;-( Nachts sieht man davon nix. Und wenn es hell wird, sind wir aus dem Mist raus und längst mitten im Monte Rosa!
Gut war der erste Teil auch wegen der Wegfindung noch im Ort in Courmayeur. Durch die Häuser zu manövrieren ist schon schick, wenn man da nicht ewig erst suchen muß.
Und gut war es, um vor allem gleich zu begreifen, wie sachte man doch loslaufen muß. Ab dem Col Chavanne, den man bei km20 passiert, geht es auf einem Fahrweg über 12km gaaaanz sachte 1200hm abwärts. Und wenn ich gaaanz sachte schreibe, dann meine ich das wirklich diesmal auch so! Der Weg geht ernsthaft ca. 100hm pro km abwärts. Man sieht den Weg langhin voraus und man nimmt teils kaum die Neigung war. Da ist langsames Ablaufen in der Tat janz wichtig!

Erde an Schalk! Merken! Die ersten Downhills janz sachte ablaufen!

Heute lief ich die ersten 35km des TOR450 in nicht einmal 5h. Zu Futtern gab es unterwegs nichts. Für zwei Fotos hat doch die Zeit gereicht. Das Panorama mit dem Monte Bianco war einfach zu schön!

1,5 Liter habe ich bis La Thuile gebraucht. D.h., nächstes Jahr brauche ich nur eine Flasche beim Start auffüllen. Und ich hoffe, im nächsten Jahr brauche ich ne Stunde länger.


Es war eine herrliche Einstimmung heute.
Pace, Navigation, Ruhe, Trinken, Essen. Das sind die wichtigen Dinge für die nächsten Tage und auch für das nächste Jahr. Das erstaunt nicht wirklich. Eigentlich ist es doch ganz normal. Aber wenn man einfach nach langer Zeit auf eine solche Unternehmung startet, muß man sich das aus dem Gedächtnis erst wieder vorholen. Die Mission ist heute erfüllt.
Morgen geht es weiter auf den Pfaden des Tor des Glaciers!

Auf den Pfaden des TOR des Glaciers-2020-Part I

Den dritten Tag wäre ich jetzt auf diesen Pfaden des TOR des Glacier unterwegs. Dieses Jahr gibt es keinen TOR. Ok.

Dann aber trotzdem ins Aostatal und ein wenig die Strecke anschauen. Freitag Mittag ging es ab Berlin. 1200km sind ne Ecke. Samstag 1:30Uhr waren wir da. Natürlich ging es Samstag dann auch gleich auf den Trail. Liebe Freunde waren den TOR des Geants ein ganzes Stück von Hütte zu Hütte abgelaufen. Wir haben zusammen Quartier in Verrand. Das ist dicht bei Courmayeur und wollten die beiden in Oyace abholen. Den Tag kamen sie aus Richtung Valtournanche und sind ab Rif. Barmasse den Hauptteil des Sektor 6 gelaufen. Auto also in Oyace abgestellt und entgegengelaufen.

Mein Ziel war trotz unseres späten Loslaufens eventuell doch bis zum Col de Vessonaz zu kommen. Für Andreas war es hoch ein Einlaufen nach Wochen mit sehr wenig Laufbelastung. Also schön sachte.

Auf dem Weg zum Col de Vessonaz

Immer wieder ratterte bei mir im Kopf wann die anderen in Barmasse los sind und wann sie oben an dem Col ankommen könnten. Während zu Beginn meine Hoffnung doch recht gering war, dass wir vorher oben ankommen, wuchs, je näher wir kamen, die Hoffnung. Knapp 10km bis hoch, über den Daumen etwas um 1400Hm bis zum Col. Das war als Einstieg in die Laufsaison schon ordentlich für Andreas. Und was soll ich sagen! Wir erreichten den Col de Vessonaz und sahen auf der anderen Seite des Sattels die beiden gerade hoch kommen – bereits in Rufweite! Sehr geil!
Gemeinsam ging es dann die Richtung des TOR die Strecke wieder den selben Weg retour. Eine wirklich schöne Runde für den Einstieg.

2014 – Training für den TdG

2014 habe ich als Vorbereitung vor meinem ersten TOR eine Tour auf den Wegen der Alta Via 1 und 2 gemacht. Aufgeschrieben hatte ich das alles bei Jogmap. Die Plattform gibt es länger schon nicht mehr. Also habe ich den damaligen Bericht hier einfach mal eingefügt. Den Teil III muß ich noch suchen. Der Zeil fehlt noch.

Ein langer Weg auf der Alta Via des Aostatals (I)

In 21 Tagen bin ich auf dem Weg. Jetzt in 21 Tagen sind wir vielleicht gerade auf dem ersten von ich weiß nicht wie vielen Bergen. Es wird eine lange Reise werden. Die längste, die ich bisher in Angriff genommen habe. Die Dimension ist auch für mich derartig, dass ich etwas mehr tun wollte, als bei den vergangenen großen Läufen. Bei anstehenden 25.000Hm auf 330km mußte noch einmal ein Bergtraining her. Lange Bergabläufe wurden benötigt. Die Muskulatur muß da auf etwas vorbereitet werden, das am Kienberg wohl doch nicht mehr wirklich trainiert werden kann. Berge mußten her. Trainingslager. 7 Tage wollte ich in die Alpen. Nachdem ich vor ein paar Wochen mit Andreas für’s Wochenende nach Grainau bin, entstand der Gedanke nicht nur einfach in die Berge zu fahren, sondern einfach ein paar km weiter ins Aostatal zu fahren und das Bergtraining mit einer Streckenbesichtigung zu kombinieren. Es gibt somit die Variante sich ein Quartier zu nehmen und dann mit dem Auto an Punkte ranzufahren, Abschnitte zu laufen und irgendwie dann an dem Tag wieder zum Auto zu kommen. Die zweite Variante ist das Auto irgendwo abzustellen und dann die Strecke abzulaufen. Geschlafen wird dann auf den Hütte auf der Strecke.
Ich entschied mich für die zweite Variante. Und hierfür ist es immer gut einen Plan zu haben. Sonst ist schließlich nichts zum Ändern da.
Hütten suchte ich mir im Vorfeld alle raus. Die Abstände der Hütten lagen bei 35 bis reichlich 50km. Damit könnte ich in sieben Tagen die Runde schaffen. Lediglich die erste Hütte lag 60km von Courmayeur entfernt. Um das zu schaffen, wollte ich direkt nach Ankunft am Abend starten und die Nacht durch unterwegs sein. Dann sollten auch 60km gut gehen – so jedenfalls meine Überlegung.
Die Anreise lief fast planmäßig. Knapp 4 Stunden später als geplant in Courmayer. Das ist auf ca. 1200km Anreise an einem Freitag quasi nichts. Bis zum St. Bernhard war es auch ganz gut vom Wetter. Der Mond, der die Berg-Siluetten erleuchtete, zeichnete ein faszinierendes Bild. Einfach herrlich! Die Überlegung gegen 24Uhr Ankommen und gleich loslaufen war also relevant. Ich freute mich schon drauf. In Courmayeur auf der Hauptstraße angekommen, fielen aber die ersten Regentropfen. Einen Parkplatz fand ich im viel schöneren Verrand. Dort angekommen ging das Gewitter los. Ok, dann erste Planänderung und im Auto schlafen (0:30 sucht man kein Quartier mehr, Luftmatratze u Schlafsack waren anbei) und Früh los. 8Uhr werde ich munter. Draußen sieht es kalt aus. Nö! Noch mal umdrehen. 9Uhr dann aufstehen Lage peilen. Alles war natürlich in Berlin schon fertig zum Loslaufen gepackt.

Der Laufrucksack ist prall gefüllt. Da geht kein Shirt, kein Brot, nix mehr rein – Flexibilität Null. Bei schlecht Wetter is das doof, wenn man was braucht. Ein Flies paßt auch nich mehr rein. Wechselschuhe schon gar nicht. Es sind unten 13grd. Die Minimalausrüstung geht vielleicht für zwei Tage. Für sieben ist das wohl doch nichts. Also den großen Rucksack geschnappt und alles umgepackt. Jetzt ist mir ausrüstungstechnisch wohler. Im Vordergrund steht die Woche Training und Spaß. Ich habe kein Überlebenstraining gebucht!
Das Auto steht gut und gratis.

Also auf nach Courmayeur zum Bus, um die km der Nacht und einen Teil des Tages mit dem Bus zu erledigen. Direkt vom Auto aus habe ich den Blick auf den ersten Berg, den wir erklimmen werden:

Dann geht es durch Verrand. Hier werden wir beim TdG Quartier beziehen.

Es ist viel schöner als die Touristenhochburg Courmayeur!
Knapp eine Stunde warte ich auf den Anschluß nach Planaval, meinem neu definierten Startpunkt. Planaval ist km40 des TdG. Von da geht es dann hoch zur ersten Hütte.
Die blöde Kuh beim Busticketverkauf schickte mich zum Umsteigen zu weit Richtung Aosta, meinte ich müsse in Villeneuve umsteigen. Super. Zwischen Arrvier und Villeneuve kam mir mein Anschlußbus entgegen. Also ne knappe Stunde warten. Der Bus nach Planaval hielt dann auch in Arrvier … Im Bus nach Planaval war ich der einzige Fahrgast. Planaval. Ich stieg ich aus. Der Bus fuhr weiter in Richtung Valgrisenche. Mutterseelenallein stand ich am Rand eines kleinen Dörfchens mitten in den Bergen. Hier würde ich also in ein paar Wochen erneut sein. 40km würden dann hinter mir liegen. Das für nun geplante dann erneut vor mir. Der Rucksack würde kleiner sein, deutlich kleiner. Das Wetter war hervorragend. Es war ein komisches Gefühl. Es wird ein langer weg. Aufbruch! Rucksack auf, eine kurze Orientierung und dann ging es die ersten Meter auf der Straße in die Richtung in die auch der Bus gefahren ist. Nur ich wollte dann weiter in das Tal und dann nach oben zur Berghütte (Refugio) l’Epée.
Auf geht’s!
😉

Ein langer Weg auf der Alta Via des Aostatals (II)

Es ist mittlerweile Samstagnachmittag, der 09.08.2014. Ich war auf dem Weg. Die 18km zur Hütte nach l’Epée ging vom Wandern/Laufen ganz gut.

Heute ging es darum sich etwas einzulaufen. Ich wollte mich an das Laufen mit dem riesen Rucksack gewöhnen, die Orientierung, die Ausschilderungen der Alta via due.
Ich bin gespannt auf die zusätzlichen Markierungen beim TdG. Die Alta Via 2 ist zwar wirklich super ausgeschildert – dort wo man die Schildchen sieht.
Gerade in Ortsnähe hatte ich am ersten Tag mächtig zu tun den richtigen Weg zu finden. Ohne elektronische (Offline-)Karte auf dem Telefon und dem Track wäre ich ein paarmal länger am suchen gewesen.

Oben geht es dann besser. Aber da wo haufenweise Wege sind, übersieht man schnell mal so ne kleine, halb zugewachsene Markierung. Navi mit Track und Batterien kommt auf jeden Fall beim TdG mit – nahm ich mir zu dem Zeitpunkt vor.
Eine sehr schöne Ecke ist es hier.

Nach reichlich 3h ist die erste Hütte erreicht. Waren ja auch nur 16km.
Gepäck hab ich jetzt wohl zu viel mit. In der Hütte hier ist alles da. Egal, besser zu viel als zu wenig.
Geil war nach der Hüttenankunft bis zum Abendessen noch mal ohne Rucksack ein paar km Laufen zu gehen! Hammer.
😉

Ein langer Weg auf der Alta Via des Aostatals (IV)

Montag 11.08., Refugio Sella- Refugio Dondena
Heute wollte ich zeitiger los. Abends schon alles weitgehend zusammengepackt. Aber irgendwie habe ich auch diesmal nicht so den Absprung geschafft. Hier und da Zeit vermehrt. Dann fing es an zu Regnen, also Regensachen an. Als ich sie anhatte, war wieder alles vorbei. Wieder aus. Die Garmin war nicht voll aufgeladen. Irgendwas hatte da an der Steckdose nen Wackligen. Aus dem Grund habe ich auch von dem Tag keine komplette Aufzeichnung der Strecke via GPS. Egal. Der Tag fing gut an. Konnte also nur besser werden.
In der Planung hatte ich vor eventuell die Nacht durchzulaufen, um die bisher „verlorene“ Zeit wieder aufzuholen. Es ginge dann an den Hütten Dondena (km124) und Coda (km166) vorbei bis Alpenzu (km207). Ich war km95. Allerdings bräuchte ich da noch nen Plan bzgl. Verpflegung.
Jetzt ging es erst mal bergab bis Cogne und dann zur Hütte Sogno di Berze, die ich ja eigentlich am Vorabend schon erreichen wollte. Der Weg abwärts war ganz gut zu laufen. Durch den Regen teils etwas matschig. Aber das ist ja normal da oben. Eine Waldautobahn wird dort gerade angelegt. Mit einem schalkschen Lächeln fragte ich die Bauarbeiter, ob sie bis zum TdG fertig wären. „Impossibile!“ war die Antwort. Als wenn ich mir’s nicht schon gedacht hätte.
Irgendwann verläßt man den schönen Waldweg und es geht ein wenig Straße nach Cogne rein, rechts weg und dann immer schön stetig leicht nach oben nach Lillaz. Ein breiter Forstweg, einfach nur Wandern. Langweilig. Km-Schrubben. Egal. So weit war es nun auch wieder nicht.
Am Ende von Lillaz verschwindet man wieder im Wald. Und außer dass es sich elendig zieht, ist es dort wirklich sehr, sehr schön.

