Verloren? Gewonnen? Meine Brocken-Challenge 2015