Und immer weiter geht es hoch. Nein, es ist nicht steil. Stetig leicht bergan. Man verläßt den Wald und kommt in ein laaaaanges Tal. Wiese ist da. Und hier und da ne Alm. Und vor allem viiel Tal und ein nicht enden wollender, stetig leicht ansteigender Pfad. Am Kienberg läuft man so was. Aber da ist der Anstieg immer nach 1km zu Ende. Hier ist es mir „zu steil“ zum Laufen. Mag sein, dass der Rucksack seins dazu beiträgt. Beim TdG werde ich dies wohl aber sicherlich auch eher zügig wandern, als Laufen. Wir werden es sehen.
Der Blick zurück von irgendwo im Tal aufgenommen…

… und der Blick von da nach vorn:

Von der Hütte ist keine Spur zu sehen. Gibt’s die überhaupt? Das muß sie sein. Fehlanzeige. Dort? Nee, auch nicht. Alles Almen, die nicht am Wegesrand lagen. Kurz vor 12 verzehrte ich dann das in Sella mitgenommene Panini und ging gestärkt weiter Richtung Rifugio Sogno di Berze – um es keine 10 Minuten später zu erreichen. 5:30h hatte ich bis dahin benötigt. Das wäre auch nix geworden, wenn ich am Vortag eine Stunde eher losgewandert wäre. 😉 Die Hütte ist so wunderbar in der Pampa, dass es sicherlich deutlich schicker gewesen wäre dort zu übernachten, als in der übervollen und zu dem teuersten Hütte der ganzen Woche zu übernachten. Egal. Hilft nix. Mit dem Wirt quassele ich noch ganz lustig und da ich gerade gegessen hatte, ging es dann doch bald weiter. 300m geht es noch mal hoch…

… und dann abwärts zur Hütte Dondena. In meinem ersten Plan wollte ich diese Hütte schon am zweiten Tag erreichen… Hihi, klassische Überschätzung der Gegebenheiten!
Während ich beim Loslaufen an der Hütte Sella noch auf dem Trip war die Nacht durchzulaufen, hatte der erneute Versorgungsmangel in den Bergen (bzw. mehr die mangelnde Verfügbarkeit an „Tankstellen“ auf dem Weg) und die resultierende Abnahme der Bereitschaft des Kopfes mehr als nur zügiges Wandern zuzulassen, doch dazu geführt, dass ich den Gedanken einfach verwarf. Die nächste Hütte war Dondena (km124). Die dann nächste Hütte Coda wäre erst bei km 166. Das ist eine Tageswanderung nach nunmehr neuem Ermessen. Ich kenne den Weg nicht. Irgendwann ist das Akku vom Telefon mit Karte und Track runter. Meist fängt es Nachts an mit Regnen. Alles gute Gründe doch nicht auf Überlebenstraining, sondern mehr auf Lauftraining umzuschalten. Also wird die Hütte Dondena angesteuert, lieber der Rucksack dort gelassen und mal wieder ne Runde ohne Gepäck gedreht.
Lecker war bei Ankunft an der Hütte erst mal nen Kaffee, dann entspannt noch den Rest von dem Brötchen futtern und nach ausgiebiger Pause ging es dann noch einmal los auf nen 10er in die Berge. Das war einfach nur Genuß! Nein, ich hab keine Demboeinheit daraus gemacht, bin nicht den Berg hochgestürmt und runter gehechelt. Zügig, aber nicht zu schnell bin ich mehr oder weniger gemütlich noch mal 400Hm nach oben und der Einfachheit halber denselben Weg wieder runter. Ein janz entspannter Tag.
Als „Belohnung“ gab’s ne warme Dusche ohne Zeitlimit (wie in Sella), einen Mannschafts-Schlafraum mit 16 Betten janz für mich alleine und ein ordentliches Abendessen. Alles gut!
Die harten Fakten:
Gehzeit Sella-Dondena: 7:30h brutto
Km lt. TdG: 30
Positive Hm: 2490
Negative Hm: 535
Lauf zum Lago Miserin
1:14h, 10,5km, 400Hm positive wie negative – Genialer Lauf zum Aufhübschen der Statistik. ;-))
Summe: Es sind wenigstens noch 40km zusammengekommen. Auch wenn’s mir wie nen Faulenztag vorkam.
😉

Ein langer Weg auf der Alta Via des Aostatals (V)

Mittwoch, 13.08. – Coda-Cressoney
Ein Tag – zwei Welten
Es ging von „zu Tode betrübt“ in „himmelhoch jauchzend“. Die Reihenfolge ist auch besser so.
Aber fangen wir wieder vorn an. 6 Uhr Frühstück, 6:30Uhr los. So war es gedacht. Draußen sah es schauerlich aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es regnete in Strömen. Klasse! Gleich früh am Morgen. ;-( Dann kommen wenigstens endlich mal die Regenklamotten zu ihrem notwendigen Einsatz. In den wasserdichten SealSkinz-Socken bin ich noch nicht gelaufen. Wie lange geht das ohne patschnasse Füße durch die Transpiration von innen? Die Regenhose ist auch nagel wie neu. Jacke ist noch die von Salomon. Dicht sollte sie sein. Wenns von vorn windet, wird’s halt kalt, weil die Kaputze für mich zu groß ist. Egal. Im Rucksack war alles in Tüten verpackt. Konnte also losgehen. Naja, bis ich mich dann doch durchgerungen hatte zu starten, war es 7Uhr. Es war unwirtlich da oben – jedenfalls draußen. Egal.
Die Wirtin gefragt wo es los ginge und schon war ich auf dem Track. Was soll man über ne Tour oben in den Bergen bei Regen grioß schreiben. Da heißt es das Wasser ertragen und durchhalten bis es aufhört oder man da ist. Letzteres könnte auch länger dauern. Besser Ersteres. Aber das sollte dauern. Im Abstieg hab ich erst mal die Klamotten auf richtige Tauglichkeit bzgl. Wassersäule überprüft. Eine kleine Bachüberquerung. Schmaler Bach und lange Regen bedeutet hoher Wasserdurchsatz. Trotz konzentriertem Gehen rutschte ich doch mit dem linken Schuh beim Überqueren vom Stein und lag rücklings im Wasser. Getan habe ich mir nix und in Bruchteilen von Sekunden war ich auch wieder hoch. Trotz allem war das wie Baden. Und! Später stellte ich dann fest, dass unter den Regensachen wirklich die Klamotten trocken geblieben sind. Cool! Nur mein Navi-Telefon hatte trotz Tüte etwas abbekommen. Es ging zwar noch, aber es hat leicht gesponnen. Navigieren war nicht mehr drin. An ner verlassenen Alm kurz untergestellt, Systeme und Klamotten gecheckt und das Tel. auseinander genommen. Sch… Ab jetzt dann ohne Navi – und ohne Karte. Super Idee! Egal, was hilfts. Da mußte jetzt durch. Klar, habe ich kurz darauf erst mal an einer Ecke ne Weile gebraucht den Weg zu finden. Aber das war dann jetzt halt so.
Rein von km oder Hm war die Strecke bis Niel nicht weiter tragisch. Zwei Sattel waren zu überqueren. Von 1700 ging es auf 2300, dann wieder auf 2000 und noch mal hoch auf 2300 – halt hoch und wieder runter. Ob es nun der Regen war oder das nicht vorhandene Futter? Ick weeß et nich. Der Vormittag lief mehr als bescheiden. Zum Glück hatte ich noch 125ml-Chiasamen im Gepäck. Die wurden zu 4/5 aufgebraucht. Der Magen knurrte schon, aber es hies erst mal ne Viertelstunde warten. Die Dinger müssen schließlich erst anquellen. Chia bloß mit Wasser ist jetzt nicht so der Bringer, aber wenn‘s hilft… Am letzten Sattel vor Niel war jedenfalls der Hunger erst mal gestillt, der Regen hatte auch aufgehört. Nur die Moral war immer noch ziemlich im Eimer. Gut, für ein paar Bilder zwischendrin hatte es doch noch gereicht. Da sieht man ja nur was um einen rum so zu sehen war. Nicht wie es in einem aussah. 😉
Irgendwo von da drüben kam ich her:

Und weiter ging es da:


Und wenn man durch die kleine Scharte durch war, sah es so aus:


Das war es allerdings dann auch schon an Bildern für diesen Tag. Im Vordergrund stand wohl mehr endlich Niel zu erreichen. Für diese 25km sollten am Ende über 7h auf der Uhr stehen. Schön ist anders. Aber auch das überlebt man. Nach zwei war es geschafft. Auf dem Weg vom letzten Sattel meinte ich die ganze Zeit die Stadt unten im Tal wäre Niel. Aber Fehlanzeige. Der Ort war Gaby. Niel bestand aus vier Häusern und vermutlich sieben Spitzbuben und Schluß. Aber! Eines der Häuser war ein Restaurant! Sehr geil. „Einmal Pasta bitte!“ Dann noch nen Wasser und nen Kaffee und langsam zogen die Lebensgeister wieder ein. Ganz langsam. Erst mal wollte ich absteigen nach Gaby und nach Courmayeur. Dann überlegte ich doch noch weiter auf der TdG-Strecke bis Cressoney. Ich war nicht schlüssig wo ich die Nacht pennen sollte. Wenigstens gab es mal Netz zur Außenwelt. Zwei Stunden „verknallte“ ich dort. Aber dann stand der Plan doch weiter zu laufen. Mit dem Wirt hatte ich noch bekaspert aus welchem Tal ich Freitag wie mit dem Bus retour nach Courmayeur käme. Dann fragte ich noch nach nem Brötchen, füllte die Wasserflasche neu auf und zog Richtung Col Lasoney von dannen. Gut gestärkt ging das doch schon viel besser.
Unterwegs versuchte ich noch das Navi-telefon wieder zu aktivieren und siehe da, es ging wieder! Dadurch sah ich auch, dass der TdG auch hier wieder etwas abkürzte und den Weg direkt hoch in den Sattel nahm und nicht wie die Alta via 1 mit einem kleine Umweg. Von 1600 ging es hoch auf 2400. Die Meter wurden wieder gezählt. Es war schwer. Aber gegenüber dem Vormittag lief es wie geschmiert. Einfach super! Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und es sollte noch besser kommen.
Oben angelangt standen zwei Läufer mit kleinem Gepäck. Einer machte Fotos, der andere wartete. Ich fragte ihn wo es nach Gressoney ginge und wie lange man dafür so brauchen würde. Er sah mich an und meinte etwas um 3-4h.
„Hmm, ich meine Laufen. Ist es gut laufbar?
„Ja, schon. Na, vielleicht 2,5h.“
„Ich komme aus Niel. Bis hier hab ich 1:10h gebraucht.“
Er sah meinen Rucksack an, zog die Augenbrauen hoch, dachte nach und meinte. „Na, vielleicht 2h.“
„OK, dann komem ich vielleicht doch noch bis Alpenzu.“ Ich wird sehen. Es war schließlich schon nach 17Uhr. Alpenzu war noch 17km (!) weg. Normal war das nie zu schaffen. Egal, auf jeden Fall würde ich Gressoney erreichen. Irgendwo müsse ich ja schließlich schlafen.
Also nicht viel Federlesen gemacht, mich von den Jungs verabschiedet und losgelaufen. Und es ging wirklich gut! Die Neigung abwärts war total angenehm laufbar und der Weg war hervorragend, fast wie einspurige Waldautobahn. Jetzt lief es erst super! Stellenweise hatte ich unter 6er pace auf der Uhr stehen. Der Schnitt von oben bis unten lag bei 7:48min/km und das ist eher nicht vergleichbar mit nem Citymarathon auf Asphalt. Das war fast wie Fliegen.
Das Geilste neben diesem herrlichen Gefühl, dass es wieder lief, war aber, dass da plötzlich die zwei von hinten kamen und janz langsam ranliefen. Der eine fragte dann, ob ich für den TdG trainiere. 😉 Jup! Die beiden auch. Mit dem leichten Gepäck waren die zwar schneller als ich. Aber lange konnte ich sie noch sehen. Soo fix waren sie dann doch nicht. ;-)) Das war Balsam für die Seele!
Nach 2:15 hatte ich die Ortschaft Tschossil erreicht. Cressoney war nicht mehr weit, der vierte Sektor des TdG gleich beendet. Geil! Nie hätte ich das am Vormittag für möglich gehalten!
Mittlerweile war es doch nach 18Uhr und bis Alpenzu noch ca. 7km zu laufen. 400Hm hoch waren da auch noch auf dem Weg. Es würde spät werden. Können kann ich das. Jup, das ginge. Aber im nächsten Ort lief ich am ersten Hotel, so einem Bunker vorbei, auch an dem zweiten ging es noch vorbei. Das dritte war klein und niedlich. Da zog es mich dann doch rein. Zimmer frei? Jup! Preis? Paßt. Teurer, als in ner Hütte, aber in Relation zum noch vor mir liegenden Weg völlig in Ordnung. Ich hatte mein Quartier gefunden.
Es gab ne warme Dusche, Klamotten und Schuhe konnten getrocknet werden (Schuhe mit Zeitung ausgestopft) und was anständiges zu futtern. So konnte der Tag zu Ende gehen! Die Regenklamotten waren getestet und für gut befunden. Das Tief vom Vormittag gut weggesteckt und wieder sehr gestärkt hervorgegangen, Futter für den nächsten Morgen war auch wieder im Rucksack, die Klamotten im Rucksack, die doch allesamt leicht klamm waren konnten trockenen und ich hatte mal ein anständiges Bett zum Schlafen.
Im Nachhinein doch sehr, sehr schön!
😉
Die harten Fakten (besser mit „/“ getrennt):
Gehzeit: 7:15h / 2:26h
Strecke lt. TdG: 20km / 13km; lt. Garmin (nicht bereinigt) 25km / 14km
Anstiege: 1440 hm / 860hm
Abstiege: 2155 hm / 1045hm
Summe: 9:45h; 33km bzw. 39km (Garmin nicht bereinigt); 2300m hoch; 3200m runter

Ein langer Weg auf der Alta Via des Aostatals (VI)

Donnerstag, 14.08. – Gressoney-Barmasse
Erkenntnisse des Tages:
Ich kann doch noch schnell – auch mit Rucksack.
Erneute Feststellung – ohne Mampf kein ordentlicher Lauf.
6:30Uhr brach ich auf. Es warteten 5km zum Einlaufen …

… und dann ging es mal eben von 1400 auf 2780müNN, am Stück ist das doch immer wieder anständig. Im Hotel gab’s 6Uhr doch noch kein Frühstück. Im Rucksack war noch ein trockenes Brötchen. Das hatte ich in Niel geschnorrt. Mit jeweils nem Schluck Wasser geht das auch runter. Der Diesel braucht nun mal Sprit damit er läuft. Da unten kam ich übrigens her:

Ein Blick nach Rechts war auch sehr schön:

Oder einer nach oben, da wo ich hin wollte?

Für den Anfangsteil sollte die Ration reichen. Nach 7km und reichlich 300Hm kam die Hütte Alpenzu. Da bin ich rein und fragte nach zwei Pannini, eins mit Schinken, eins mit Käse. Bis Crest sollte das reichen.
Auf halber Höhe zum Col Pinter mußte ich auf Reserve schalten. Also den nächsten Stein gesucht, drauf gesetzt und nachgetankt.

Dann ging es zügig hoch. Oben auf dem Sattel angekommen, erwartete mich auf der anderen Seite ein gigantischer Ausblick. Ein Blick über die Berge, Einfach herrlich!

Und auch ein zurückschauen lohnte:


Dann ging es 800hm am Stück runter Richtung Champoluc und die waren das richtig gut laufbar! Das war geil!
Champoluc muß ein etwas stärker von Urlaubern frequentierter Ort sein. Schon vom Col Pinter runter hab ich jede Menge entgeisterter Gesichter gesehen. Ok, es war Früh, die sind hoch und ich kachelte mit großem Wanderrucksack runter. Die Differenzgeschwindigkeit ist dann natürlich noch mal anständig.
Später kamen noch mal 300Hm abwärts von Ferraro Guide di Frachey nach Saint-Jacques.
Doof war in der ganzen Ecke keinen Laden zu finden, bei dem ich ein paar Pasta bekommen würde. Es war zwischen 11 und 11:30Uhr. Dann war ich wieder aus den Ortschaften raus. Vor halb eins gibt’s nirgens was. ;-(
Hoch zur Hütte Grand Tournalin gab’s das noch vorhandene Panini und auch da lohnte es den Blick schweifen zu lassen:



Die Fotos sind mit einem janz normalen Telefon aufgenommen und wirklich nicht nachbearbeitet!
Nach der Stärkung kam ich dann auch gut oben bei der Hütte an. Da gab‘s dann endlich die Pasta! Lecker! Und weiter. Jetzt wartete noch ein Anstieg von 285Hm, also quasi nichts. Fast oben noch einmal ein Blick zurück:

Oben angelangt noch einmal ganz kurz der Blick nach vorn: …

… am Col de Nannaz…

… und dann kam das Highlight des Tages: von 2773müNN runter auf 1520müNN. 1300Hm runter mit ner kleinen Unterbrechung. Da ging es vor dem Col Fontaines (2695) noch mal gefühlte 50m hoch. Dort konnte ich auch nicht anders, als doch noch ein paar Fotos zu machen. Ber Blick war einfach zu überwältigend:




Selbst im Panorama war es nicht möglich diesen Rundumblick zu erfassen. Einfach Gigantisch!
Beeindruckend an diesem Tag war vor allem die Berge auf der anderen Seite des Aostatals in Richtung Gran Paradiso zu sehen. ‚Hey Schalk! Da kommst du her! Und da bist du vor sieben Tagen gestartet.‘ Diese Dimensionen zu sehen, sich zu erinnern wie man da lang ist und nun hier drüben. Beim TdG warten dann keine 100km mehr. Nein, noch nicht Einflugschneise, aber doch ein riesen Batzen weg. Dieses Gefühl, da gluckste es am Kehlkopf.
So, und jetzt konnte man es noch mal richtig krachen lassen! Das war Spaß pur! Die Leute, die gerade noch mit mir oben waren und fünf Minuten vor mir abstiegen meinten etwas von 2h bis runter. Nein, ich kommentierte das nicht. Aber der erstaunte Blick war schon lustig, als ich von oben kam, kurz rief und freie Bahn hatte…
Unten angekommen, wäre ich am liebsten noch mal hoch, um da noch mal runter zu heizen. Endlich mal ein Downhill (so heißt das doch im Deutschen), der (für mich) richtig gut laufbar ist.
Beim TdG werd ich ihn hassen, werde froh sein, wenn die Tortour da runter endlich vorbei ist. Aber da habe ich es genossen.
Auch die Blicke der anderen Leute am Rand waren recht genial. Einer saß auf einer Bank, an der ich vorbei kam. Ich kam aus dem Wald über ne Wiese und er sah mich von weitem als ich aus dem Wald kam (und ich ihn). Der schaute völlig entgeistert in meine Richtung, der Kopf folgte meinem Lauf und er bekam den Mund gar nicht zu. Schade, dass ich ohne Kamera am Kopf unterwegs bin. Der Blick war super! Locker zog ich an ihm vorbei, grüßte freundlich mit nem fetten Grinsen auf dem Gesicht und schon war ich wieder im Wald verschwunden.
Nach dem Drecksstück von Coda nach Niel war das nun schon wieder Balsam für die Läuferseele.
In Cretaz angekommen, …

…folgte jetzt der Schlußanstieg hoch zum Refugio Barmasse. Noch mal 800m hoch. Den Übergang von diesem Bergabsprint ins „wieder hoch kraxeln“ hab ich mit ner kleinen Pause erträglich gemacht und dadurch ging das dann auch noch.

Relativ zeitig erreichte ich die Hütte Barmasse. Leider konnte man um den See nicht rundrum laufen. Zu einer Bergtour ohne Rucksack hatte ich allerdings keine Lust mehr. Also ging es wieder in die Hütte und es war mal zeitiger Feierabend.
Mir scheint gestern in Niel muß ein Schalter umgelegt worden sein. Ob ich schneller werde, weiß ich nicht. Ist auch egal. Aber es fühlt sich immer besser an. Das ist doch schon mal wichtig!
Freitag ist die Schlußetappe. Es geht vom Refugio Barmasse zum Refugio Cuney (unspektakulär 1000m hoch und 700 runter) und dann nach Closé. Da geht es noch mal vom Col de Vessonaz (2793) runter auf 1456m. Insgesamt von Cuney nach Closé 1680m abwärts. So was haben wir wirklich nicht in und um Berlin.
Die harten Fakten:
Gehzeit: knapp 10h
Strecke lt. TdG 42km
3.500m hoch
2.600m runter.

Ein langer Weg auf der Alta Via des Aostatals (VII)

Da fehlte doch noch was. Also, ich meine jetzt nicht den Wettkampf. Ja, der fehlt auch noch. Aber bis „VI“ war ich ja erst mal in der Hütte Barmasse angelangt. Mein Auto stand in Courmayeur. Das sind noch 90km auf dem TdG. Nein, ich bin die nicht an einem Tag gelaufen.
Freitag 15.08. – Barmasse-Closé – Schlußetappe
Vor einem Resümee vielleicht doch erst mal ein paar Highlights des letzten Tages.
Die Etappe nach Closé (Oyace) ist den Daten nach leicht. 30km. In der Wanderausschreibung steht etwas von 1233Hm hoch und 1552Hm runter. 1233m hoch klingt schon mal nicht schlecht. Ist aber auch nicht so viel. Doch hätte ich stutzig werden müssen. Barmasse liegt auf 2157m und Cuney auf 2652m. Wenn man keine Seilbahn und kein Auto nutzt, sollte es in der Summe der Höhenmeter 500m mehr nach oben als nach unten gehen. Alles andere paßt nicht wirklich. Hab den offiziellen Track jetzt noch mal bei Gpsies reingezogen; 1.332m hoch und 850m runter. Egal. In Summe klingt das jetzt erst mal nicht soo spannend. 1300m hoch auf 16km. Das hatten wir die Tage schon deutlich anders.
Und genau das machte mir extrem zu schaffen. Diese ersten 16km waren so etwas von ätzend. Das gibt es gar nicht. Erst war die Motivation im Eimer. Es ging ständig ein wenig hoch, dann wieder ein wenig runter. Dann um ne Ecke und du hast gesehen, dass es vorn wieder runter und janz vorn den Dreck wieder hoch geht. Eigentlich war es dieses kleine Rennsteich-Auf und -Ab. Nichts dolles also, beherrschbar. Beherrschbar? Pustekuchen. Ätzend! Da half auch nicht wirklich in einer herrlichen Gegend zu sein.

Da half auch kein Steinbock am Wegesrand.

Es war einfach ätzend! Hier ging es erst mal runter, um hinten Links, da ist der Sattel in den es wieder rein ging. Und wenn man da dann ankommt, hat man ein sehr ähnliches Bild wieder vor sich. Eigentlich alles nicht schlimm. Aber irgendwie hab ich davon an dem Tag ne Panne gekriegt.

Dann kam eine Muskelverhärtung oder Sehnenüberlastung in der rechten Wade dazu. In dem Moment war ich heilfroh, dass es der letzte Tag war und ich überlegte ernsthaft bei km10 abzubrechen und ins Tal zu laufen. Blöd daran war nur, dass das ein kleines Seitental gewesen wäre und ich keine Ahnung gehabt hätte wie ich von da nach Aosta zum Bus nach Courmayeur gekommen wäre. Bei km10 mitten in den Bergen ist es dann auch egal in welche Richtung man geht. Also nach vorn.
Viel wichtiger war aus diesem leichten Schmerz nichts Ausgewachsenes werden zu lassen. Bis zum Refugio funktionierte das in Form von Entlastung von Achilles und Konsorten durch flaches Aufsetzen des Fußes beim Hochgehen. Wenn ich nur mit dem Vorderfuß auftrat, zog es hinten und je steiler, desto mehr zog es. War zum Glück nicht mehr viel Steiles. Weiterhin half eine kurze Pause, kleine Massage der betroffenen Stelle und sehr langsames Wandern. Letzteres war das Ätzendste. Schuhwechsel half nicht. An der Hütte irgendwie angekommen realisierte ich erstmalig die angegebene Wanderzeit exakt ausgeschöpft zu haben. ;-( Dann ist das eben so.
Erst mal Rast! Es war kurz vor 12Uhr. Das Übliche. Pasta ist noch nicht. Panini. Dann eben Panini. Zwei! Dazu nen Tee. Und als das alles weg war und ich wieder loszog, sah die Welt irgendwie gleich wieder ganz anders aus. Den Wirt fragte ich noch, was der schnellste Weg nach unten und vor allem dann nach Aosta wäre. Es war Oyace. OK. Es warteten noch mal 400m hoch und dann 1600m einfach nur noch runter und dann der Bus. Das kriegen wir jetzt auch noch hin!
Die Gegend war wirklich super. Vom Wetter wollen wir jetzt mal gar nicht reden – perfekt!

OK, der Fokus lag jetzt auf der rechten Hufe. Hufe. Das ist doch das richtige Stichwort. Es ging auf den letzten Sattel zu. Da oben und es ist geschafft.

Aber Moment mal. Was steht denn da oben? Die Hörner gehören klar zu einem Steinbock.
Der Blick schweifte. Was steht denn da am Hang? Das gibt es ja gar nicht!
Eine ganze Steinbockherde mit über zwanzig Tieren inklusive Kindergarten vergnügte sich da am Hang. Der Wind kam von dort. Aber selbst als mich die ersten Alten sahen, machten die sich nicht vom Acker.

Hier verweilte ich dann doch etwas und schaute mir das in aller Ruhe an. Das war einfach zu schön!
Und dann war er geschafft, der letzte Sattel, der Col de Vessonaz. Noch mal knapp 2.800m und jetzt ging es nur noch 1.600m runter und dann war es geschafft. Nein, so gut laufbar wie die beiden Dinger am Vortag war das lange nicht. Nein, so gut war ich an dem Tag auch nicht drauf. 1,5h brauchte ich doch noch mal für die 9km. Und dann war ich in Closé.
Feierabend! 32km heute noch mal gewandert. Es war kurz nach 15Uhr. Ich war am Ende Trainings angelangt! Das war schön, aber zum einen war ich noch nicht am Auto und es war auch etwas die Luft raus.
Hier muß nen Bus fahren!
Der Hüttenwirt meinte schon, dass ich eventuell runter nach Oyace müßte und ggf. auch weiter runter bis Valpelline. Wie weit das alles ist? Keine Ahnung. Egal. Es war erst kurz nach drei. Auf der Straße angekommen, fand ich erst mal keine Bushaltestelle. Also einfach auf der Straße weiter runter laufen. Autos kamen vorbei. Hmm. In Barmasse meinten die man könne notfalls Trampen. Vielleicht hatte ich nicht ausreichend Geduld (Ich hab noch nie getrampt), aber ich würde mal sagen das funktioniert dort genauso wie heute in deutschen Landen – eher schlecht!
Aber glücklicherweise habe ich Füße zum Laufen und glücklicherweise bin ich auch in der Lage nach 32km Wandertour auf ner glatten Asphaltstraße noch bergab zu laufen. Die Pace pendelte sich bei 5:00 bis 5:30 ein. Das sind ja mal Zeiten! Das kennen wir ja gar nicht mehr! Das die Uhr so was überhaupt noch anzeigen kann. 😉 Vielleicht lag es auch daran, dass die Wasserflasche fast alle war – 1,5kg weniger Gepäck! 😉
In Oyace fand ich ne Bushaltestelle. 16:30Uhr Richtung Valpelline. Ob‘s da dann weiter ginge, war nicht rauszufinden. Dann besser weiterlaufen. Es ging im Tal runter und mich überholten lauter Autos – und ich lief und lief und lief. ‚Was is das hier für ein Mist! Ich will nen Bus!‘ Und lief, und lief und lief. Km8 dann endlich Valpelline und km8,5 auch ein Office de Tourisme! Juhu! Ich rein und nach dem nächsten Bus gefragt und wo der abfährt. „Today is Festival here. The next bus is tomorrow.“ war die Antwort.
‚Morgen? Was für ein Festival? Hat die ne Panne oder ich?‘
„Ich bin aber heute hier und ich muß heute nach Courmayeur! Da steht mein Auto.“
OK, cut the long story short: Festival war Holliday, also Feiertag. Die kleinen Buslinien in den Seitentälern fuhren nicht. Zum Glück fuhr aber der Bus ab Aosta nach Courmayeur jede Stunde und der letzte fuhr 21:30Uhr. Es war mittlerweile irgendwas gegen 16Uhr. Nach längerer Debatte fragte ich dann mal wie weit es denn bis Aosta wäre. Irgendwas zwischen 15 und 17km schwankte die Angabe. OK. 32km + 8km + 17km = ?? Ich nehm dann kein Taxi. Das kann ich jetzt auch noch laufen! Bis 21Uhr sollte das selbst wandernd gehen. Ging es auch! Am Ende standen dann nur noch mal 12km auf der Uhr. Der Fußweg durch Aosta ging wirklich geradeaus nach unten zum Busbahnhof. Ich bekam selbst 17:30 den Bus und war dann wohlbehalten irgendwann am Auto. In Summe standen dann also den Tag 53km auf der Uhr, wobei die letzten knapp 21 komplett Asphalt waren. Das ging. Wade ging auch wieder. Alles gut.
Der Rest ist schnell erzählt. In Courmayeur wollte ich nicht Essen. Viel zu viel Touri. Also alles ins Auto, kurz umgezogen und los Richtung St. Bernhardpass. Samstag wollte ich in Saarbrücken sein. St. Bernhard ist am Besten nachts. Da kann ich wenigstens hoch und runter fahren wie ich will und nicht wie irgend so ein Fahranfänger vor mir. Also mit dem Auto retour nach Aosta und St. Bernhard, kurz von der Touriroute runter in das Seitental, das ich schon kannte, ne Pizzeria mit vielen italienischen Autos davor gesucht, was gefuttert und dann so lange gefahren, bis etwas Schlaf angebracht war. Das war dann gegen 4Uhr und nur noch 40min von Saarbrücken weg. Aber da wollte ich dann irgendwie nicht mehr. Frühstück gab‘s irgendwas gegen 8Uhr bei Familie Strider: Ein wunderschöner Abschluß einer tollen Trainingstour!
😉

Ein langer Weg auf der Alta Via des Aostatals (VIII)

Geschafft! Die Trainingstour für den TdG ist durch.
15.08.2014
Ich sitze im Bus nach Courmayeur und bin eigentlich erst mal etwas geschafft. Ein Resümee? Es war wohl in vielerlei Hinsicht gut für sieben Tage erst auf der Alta via 2 und später der Alta via 1 unterwegs gewesen zu sein. Von Planaval ging es bis Closé (etwas oberhalb Oyace). Nach den offiziellen km des TdG war das von km43 bis 270,9. Es fehlen an der Runde läppische 103km. Aber vielleicht formulieren wir es auch anders.
Das waren 227,9 Wo-km, wenn man die sieben Tage von Samstag bis Freitag als eine Woche definiert.
Recht erstaunt (warum eigentlich?) bin ich über die Gehzeit. Aber klar, ich war ja auch sechseinhalb Tage unterwegs. Sehr schick auch die aufsummierten Höhenmeter.
Gehzeit: 60:45h
Postive Höhenmeter: 15.775m
Negative Höhenmeter: 14.745m
Sehr, sehr lange Zeit habe ich auf den Wanderwegen kaum jemanden getroffen, habe mich mit mir und dem Weg in völliger Einsamkeit auseinandersetzen können.
Verpflegung da oben ist echt ein Problem. Bei der Dauer, die man teilweise von VP zu VP brauchen wird, bin ich echt am überlegen jeweils von nem VP unten was mitzunehmen, um unterwegs nachtanken zu können. Vor einigen Bergen is gut Auftanken zwingend nötig!
Auch Streckenabschnitte, denen man das so gar nicht ansieht, können einem ganz schön den Zahn ziehen. Auf der letzten Etappe von Barmasse nach Closé war so ein Stück. 1500Hm auf 30km klingt wirklich nicht viel. Das ständige Auf und Ab zehrt. Da ist ein richtiger Berg einfach was Greifbares. Da geht‘s hoch, wieder runter und zum Nächsten. Bei diesen Getingel 50m hoch, 80m runter, um die Ecke, da sieht man die nächsten 80Hm hoch und hinten einen Sattel mit noch mal 100Hm hoch, um dahinter auf denselben Mist nochmal. Das kann richtig ätzend sein, war es zumindest an dem Freitag. Und mir fällt spontan nicht ein aus welchem Grund das in drei Wochen bei km250 nach weiß ich wieviel Stunden non-stop anders sein sollte. Eventuell geht dann einiges in einem dicken, großen Nebel unter. Aber das ist eher mit den bereits gelaufenen Kilometern so. Die gerade zu laufenden km sind eigentlich immer seehr präsent!

So war mein Fazit vor zweieinhalb Wochen. Mittlerweile sind die letzten Sachen besorgt, die Klamotten gepackt, die Fahrt und Unterkunft – alles fest. Ankunft Morgen spät. Samstag Startunterlagen holen. Vielleicht noch mal 300m nen Berg hoch und wieder runter, um das Gefühl für den Berg nach dem Kienberg wieder präsent in die Beine zu bekommen und Sonntag 10Uhr geht es dann los auf eine große Runde. 330km, 24.000Höhenmeter, späteste Ankunft zurück in Courmayeur ist der darauffolgende Samstag 16Uhr. Das Telefon wird aus sein. Es wird gelaufen werden. Es wird gewandert werden. Ich werde irgendwann irgendwo Schlafen. Und irgendwann bin ich zurück in Courmayeur. Ich hoffe, das Wetter spielt mit, dann werden da auch viel Spaß und viel Natur und viele herrliche Ausblicke bei sein. Und der lange Weg wird irgendwann in einem dicken Nebel untergehen.
Ich hab mal geschaut. Reichlich 3800km Vorbereitung in 2014 stehen heute auf dem Tacho. Davon waren mit der BC, dem Rennsteig und dem ZUT drei große Vorbereitungsläufe bei. Drei Mal Bestzeit – und was für welche! Und gegen die Tour vor zweieinhalb Wochen da im Aostatal war das doch alles irgendwie Pillepalle, na sagen wir mal war die Belastung anders. Eher ne Art Sprint. Nicht wirklich vergleichbar.
Eigentlich muß ich nur wieder in Courmayeur ankommen. Dann steht die nächste PB. Schiet auf die „PB“. Das ist nicht wichtig. Ankommen.
Ich weiß nicht, ob ich bereit bin für diese Strecke. Aber ich werde auf jeden Fall erst mal losziehen. Der Rest findet sich auf dem Weg.
Also es ist alles getan, was man vorher tun kann.
Jetzt kann es los gehen!
😉

Blauer Himmel. 30°C im Schatten.

Heute Nachmittag. Blauer Himmel. 30°C im Schatten.
Ich stehe in Laufklamotten vor der Tür und schnüre die Schuhe.
„Ist das nicht bissl warm heute fürs Laufen?“
Hmm. Eigentlich kennt er mich doch?
„Es ist doch nie zu warm. Man muß halt das Dembo anpassen. Mehr nicht.“
sage ich und bin unterwegs.
Der Planet drückt. Nach drei Km kommt immer mal Schatten, bei km6 kann man am Friedhof die Mütze nass machen, bei km11 oben auf dem Kienberg noch mal und am Friedhof dann wieder bei km16. Laufrucksack und Wasser sind daheim geblieben.
Es läuft irgendwann doch irgendwie. Ich hab wieder die Epix-Laufuhr um. Kein Puls wird mehr gemessen, keine Schritte und Treppen und was nicht alles gezählt. Ich laufe wie ich Lust habe und gut ist. Am Ende werden es 20km sein und da steht ne Zeit. Es wird ne Allerweltszeit sein und auch das ist nicht schlimm. Ich Laufe, also bin ich. 5€ ins Phrasenschwein. Pling.
Ich bin oben am Kienberg, lächle die Leute an. Ich freue mich über die Großfamilie, die sich oben um eine Bank gescharrt haben und Essen zelebrieren.
Ich habe hinzu nirgends unterwegs Wasser gefaßt. Hinzu eine Allerweltszeit; schon tausendmal so dahin geschlurft. Aber es ist OK. Runterzu vom Kienberg rollt es. Es fängt an Spaß zu machen. Ich lasse es rollen. Will ich heute mehr? Wozu? Es ist warm. Der Hinweg war so OK. Schnell wird das eh nicht mehr.
Ach, egal. Rollen lassen. Ich genieße. Es ist nicht wirklich schnell. Es wird etwas anstrengend. Aber ich genieße dieses Laufen. Mit etwas Konzentration kommt auch ein runder Schritt raus. Immer mal muß ich mich aus dem Klappern der Schuhe zurück in den leisen, runden Schritt holen. Dann macht es richtig Spaß. Kein Fauchen einer Dampflok, kein Platschen der Schuhe – einfach mal wieder rund bewegen. Ja, ich glaube das nennt man Laufen. Genau das!
Und dann habe ich heute mal wieder eine doddal nette Uhr! Heute zeigt sie mal 20,3km für die Runde an. Geil! Da bin ich quasi mindestens 3-5s/km schneller als an anderen Tagen, wenn die Uhr nur 20km zeigt. Yes! 😉 Laufzeit einfach ignorieren. Nur auf die Pace schauen und auch die km-Splits und schon bin ich gar nicht so schlecht drauf! Geht doch!

Garmin

Höhenprofil und Durchschnittspace/km

Ach und zum Abschluß noch die Info an alle, die gar nicht gefragt haben. Nein, man braucht auch bei 1:40h Laufen bei 30grdC im Schatten kein Wasser mitnehmen. Und das gilt auch, wenn einiges der Strecke nicht im Schatten verläuft. Man muß nur das Dembo anpassen. Im Zweifel bissl schneller laufen. Dann kann man eher wieder was trinken.
Meint jedenfalls ein Schalk, der wieder manchmal läuft.

(y) 😉

Vorbereitung auf den TOR des Glaciers – Part III

30.03.2020
Es wird langsam wärmer.
Tatsache?
Morgens ist es noch richtig kalt!
Ich mag ja eigentlich die Kälte zum Laufen. Aber irgendwie geht mir im Moment der kalte Wind, die leichten Nachtfröste so richtig auf den Zünder. Ich mag eine Dreiviertellaufhose anziehen; mag keine dicke Mütze mehr mitnehmen, sondern das Basecap aufsetzen. Ich will beim Dehnen nicht zum Schluß anfangen zu frieren, weil der kalte Wind um die Hausecke fegt. Der Frühling darf kommen!

Woche 4/27 – 30.03-05.04.2020

Die Woche begann mit einem Tag lauffrei. Schließlich war ich die vier vorher Laufen und Regeneration ist kein Fremdwort!
Dienstag dann nach der Arbeit die Laufschuhe an und wenigstens noch auf ne Kienbergrunde los. 20km flach, bis eben einmal den Hügel hoch und wieder runter. Schon das Loslaufen ging doddal locker und leicht. Und ohne Anstrengung und Druck wurde es immer zügiger und plötzlich stand für den zweiten 5er ne 4:30er Pace auf der Uhr.  Es wurde dann noch fixer und am Ende war es über alles auch eine 4:30. Hmm. Sollte nicht oft passieren. Aber ging einfach mal gut.
Mittwoch dann war nach der Arbeit auch nicht mehr Zeit, als noch ne Kienbergrunde. Die ging ich ganz bewußt gleich langsamer an. Lockerer 5er Schnitt und kein Streß! Nach 5km begann dann irgendwie der Fuß wieder an sich zu beschweren. Was soll das denn jetzt? Brauche ich so gar nicht! Es war nicht richtig schlimm, ging aber auch auf dem Rest der Runde nicht wirklich weg. Nach dem Dehnen war alles wieder gut.

Freitag ging es zur Physio. Warmlaufen. Ganz leicht Fuß. Geht das vielleicht bei der Physio weg? Da war nichts zu merken. Auf dem Weg danach Richtung Arbeit aber dann doch wieder ganz leicht. Also von da aus zum Ostbahnhof und mit der S-Bahn heim. Asphalt meiden wir jetzt mal. Fallen zwar 20km Strecke aus, aber das ist OK. Für Samstag war der Plan an der Ahrensfelder Höhe zu kreiseln. Das sind 30km kein Asphalt und mehr oder weniger ständig hoch und runter. Mal schauen, was der Fuß dazu so sagt. Besser! Nicht immer ganz ohne Befund, aber viel besser. Ich überlegte sogar, ob ich nicht noch ne Runde dran hänge, weil es so gut lief. Die Vernunft kam dann aber doch durch und so blieb es bei den geplanten 30km. Ich hatte auch noch ein kleines Bastelprogramm in der Wohnung unserer Lütten. Und da ich nicht wußte wie lange das dauert, war auch das etwas Antrieb das Laufen nicht allzu weit auszudehnen. Sonntag dann wieder Kreiseln. Morgens merkte ich janz leicht den Fuß. Schön dehnen und dann ging es besser. Die Kreiselei war etwas langsamer als am Vortag. Hmm. Später in der Auswertung sah ich, dass es pro 4,8km-Runde etwa eine Minute war. Immerhin.

Am Ende der Woche stehen 109km. Da fehlen ein paar zur Vorwoche und eigentlich sollte es ja ein Stabilisieren sein. In Anbetracht des leichten Ziehens im Fuß ist das völlig in Ordnung. Jetzt wird der erst mal wieder auf den Weg gebracht.
109Wo-km
2400Hm

Woche 5/27 06.04.-13-04.2020

Ja, ich weiß. Vom 06. bis zum 13. sind es acht und nicht sieben Tage. Aber die Osterwoche kann man ja getrost inkl. des Ostermontags betrachten.
Los ging es am Dienstag auf einer sehr schönen Runde in ein altes Laufrevier, in dem ich sehr lange nicht mehr war. Von der Bölschestraße gestartet ging es über die Kanonenberge in die Müggelberge und dann nach ner knappen Stunde wieder retour. Dort zu laufen hat wieder richtig Spaß gemacht! Gefühlt war ich da glaube ich so in der Art das letzte Mal in einer Rennsteigvorbereitung 2015. Richtig geil!
Mittwoch/Donnerstag war dann leider doch bissl arbeiten und so startete das Laufwochenende dann halt am Karfreitag. Höhenmeter waren Trainingsziel. Bei Reiseverbot heißt das dann halt leider Kreiseln in Berlin. Das für den Fuß beste ist da eine Runde ohne Asphalt und nen vom Umfang her kleiner Hügel, um möglichst schnell möglichst viele Höhenmeter zu bekommen. Klar, dass da die Ahrensfelder Höhe der Favorit schlechthin ist. Normal hätte ich auch den Kienberg genommen. Aber nachdem da halt der Fahrweg hoch asphaltiert ist, dann eben einen Hügel weiter im Wuhletal.
Zusammenfassend kann man einfach mal festhalten:
Es war ein Vier-Tage-Wochende
Es war vier Mal kreiseln a 30km mit je 1000Hm in je knapp unter 3h.
Der Fuß ist ruhig.
Läuft!
109Wo-km (inkl. Ostermontag 139km)
3400Hm (inkl. Ostermontag 4500Hm)

Woche 6/27 14.04.-19-04.2020

Tja, nach so ner tollen Woche war dann eine Ruhewoche eingeplant. Nicht wirklich geplant war das Kratzen im Hals und die laufende Nase. Ja, es gibt auch noch andere Viren außer Covid19! Silke hatte es mit ner Bronchitis erwischt und muß davon wohl die Light-Version abbekommen haben. Völlig freiwillig war da nicht ein Lauf-km angesagt. Es zuckte nicht mal ansatzweise losziehen zu wollen. Quasi die doddale Regeneration. 😉

Woche 7/27 20.04.-27-04.2020

Los ging es erst wieder am Mittwoch. Und obwohl ich mich wieder doddal gut fühlte, waren die Beine noch ein wenig schwer. Die Pace auf der Wuhletalrunde stimmte wieder. Aber da war lange nicht die gewohnte Lockerheit.
Donnerstag dann der zweite 20er. Gleiche Runde. Gleiches Bild. Schwere Beine. Diesmal war es auch ganz leicht an der Pace zu sehen. Beide Läufe bin ich rein nach Gefühl einfach ruhig und belastungsneutral gelaufen. So ’ne Erkältung zieht doch mehr Substanz, als man denkt.
Freitag war dann Physio in der Friedrichsstraße. 4km hin einlaufen von Arbeit und 5km wieder retour. Das wars für den Freitag und es reichte auch. Das nervigste war übrigens, dass nach den anderthalb Wochen Ruhe und viel am Schreibtisch sitzen der Fuß wieder anfing zu meckern. Viel Dehnen half etwas. Deshalb war dann fürs Wochenende aber auch der Plan zu kreiseln. Da ist eben kein Asphalt und viel Abwechslung für den Fuß das Richtige.
Also Samstag und Sonntag je 30km an der Ahrensfelder Höhe.
Jetzt bin ich so ein Stück weit etwas platt. Der Fuß ist fast komplett ruhig, kein Vergleich zu Freitag. Auch das sagt mir, dass nicht das Laufen schädlich ist, sondern eher die Ruhe – und mangelndes Dehnen!
109Wo-km
2500Hm

Vorbereitung auf den TOR des Glaciers – Part II

Seit meinem letzten Beitrag zur Vorbereitung auf den TOR450 sind zwei Wochen vergangen. Im gesellschaftlichen Leben in Europa verändert sich gerade unheimlich viel. Resultierend aus der Verbreitung des Virus sehen wir gerade eine enorme Dynamik. Ich glaube niemand mehr in Europa kann heute sagen, dass er noch nichts davon mitbekommen habe, keine Restriktionen erfährt. Wenn ich mich so umhöre, sind es zwei Dinge, die hauptsächlich belasten. Zum einen ist da die Ungewissheit wie die nächsten Wochen und Monate wirtschaftlich für sehr viele aussehen werden. Der zweite Punkt ist diese Unsichtbarkeit des Virus in Kombination mit dem Wissen, dass die Übertragung auch Tage vor dem Auftauchen der ersten Symptome übertragen werden kann. Man hat also noch gar keine Ahnung, dass man bereits infiziert ist und verbreitet doch schon weiter… Puh, das klingt wirklich spannend. Da hilft mir in der Bewertung doch immer wieder eine Bemerkung aus einem Podcast des NDR mit Herrn Drosten: „An dieser Situation hat niemand Schuld!“ Diese Bemerkung ist wohl gerade hier in Deutschland, wo gern die Kultur der Suche nach einem Schuldigen, statt der Suche und Beseitigung Ursache gelebt wird, irgendwie sehr banal und doch sehr wichtig!
Nein, man muß nun wirklich nicht in Panik verfallen. Ernst nehmen muß man es schon.
Und gerade auch in so einer spannenden Zeit ist es gut, wenn man für sich einen Ruhepol hat – wenn man raus kommt aus dem medialen Spektakel und sich ein wenig Normalität, Kontinuität, Geplantes erhalten/aufbauen kann. Bei mir ist dieser Ruhepol das Laufen!
Ich bin ab dem Montag nach der Rückkehr von Teneriffa direkt ins Homeoffice. Da ich das auch in der Vergangenheit öfter getan habe, war das jetzt keine große Sache. Der einzige Unterschied ist, dass ich sonst zum Abarbeiten eines einzelnen Projektes mal für ein, zwei Tage daheim blieb und hierfür den täglichen Wahnsinn außen vor gelassen habe. Nun ist es halt ein Managen von beidem wie sonst im Büro. Als positiver Nebeneffekt fallen pro Tag 2x40min Arbeitsweg weg. OK, das waren auch immer Radleinheiten. Aber da ich ja Laufe, habe ich diese Fahrerei nie wirklich ernsthaft als Training betrachtet. Was zählt, sind Lauf-km und nun natürlich auch gelaufene Höhenmeter. Letzteres in Berlin immer wieder spannend! 😉 Und so man die 2x40min wegfallender Arbeitsweg nicht zum Arbeiten am Rechner verbringt, bleibt mehr Zeit zum Laufen. Grau ist alle Theorie! 😉

Woche 2/27 – 16.-22.03.2020
Nach der Woche auf Teneriffa mit reichlich Höhenmetern war diese Woche für etwas Regeneration verplant. Montag ging es auf ne 20km-Kienbergrunde. Da die Beine noch etwas platt und auch einiges an Arbeit anlag, wurde es Dienstag „nur“ eine regenerative 10km-Runde an der Erpe. Ich habe ja nach wie vor noch ein kleines Problem in der Schuhwahl für den TOR450. Beide TOR330 bin ich mit den Speedcross 2 oder 3 gelaufen. Und offensichtlich habe mit diesem Schuh seit der Umstellung von Speedcross 3 auf den Speedcross 4 ein Problem – eben das der Plantarsehnenreizung. Nun sollen die Speedcross 5 wieder etwas anders sein. Also diese geholt und auf der 10km-Erperunde getestet. Hmm, die Zehenbox ist deutlich größer geworden, als sie es vorher war. Das brauche ich so gar nicht. Die war für mich vorher auch schon ausreichend. An der Ferse hat sich der Schuh aber nicht geändert. Nun bin ich seit dem Sommer 2019 diesen hohen Schuh nicht mehr gelaufen und würde deshalb den nicht ganz so perfekten Eindruck erst mal nach hinten schieben. Ich werde den Schuh wohl noch ein paar mal anziehen und die kurzen Läufe damit testen, denn auf einem 7 Tage-Trip im Aostatal braucht es einen bequemen Schuh. Da sind die Schuhe mit denen ich aktuell recht gut laufe, nicht wirklich gut. Ich werde sehen.
Mittwoch war dann mal komplett Ruhe. Und Donnerstag „durfte“ ich doch mal zur Klärung verschiedener Sachen in unserem Werk bei Hannover antreten. Nicht alles geht vom Büro daheim zu klären. Normal fahre ich da immer mit dem Zug. Berlin-Hannover mit dem Auto ist aber auch wirklich bescheuert. Das ist mit der Bahn selbst Tür zu Tür schneller und auch entspannter. Dank Corona bin ich dann mit dem Auto hin, Termin abgearbeitet und doch um kurz vor 16Uhr mich wieder auf den Rückweg gemacht. Jetzt punktete etwas anderes. Beim Zug ist die Strecke definiert. Beim Auto ist das nicht so. Also führte mich ganz zufällig das Auto nach Ilsenburg. Ist jetzt nicht so der kürzeste Weg. Aber wenigstens die Richtung paßt. Dort fand sich auch im Ilsetal ein Parkplatz und ganz zufällig hatte ich Laufsachen und Stirnlampe im Auto. 17:30Uhr ging es also auf ne Runde hoch zum Brocken.
War das herrlich nach diesem Tag auf der Autobahn und in verschiedenen Gesprächen in Büro und Fertigung plötzlich im Hochharz unterwegs zu sein! Habe ich es genossen den bekannten Weg durchs Ilsetal mit den letzten Sonnenstrahlen nach oben zu laufen! Ein paar Wanderer und Läufer kamen mir anfangs noch entgegen. Aber dann war Ruhe, war ich allein da oben. Schön! Je höher ich kam, zogen langsam Wolken auf, in die ich hinein lief. Oder war es einfach nur Nebel? Auf dem Weg nach oben lief ich ab der kleinen Schutzhütte, der Bremer Hütte nicht den Heinrich-Heine-Weg weiter, also nicht rechts weg, sondern geradeaus weiter in Richtung Brockenbett. den Gelben Brink entlang. Es ist lange her, dass ich diesen Weg letztmalig gelaufen bin. Umso erschütterter war ich ob der großflächig abgestorbenen Nadelholzbestände. Es war noch hell genug, um etwas dieser Weite mitzubekommen. Es war aber zu dunkel, um zu sehen, ob dazwischen mittlerweile Aufforstungen erfolgten. Beim Laufen merkte ich aber wieder diesen großen Unterschied von Teneriffa (oder auch den Alpen) zum Mittelgebirge. Die breiten, teils durchaus auch mal steileren Mittelgebirgsforstwege muß man einfach laufen und auf den flacheren Anstiegen kann man durchaus auch mal Gas geben. Das war auf Teneriffa eher nicht ganz so der Fall. Dieses zügige Laufen und auch die Geschwindigkeit, die da „plötzlich“ möglich war, genoß ich doch sehr.
Auf der Brockenstraße, etwa Höhe Brockenbett kamen mir noch ein paar Wanderer entgegen. Mittlerweile war wirklich nicht mehr sehr viel Helligkeit da. Erst als ich vorbei war, fiel mir ein, dass ich vielleicht hätte Fragen sollen, wie sie nach unten kommen wollen, ob sie Licht bei hätten. Ohne Licht wäre die Abkürzung nach Schierke durch den Wald nicht zu empfehlen. Die Straße zieht sich aber noch mal mächtig bis nach unten. Andererseits fragten sie nicht wie weit es wäre und wer um die Zeit da oben unterwegs ist, sollte wissen, was er tut.
img_6601Nach 13km oder 1:15h war ich dann oben angelangt. Völlig verblüfft war ich, als mir Höhe Bahnhof Brocken noch zwei Leutchen entgegen kamen. Im Anschluß sollte ich aber lange niemanden mehr treffen. Während ich ganz zufrieden mit dem Dembo nach oben war, lief es die Panzerstraße runterzu Richtung Rangerstation nicht ganz so, wie ich das eigentlich auch kann. Die Ausreden waren natürlich schnell gefunden. So lag die Sichtweite nur bei wenigen Metern. Bei einem 4:20er Schnitt war das schon recht anspruchsvoll mit dem Sehen und auch das Aufblenden der Lupine bewirkt im Nebel nur sehr bedingt Besserung – eher das Gegenteil ist da der Fall. Die Absätze an den Plattenkanten ließen mich dann doch relativ sachte das Stück Panzerstraße bergab laufen. Direkt nach dem Abzweig rechts an den Hermannsklippen vorbei bis zur Schutzhütte Stempelsbuche ging es dann aber endlich zügiger zur Sache. Da lese ich im Nachhinein ein 4:02min für diesen km und lediglich das Stück Pfad auf dem Heinrich-Heine-Weg bis zur Bremer Hütte wurde es wegbedingt doch noch einmal etwas langsamer. Auch da bin ich schon schneller runter geballert. Aber so etwas im Dunkeln schnell zu laufen, da muß ich mich doch erst wieder dran gewöhnen. Ab der Bremer Hütte ging ich dann auf die Fahrstraße und damit war vom Dembo her wieder „Feuer frei“. 3:59/3:40/3:57min sollten auf den folgenden 3 bergab-km stehen. Das ist noch nicht das Dembo früherer Rennsteigvorbereitungen. Aber das ist zum Beine-ausschütteln schon ganz OK. Richtig Spaß hat dieser Ausflug gemacht. Es lief Dembo hoch und irgendwie auch recht anständig runter. 23km und 860Hm in knapp 2h standen am Ende auf der Uhr. Ich war zwar erst gegen 11Uhr abends wieder daheim. Aber wenn schon mit dem Auto fahren, muß so etwas irgendwie noch mit bei rumkommen.
Freitag bis Samstag war dann erst mal wieder Ruhe angesagt und Sonntag ging es auf ne kleine Kreiselei an die Ahrensfelder Höhe.
Die wollte ich nach Lust und Laune laufen. Irgendwas zwischen 15 und 30km sollten bei raus kommen. Es war herrliches Wetter, klare Sicht, Sonne, nicht kalt. Und nach zwei Tagen Ruhe war ich so doddal ausgeruht. Locker und leicht liefen sich die Runden am Berg weg. 25:47/25:51/26:04/25:20/24:01min gingen die 4,8km-Runden weg. Und sie liefen sich wirklich locker und leicht. Richtig geil!
Nach Hause bin ich dann eigentlich nur wegen des schönen Wetters. Es wäre noch Zeit für einen Spaziergang mit Silke gewesen. Allein, als ich heim kam, hatte sie keine Lust noch einmal raus zu gehen. Sie hatte sich derweil daheim ausgetobt und war nun platt. ;-( OK. Dann nicht spazieren.
Lauftechnisch war das eine sehr schöne Regenerationswoche mit ausreichend Ruhetagen, Regenerationsläufen und doch auch interessanten kurzen Belastungen.
Am Ende stehen die Woche 78km in 6:30h und mit 1900Hm – und dem Fuß geht es gut!

Woche 3/27 – 23.-29.03.2020
Nach der Ruhe folgt … die erste Belastungswoche des nächsten 3-Wochenblocks.
Los ging es gleich am Montag mit einem Lauf von der Friedrichstraße heim.
Am Sonntag wurden Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verkündet. Ich lief bei strahlendem Sonnenschein und einem fetten Grinsen auf dem Gesicht durch die Stadt, den Treptower Park und dann weiter Richtung FEZ und Wuhle heim. Nach einer Stunde Physio für den Fuß waren diese 25km doch hintenraus auch wieder anspruchsvoll und doch genoß ich das Laufen. Die Leute gingen auf Abstand. Ja, natürlich, aber doch war da deutlich mehr Blickkontakt, als sonst und ganz viel wurde mein Lächeln mit Lächeln erwidert. Schön!
Dienstag und Mittwoch war Arbeit angesagt. Trotz (?) Homeoffice war nicht an Laufen zu denken. (Luxus, ich weiß! Andere müssen in Kurzarbeit und haben gar keinen Job mehr, weil Läden, Kneipen, Restaurants, etc. schließen müssen). Damit waren aber auch die zwei Ruhetage für die Woche aufgebraucht. Ergo hieß es nun Donnerstag bis Sonntag laufen!
Donnerstag wurde es ne entspannte Kienbergrunde in einem beängstigend lockeren 4:40er Schnitt.
Freitag war wieder Physio am späten Mittag und anschließend der Weg nach Hause. Dank längerem Einlaufens und einem Treffen mit einem Läufer, den ich seit längerem nicht mehr gesehen hatte, wurden das nicht nur 25km an dem Tag, sondern in Summe doch 31 flache km.
Samstag und Sonntag war dann Höhenmetersammeln an der Ahrensfelder Höhe.
War ich Samstag dort allein zum Kreiseln auf 6 Runden, zeigte ich am Sonntag zwei lieben Lauffreunden die Freuden der Kreiselei an diesem fucking Hügel. 😉 65Höhenmeter am Stück können auch für trainierte Ultraläufer anstrengend sein. Man muß nur an der richtigen Stelle zügig genug laufen.
Die harten Fakten:
Mo, 23.03.2020 – 24km/1:58h/75Hm
Do, 26.03.2020 – 20km/1:33h/120Hm
Fr, 27.03.2020 – 32km/2:33h/100Hm
Sa, 28.03.2020 – 29,5km/2:45h/1086Hm (26:58/26:21/26:21/28:07/27:14/26:36min/4,8km)
So, 29.03.2020 – 29,5km/3:20h/1086Hm (32:18/33:25/33:38/33:50/32:10/30:29min/4,8km-Runde)

Fazit der zwei Wochen?
Das Training auf Teneriffa mit den doch recht vielen Höhenmetern, die mehr oder weniger ja doch etwas aus der kalten Hose gelaufen waren, habe ich gut weggesteckt. Die Beine erinnern sich langsam wieder daran, was ich früher schon mal öfter mit denen gemacht habe. Vier Tage am Stück laufen geht wieder und auch mit ein paar km mehr, als in den letzten Wochen. Fahrgestell und Fuß sind im grünen Bereich. Die Steigerung ist moderat und scheint sinnvoll. Ich bin auch heute nach 110km in den letzten 4 Tagen nicht im Eimer und habe keine Kollateralschäden zu beklagen. Läuft!
Auf den 135Wo-km diese Woche mit 2500Hm kann ich weiter aufbauen.
Um nicht in eine Überlastung reinzulaufen, werde ich diese aber erst einmal von der Größenordnung her nicht steigern, sondern die nächsten beiden Wochen erst einmal das Niveau so halten – so es hier nicht auch noch Ausgangssperren geben wird. Es sind noch 24 Wochen Zeit. Stabilisieren ist nach der Steigerung diese Woche sinnvoll!  😉
Zum Überblick hier einmal die Wo-km und Höhenmeter aus 2020:
KW2 68km/5:28h/1300Hm
KW3 87km/6:53h/240Hm
KW4 95km/7:56h/1082Hm
KW5 65km/5:31h/1018Hm
KW6 90km/7:33h/1445Hm
KW7 66km/5:13h/706Hm
KW8 25km/1:59h/554Hm
KW9 96km/7:55h/725Hm
KW10 77km/6:36h/604Hm
KW11 124km/21:32h/8000Hm
KW12 78km/6:33h/1900Hm
KW13 135km/12:12h/2400Hm
Auch das zeigt, dass jetzt erst mal Stabilisierung des Erreichten sehr sinnvoll ist. Die Steigerung scheint anhand der nackten Zahlen signifikant hoch. Gemessen am Befinden sind sie sehr vertretbar. Gemessen an Laufwochen der Zeit vor der Plantarsehenenpause sind es nicht viele Lauf-km die Woche. Aber gerade letzteres zählt ja nun wirklich nur bedingt.
😉

Vorbereitung auf den TOR des Glaciers – Part I

Teneriffa 2020

Die Meister des Frühjahrs werden bekanntlich im Winter gemacht. Das Frühjahr beginnt gerade. Die letzten Jahre standen da immer schon längere Wettkämpfe an. 2015/2016 war das ein Transgrancanaria, 2017 der Philippinenlauf, 2018 war alles bereits auf die TTdR ausgerichtet und 150 Wo-km schon recht normal.
Dieses Frühjahr steht bei mir allerdings nichts wirklich Wichtiges an. Das Training ist November/Dezember 2019 sehr gleichmäßig, aber auf niedrigem Niveau wieder angelaufen. Eine Basis z.B. für eine Brocken-Challenge stand auch Anfang Februar noch nicht. Aktuell laufe ich so um die 100 Wo-km und Läufe von einer maximalen Länge um die 30 km. Die Ausgangslage für die Woche auf den Kanaren ist also etwas anders, als die vergangenen Jahre.

Interessant wird es für mich zwar erst im September. Die Saisonvorbereitung beginnt also gerade erst.

Vom Kopf her fühlte ich mich aber doch noch ziemlich unvorbereitet, als es für diese Woche auf die Kanaren ging. Das war nicht weiter schlimm. Ich wollte vor allem sehen wie es nach mehr oder weniger anderthalb Jahren Berglaufabstinenz nun im bergigen Gelände so läuft, wollte Defizite erkennen, um sie in den nächsten Wochen und Monaten ausmerzen zu können. Zeit ist hierfür genug, bis die intensiven Trainingsmonate Juni-August kommen. Das Unvorbereitet sein stand also lediglich für die läuferische Verfassung im Vergleich zu den Jahren vorher. Ansonsten war ich sehr gespannt welche Basis tatsächlich liegen würde.

Wie im vergangenen Jahr hatten wir wieder auf Teneriffa Quartier bezogen, diesmal mit Callao Salvaje jedoch eine andere Ecke der Insel ausgesucht und somit begann der Urlaub gleich nach Ankunft am Samstag mit einer kleinen Erkundungstour. Via Outdooractive hatte ich mir vorsorglich schon mal ne Runde direkt vom Quartier am Meer hoch zum Pico del Teide ausgesucht und der erste Lauf war dann auch die Routensuche dieser ersten km. Entspannt zogen wir zu Dritt los. Nach erster Wegfindungssuche zeigte sich aber bereits, dass wir dieses Jahr unterschiedliche Laufambitionen haben. Also suchte ich mir den weiteren Weg geradewegs nach oben in Richtung Teide, während die anderen beiden abdrehten. Nach 7km und ca. 500Hm war es dann auch für mich gut mit der Akklimatisierung. Ich drehte und es ging dieselbe Strecke retour. Die Höhenmeter liefen sich relativ anstrengend. Dembo aufnehmen wollte ich eh nicht – und es wäre auch irgendwie nicht gegangen. Der Fuß war ruhig. Das war mal das Wichtigste!
Harte Fakten: 14km; 1:40h; 500Hm+; 500Hm-

Man soll es bekanntlich nicht übertreiben mit dem Training. Entsprechend war der folgende Tag mit Sightseeing und vielen Autokilometern über den Norden der Insel ausgefüllt.

Montag hatte ich für die anderen eine kleine Wanderung herausgesucht, während ich ab der Stelle des Tracks zum Teide an der ich am Samstag gedreht hatte den Weg weiter erkunden wollte. Nun könnte man meinen wozu ich denn einen vorhandenen Track noch etappenweise erkunden wolle und ihn nicht einfach am Stück liefe. Der Track war keine ausgewiesene Lauf- oder Wanderroute, sondern einfach ein aus dem Kartenmaterial von Openstreetmap erstellter Weg, der Start- und Zielpunkt auf möglichst vielen Wegen und Pfaden auf der resultierend kürzesten Entfernung miteinander verband. Die ersten 7km waren diesbezüglich ganz OK. Ich hatte die Strecke von einer ersten Anfangsschwierigkeit dann gut gefunden. Wie würde aber das ganze weiter oben aussehen? Die Überlegung die Strecke im Vorhinein sich weiter anzusehen, war wirklich richtig gut!

IMG_6595Der Start meines Laufes war oberhalb Tijoco Bajo. Dort wo mein Track die Straße TF82 kreuzte, hatte ich Samstag gedreht. Da ging es also für mich auf dem blau gekennzeichneten Track weiter. Die anderen wollten die rote Route wandern. Die war aus einem Wanderführer herausgesucht. Gleich nach der Straße ging es für mich schon sehr spannend durch einen Baranco. Der Pfad war durchaus bei genauem Hinsehen vorhanden. Suchen mag ich solche Pfade auf einer langen Tour aber nicht ständig. Die Überlegung mir vor dem Lauf der kompletten Strecke diese schon auch erst mal anzusehen, erwies also schon da für mich mehr als richtig. Die nächsten km ging es stetig weiter nach oben. Der Track verlief auf kleinen Wegen, schmalen Pfaden – war aber recht gut auch zu finden. Spannend wurde es nach einigen Kilometern, als ich die Ortschaften hinter mir gelassen hatte. Oberhalb La Colateja, was mehr oder weniger eine Bushaltestelle und zwei, drei Häuser sind, ging es auf einer Bergkette einen Pfad nach oben, der über ehemals wohl bewirtschaftete Terrassen führte. Also die Bergkette und die Terrassen waren jedenfalls noch da. Ein Pfad war ab und an auch wirklich mal erkennbar. Generell ging es aber eigentlich offroad einfach nur den Berg nach oben. Spannend machte die Wegfindung nicht so sehr die Orientierung. Das war recht einfach – immer gerade nach oben. Spannend war das verdorrte Gestrüpp, das auf dem gesamten ansteigenden Weg war. Ich suchte eigentlich permanent den Weg, wo man am besten an diesen flachen, aber doch kratzenden Sträuchern vorbeikam. Der Blick ging immer wieder nach Links, wo mich von den anderen lediglich ein tiefer Baranco trennte. Dort waren (hoffentlich) bessere Wege zum Wandern. Nein, wenn ich den Weg am Stück laufen werde, suche ich mir mit Sicherheit noch einen anderen Weg für den gerade zu absolvierenden Streckenabschnitt. Diese 3km waren einfach nur ätzend!
Nachdem ich die Terrassen hinter mir gelassen hatte, auf einer Anhöhe auf der eine verlassene Hütte stand, begann auch wieder ein Weg und ab da war wieder alles in bester Ordnung. Ich kam wieder zügig voran, hatte aber gerade erst 6km hinter mir. Wandern bzw. zügiges Wegsuchen waren die bis dahin vorherrschenden Bewegungsarten. Dies ging nun doch wieder in langsames Berganlaufen über. Geplant hatte ich schon bis zum Rand der Caldera de las Cañadas, dem großen eingefallenen Vulkankessel in dem der Pico del Teide steht, zu laufen, dort zu drehen und bis zu meinen Leuten auf dem benachbarten Bergrücken wieder nach unten zu laufen, damit wir zusammen ab deren Startpunkt heimfahren können. Dies wären vom heutigen Start bis zur Caldera knapp 12km mit ca. 1600Hm+ und retour noch einmal knapp 9km mit 1400Hm-. Ein Anruf wo ich sei kam gerade noch rechtzeitig bevor ich keinen Empfang mehr haben würde. Die anderen wollten Heim fahren. Ich solle dann anrufen, wenn ich unten bin, damit mich einer mit dem Auto abholen könne. Hmm, extra noch mal jemand hochfahren? Damit stand für mich dann auch gedanklich der Rückweg. Ich würde bis zum Rand der Caldera hochlaufen und dann den gesamten Weg bis runter ins Quartier. Damit würde ich ne ordentlich Ladung negativer Höhenmeter am Stück sammeln können und vor allem hoffentlich einen akzeptablen Weg finden, den ich später nehmen kann, wenn ich doch die Woche noch am Stück vom Meer zum Teide laufe.

Der Rand der Caldera war schnell erreicht. Ein wunderbarer Wanderweg kam von unten über den benachbarten Bergrücken nach oben. 

Blick auf den Pico del Teide vom Rand der Caldera aus – ca. 2000müNN

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit holte ich doch das Telefon vor. Ich wollte kurz daheim Bescheid geben, dass ich mich auf den Heimweg mache und durchlaufen werde. So blieb Zeit für ein Foto.

Nach 1800 Höhenmetern im Anstieg kamen nun ca. 2300 Höhenmeter bergab. Entsprechend langsam ließ ich es angehen. Weiter unten fand ich dann auch noch den Weg, der den Offroad-Abschnitt umging, fasste in Tijoco Bajo in einer Kneipe noch fix ne Cola, da die 1,5l Wasser doch fast aufgebraucht waren und überlebte auch so noch den Rest bis ins Quartier.

Am Ende standen 32km in 5:30h mit 1800m hoch und 2300m runter, etwas quenglige Oberschnekel und ein ruhiger linker Huf zu Buche. Zufriedenstellend!

Für Mittwoch hatte ich eine Runde in der Gegend Corona Forestal herausgesucht. Ich kombinierte eine empfohlene Wanderung mit einer kleinen Schleife in Richtung Teide. Entspannende 25km in 3:15h mit knapp 900 Höhenmetern kamen am Ende bei raus.

An nächsten Tag ging es gemeinsam eine Runde Wandern. In der Nähe von La Esperanza machten wir eine wunderschöne, kurzweilige und recht ruhige Tour.

Donnerstag war eine Tour zum Sonnenaufgang auf den Pico del Teide geplant. Jan und ich hatten das im Vorjahr schon gemacht. Da fühlte sich Tanja nicht so fit, als dass sie mitkommen wollte. Dieses Jahr wollten wir alle drei die Tour in Angriff nehmen.

Die Runde vom Vorjahr kam uns aus verschiedenen Gründen sehr entgegen. So hatten wir einen funktionierenden Zeitplan, wußten wo wir das Auto abstellen würden und hatten bereits beim Klamottenpacken daheim alles notwendige im Gepäck. Dazu zählen eben auch ne Wattejacke und Handschuhe. Da oben ist es vor Sonnenaufgang einfach mal wirklich kalt!

Unten in Callao Salvaje ging es also Morgens um 2:30Uhr los. Wie schon im Vorjahr hatten wir auch diesmal nicht am Vortag auf die Tankanzeige geschaut und auch diesmal war der Tank nicht wirklich zu voll. Es muß nicht erwähnt werden, dass um die Zeit keine Tanke auf dem Weg offen hat. Während der Fahrt nach oben verfolgte ich recht aufmerksam wie die Tanknadel sich mit gefahrener Km-Zahl in Richtung Reserve bewegte. Gleich vorab. Es reichte diesmal locker. Letztes Jahr zählten wir die gefahrenen km mit Reserveleuchte.

Pünktlich um 3:30Uhr lies ich die beiden am Parkplatz Canada Blanca raus und fuhr das Auto zum Endpunkt unserer Tour an den Parkplatz nach Parador del Teide. Die beiden Parkplätze sind 6km Straße auseinander. Verbunden sind beide Wege auch über einen Wanderweg. In der Nacht kann man die Strecke aber besser auf der Straße laufen. Man ist da oben ziemlich allein unterwegs und naturgemäß drückt auch noch nicht so sehr die Sonne auf den Kopf. Das Auto am Ausgangspunkt abstellen und dann tags die Straße oder auch den Wanderweg zum Auto laufen, würde ich wirklich nicht empfehlen. Für Jan und Tanja waren die geplanten 3:30h ab Canada Blanca gut zu gehen. Da war keine unnötige Hektik nötig, um pünktlich zum Sonnenaufgang oben zu sein.

Das Autothermometer zeigte 7°C auf 2000müNN. Es sollte noch einmal 1700m höher gehen.  Die Vermutung, dass es da hoch wärmer wird, liegt nicht nahe. Ich parkte das Auto, zog mir zur dreiviertel langen Laufhose noch Beinlinge und zum kurzen T-Shirt Armlinge an. Dazu kamen Buff, Windjacke, Mütze und Stirnlampe und Handschuhe und Windhose packte ich schon griffbereit in die Außentaschen des Rucksacks. So präpariert konnte es losgehen. 

Der Himmel war wolkenlos. Die Nacht vorher war Vollmond. Insofern brauchte ich auf der Straße keine Stirnlampe. Zwei Autos überholten mich auf dem Weg zum Parkplatz. Nach einer reichlichen halben Stunde war ich dann auch schon wieder dort, wo ich die anderen beiden rausgelassen hatte und machte mich nun auf den Weg nach oben. 10km sind es ab da bis hoch. Das erste Stück Fahrweg geht teilweise wenig steil nach oben. Hier kann man zügig wandern und teils doch auch laufen. Stetig behielt ich die Uhr im Auge, um nicht zu zeitig oben zu sein. Ab dem Übergang vom Fahrweg in den Trail nahm ich dann deutlich raus. Es war erst 5Uhr, also noch über 2h Zeit bis die Sonne aufgeht und nur noch 5km und knapp 1000hm zu gehen. Da sind 2h ne Menge Zeit für!

Während es auf der Straße und dem Fahrweg noch recht angenehme Lauftemperaturen waren, wurde es nun zunehmend windig und richtig kalt. In Bewegung und mit Last war das alles nicht so tragisch. Als aber die km schneller weniger wurden, als die Zeit verging, ich Gefahr lief zu zeitig oben zu sein und deshalb Dembo rausnahm, wurde es doch kühler unter der Windjacke. Die Hütte kam in Sicht. Es war 5:45Uhr. Ich fragte wie lange man wohl bis hoch brauchen würde. (Das hatte ich mir nicht aus dem Vorjahr angesehen.) „Laufend 1:15h“ war die Antwort. Und ich erinnerte mich, dass die Antwort letztes Jahr die Gleiche war und ich schneller war. Gegen 7 wollte ich oben sein. 7:13Uhr war Sonnenaufgang.

Vielleicht 5min später verließ ich die Hütte wieder und sowie der Wind zugriff, beschloß ich die drei Schritte in den Windschutz der Hütte zurückzugehen und mir Windhose und Wattejacke anzuziehen. So schnell würde ich nicht mehr gehen, als dass ich noch ins Schwitzen kommen würde. Und wenn man einmal kalt ist, braucht man länger, um wieder warm zu werden. Also lieber anziehen solange man noch warm ist! Ausgerüstet mit allem an, was im Rucksack war, ging es weiter hoch. Bis hoch waren es 16km ab meinem Startpunkt. 14km hatte ich weg und noch ne Stunde Zeit. Ohje, bloß langsam! Weiter oben kam dann noch einmal ein Wegweiser auf dem 1,2km bis oben stand. Da war es vielleicht 6:30Uh. Da gab ich dann noch mal etwas Gas. Die Reihenfolge war auch völlig richtig. Während ich in den dünnen Handschuhen ob des langsamen Gehens bereits kalte Hände hatte, wurden sie nun mit steigendem Dembo wieder warm; allerdings nicht so warm, dass das T-Shirt wieder naß wurde. Genau richtig dosiert also.

Letztes Jahr traf ich Jan an der Bergstation des Teleferico beim Anziehen der warmen Sachen. Diesmal traf ich beide kurz oberhalb. Ab der Bergstation braucht man noch etwa 15-20min bis oben.

Wann wir letztlich genau oben waren, bin ich noch etwas am Grübeln. Das erste Foto, das ich oben machte, soll ich um 6:46Uhr gemacht haben, sagt das Telefon. Das Foto auf dem sich dann auch die Sonne erstmals zeigte, war in der Tat von 7:13Uhr. Muß also stimmen. Es kam mir überhaupt nicht wie eine halbe Stunde vor da oben. Wenn es richtig zugig und kalt ist, empfiehlt sich auch nicht so ein zeitiges oben sein, oder man muß sich wirklich warm einpacken. Dieses Jahr war es oben dann wärmer und weniger windig als vergangenes Jahr – und das, obwohl es unterwegs am Berg klar richtig kalt war. Dafür kann man dann aber noch solche Schnappschüsse wie diesen hier machen:

Pico del Teide – oben!

Nun aber wieder runter! Die Sonne ist wunderschön, wärmt aber noch nicht!

Der Abstieg zur Bergstation war dann schnell gemacht. Windgeschützt und in der Sonne gab es nun erst einmal einen kleinen Imbiss.

Gut gestärkt ging es in Richtung Pico Viejo nun zurück zum Auto.

Spaß hat es gemacht! Schön war es! Vor allem der gemeinsame Abstieg in aller Ruhe war eine schöne Abwechslung zum alleinigen Hochlaufen. Beides hat seinen Reiz. Beides mag ich. Allein laufe ich viel. Das hab ich also öfter.

Am Ende standen 26km in 5:30h mit 1600 Höhenmetern und einem sehr ruhigen Fuß. Gegen 11Uhr waren wir retour im Quartier.

Da ich mich beim Bergablaufen noch völlig frisch fühlte, beschloß ich den Lauf vom Meer hoch zum Pico del Teide doch Freitag in Angriff zu nehmen.

Oben in der Caldera ist es nachts, wie bereits beschrieben recht kühl. Will man da dort laufen, braucht es warem Sachen, die man von unten mitnehmen muß. Tagsüber ist es hingegen immer recht warm. Gerade wenn keine Wolken sind, knallt der Planet auch auf 2000m Höhe ordentlich. Da verbrennt man sich auch schnell. Am Meer drückt es am Tag natürlich noch mehr. Also wollte ich möglichst im Dunkeln bis an den Rand der Caldera laufen. Dann würde ich die Kühle der Nacht nutzen, um auf 2000m zu kommen und würde mit der aufgehenden Sonne dann in den finalen Anstieg zum Teide gehen. Wäre ich noch eher da oben, müßte ich schon wieder wärmere Sachen einpacken. Man läuft nachts am Meer bei ca 16grdC los und oben in der Caldera sind dann um 4-7grdC und teils ordentlich Wind. Lust viel Zeugs mitzuschleppen hatte ich aber so gar nicht. Deshalb so der Zeitplan.

Jan hatte Donnerstag auf unserer Runde oben auch noch die geniale Idee die volle Flasche Wasser mit ca. 1,5l oben an der Straße, die ich in der Caldera queren würde zu platzieren. Das war wirklich praktisch. Ich packte so in den Laufrucksack 3 0,5l-Flaschen. Die reichen für die ersten 20km und oben fülle ich dasselbe noch mal nach für die letzten 20km. Sollte das hintenraus eng werden, kann ich oben am Teleferico bei etwa km32 auch noch mal Wasser nachfassen.

Am Nachmittag grübelte ich noch etwas wann ich loslaufen solle, um wirklich erst im Hellen an der Caldera anzukommen. Den Weg kannte ich nun im Hellen. Ich hoffte auch wegen freilaufender Hunde unten keine Umwege laufen zu müssen. Letztlich war nur zu Beginn einiges laufbar. Weiter oben ist der Weg für mich teils zu steil, teils zu technisch, womit ich eine Pace von etwa 1h/5km annahm. Die ersten 10km würden etwas schneller sein. Die nächsten beiden 5er etwas langsamer. 20km waren es bis zur Caldera. 7Uhr ist Sonnenaufgang. Also laufe ich 4Uhr los, dann bin ich nicht zu zeitig oben.

So war der Plan, so zog ich los. Abends legte ich mit noch die Montane-Jacke hin. Die ist dünn und doch schön warm, wenn der Wind pfeift – jedenfalls solange man sich bewegt. Früh um 4Uhr war dann der Kopf wohl doch noch nicht so frisch, sodass ich ohne Jacke loslief, mir aber wenigstens noch meine dünne Windjacke einpackte. Zum Glück! Es dauerte nur etwa bis km 7 oder 8. Dann war ich bereits so weit oben, dass es um die Uhrzeit doch kühler wurde. Windjacke und Buff waren da eine willkommene Kombination gegen den kühlen Wind, der von oben von der Bergen her nach unten zog. 
Ich war sehr froh, dass ich mir die Strecke vorher angesehen hatte. Selbst mit Streckenkenntnis mußte ich ab und an die Lampe etwas heller stellen und kurz schauen, wo der Track nun wirklich lang ging. Dies kostete kaum Zeit und ich kam zügig voran. Die ersten 5km waren in 37min weg. Für die nächsten 5 vergingen schon 45min. Es wurde technischer und steiler. Da waren eben kaum noch Laufanteile.
Nachts das Stück zu laufen, war auch gut, da der Abschnitt eher nicht so attraktiv ist. Feldwege und immer wieder alte Hütten und Gehöfte sind nicht so das, was ich beim Laufen mag. Nach 1:30h hatte ich dann aber endlich auch das letzte Haus passiert und vor mir lag der Wanderweg hoch zur Caldera. Der Wind zog kühl. Kein Baum war im Weg. Weiter oben würde der Wald anfangen. Ich stieg gleichmäßig und zügig nach oben und wartete auf den schützenden Wald, damit es wärmer würde. km16, nach 2:45h erreiche ich endlich den schützenden Wald. Stimmt, Wind war keiner mehr. Dafür kam schlagartig die feuchte Kühle des Waldes. 😉 Aber nun lugte auch langsam schon die Helligkeit über den Rand der Caldera, den ich oben bereits erahnen konnte. Nun war es nicht mehr lange, bis die Sonne kommen und auch über diesen Rand hervorkommen würde. 
Wunderschön ist der Kiefernwald dort oben. Die Bäume stehen in großen Abständen, aber doch bilden sie einen wunderschönen, lichten Hochwald aus. Hier wurde es auch langsam wieder flacher. Ich lief nach den langen, steilen Abschnitten endlich wieder an.

IMG_6592Es ist schön in den angehenden Tag, die aufgehende Sonne hineinzulaufen! Und ich genieße die garantierte Einsamkeit da oben. Ich denke die Wahrscheinlichkeit da oben um die Zeit jemanden zu treffen, geht gegen Null. Ich war schließlich bereits durch und in den nächsten 365 Tagen findet sich vielleicht noch ein Bekloppter; mehr aber wohl eher nicht. 

Den Rand der Caldera erreichte ich nach etwa 3:30h.  Jetzt ging es mal ein paar wenige Meter nach unten und einen breiteren Weg am Rand der Caldera entlang in Richtung Parkplatz. Obwohl die Sonne bereits aufgegangen war, kam doch noch einmal kurz ein kleines Kältenest, dass mir zeigte nicht zu zeitig hier zu sein. 
Durch diesen riesigen Vulkankessel, die Caldera führt eine Straße. Aber da diese lediglich hoch zum Teide führt und nicht als Verbindungsstraßen zwischen Ortsteilen der Insel dient, ist man um diese Uhrzeit eher allein. Auch hier genoß ich diese Stille. Hier war ich und Gestein und vor mir ein Berg und sonst erst einmal nicht viel. Schön! 
Doch, eine Flasche Wasser war da noch, die ich nun auf die anderen leeren Flaschen verteilte und die große Buddel konnte ich ordentlich im Mülleimer am Parkplatz versenken und mußte sie so nicht mitschleppen. Auch gut!
Mirador Narcices del Teide. 10km trennten mich noch vom Teleferico. Hoch auf den Teide würde ich heute nicht kommen. Dafür war es zu spät. Man kommt ohne Genehmigung nur außerhalb der Betriebszeiten des Teleferico bis auf den Gipfel. Eine solche Genehmigung muß man lange vorher beantragen. Es kommt in einem bestimmten Zeitfenster nur eine begrenzte Anzahl Leute bis nach oben. Da ich aber bereits am Vortag ganz oben war, störte mich das kein Stück. Ganz im Gegenteil. Diese paar Meter da hoch waren eh wieder durch die Bergbahn sehr touristisch, so die Bahn fuhr. da heißt es dann eher schnell wieder die Flucht ergreifen. Doch vorher würden mir erst einmal weitere einsame 10km Anstieg bevorstehen. Darauf freute ich mich!
Los ging es auch gleich erst einmal schön flach und wieder gut laufbar. Eine Freude wieder schön laufen zu können! Dann kam der Einstieg hoch zum Pico Viejo, einen von der Seite aus dem Teide vorgelagerten, etwas kleineren Vulkankrater. 
Den Weg kannte ich noch nicht. Er war aber gut ausgewiesen und durch aus auch begangen. Man mußte selten nach dem Weg suchen. Die Wandermarkierung „7“ und ein paar Steinmannerl halfen auch bei der Orientierung. Langsam stieg der Weg an und wurde dann natürlich doch auch steiler. Durch die Vulkanlandschaft zog sich der Weg nach oben.  Langsam wich der feste Untergrund des groben, scharfen  Vulkangesteins einem Gemisch an feinem und groben Vulkansand, gespickt mit dem einen oder anderen größeren Lavagestein. Ich war noch nie in einer Wüste wandern. Aber dieses zwei Schritte hoch und eine runterrutschen stelle ich mir auch beim hochwandern auf Dünen so vor. Ging ich voller neuer Energie am Parkplatz los, motivierte dieser Abschnitt ohne Ende! Hinzu kam, dass ich nicht genau wußte wie weit es bis zum Pico Viejo wäre. Ist der einmal erreicht, ist es nicht mehr weit bis oben. Immer mal meinte ich ihn oben zu sehen – nur um dann festzustellen, dass da wieder ein kleinerer Vulkan dem vorgelagert war und sich hinter dem nächsten Hügel also noch einer verbarg.

IMG_6593

Am Rand des Nances del Teide

Schön war allerdings dann doch der Blick zurück! Hinter dem Nances del Teide erstreckt sich unten die Weite der Caldera. Diese wird nur von der Straße durchzogen. Und 2.600m weiter unten könnte Adeje zu sehen sein. In der Nähe bin ich 5h vorher los. 
Am Nances del Teide hatte ich nun allerdings wirklich bereits den finalen Anstieg zum Pico Viejo erreicht. Nun war es nicht mehr weit bis zu dem Abzweig den wir am Vortag nach unten zum Auto gelaufen sind. 300Hm später sah ich dann auch wo ich war und wußte, dass es nun nicht mehr weit wäre. 
10Uhr war ich am Abzweig. Wie lange würde ich nun noch bis hoch und dann auch wieder runter zum Parkplatz benötigen? Ich muß schließlich noch Bescheid geben, wann meine Leute mich unten am Parkplatz Montana Blanca wieder einsammeln können. In der Hoffnung mit dem Blick runter nach Parador habe ich auch Telefonempfang, schrieb ich, dass ich gegen 13Uhr aus dem Spieleparadies gern abgeholt werden würde. Senden, Telefon weg und weiter.
Jetzt wurde es wieder richtig geil! Der Wüstensand wich festem Gestein. Man konnte laufen oder klettern, jeder Tritt saß. Es ging einfach vorwärts!
Geschätzt hatte ich ne Stunde bis hoch ab da. 40min später stand ich oben. Schon einen knappen km vor dem Teleferico geht es los, dass man auf Touries trifft, die mit der Bahn nach oben sind. Das beschleunigte meine Schritte durchaus. 😉
Vom Meer bis hoch zum Teleferico benötigte ich in Summe 6:50h. Knapp 33km und ca. 3700Hm waren es. Ein schöner Moment das geschafft zu haben!
Der Blick auf das Telefon sagte mir, dass die Nachricht zur Abholung nicht gesendet wurde. Also kurz noch mal senden. Ging nicht. Also ne SMS wegschicken. Die sollte in jeden Fall mal ne Funkverbindung finden. Also auch das nicht ging, griff ich zum Telefon. OK. Das funktionierte. Sie waren doch schon unterwegs. Nach dem Palaver  fragten mich Leute ob und von wo ich hochgelaufen wäre… Wer konkret fragt, bekommt Antwort. Auch die Blicke waren schön. 😉
Es war nun gegen 11Uhr. Ich hatte keine Ahnung wie lange ich nach dem Aufstieg runter brauchen würde. Was würden die Beine noch zulassen? Nach kurzer Pause waren diese aber wieder recht frisch und so konnte es los gehen. 
Oben ist der Absteig noch nicht sehr technisch und relativ flach. Das ist genau richtig, um in einen Fluß hinein zu kommen. Und als die ausgebauten Tourimeter aufhörten und der Track anfing, lief es bereits richtig schön rund. Den Abstieg in die andere Richtung kenne ich ja. Der Abstieg in diese Richtung ist genau das, was ich an Abstiegen mag! Das war die richtige Neigung, vom technischen Anspruch so, dass ich das auch gut und wirklich zügig laufen konnte. Das Zügig kann man dann später allerdings ganz gut bei Strava einordnen. Der Schnellste benötigte für die Strecke nach unten die halbe Zeit von meiner. Ich war nach ner knappen Stunde unten. Und es hat einen heiden Spaß gemacht!
Sehr lustig war auch, dass kurz nachdem ich unten war auch meine Leute plötzlich mit dem Auto vor mir standen. Ich hatte 13Uhr gesagt und war 12Uhr unten. Kennen die mich? 
Harte Fakten: 41,5km (Ich kann wirklich nicht Marathon!); 8:06h, 3.740hm+; 1.400hm-

Ne geile (Lauf-)Woche liegt hinter mir!
Konditionell, hinsichtlich Kraft, Laufen, An- und Abstiegen und vor allem hinsichtlich linkem Huf bin ich absolut zufrieden mit der Woche!
Es ist alles bestens für den jetzigen Zeitpunkt. Ganz selten hat sich der Huf mal noch leicht gemeldet. Nach dem Dehnen war immer sofort Ruhe. Da kann man drauf aufbauen. 
Bin ich sehr gespannt nach Teneriffa geflogen, so ging es sehr entspannt wieder retour! 
Ein großer Schritt Richtung Tor des Glacier ist getan. Ick freu mir!
😉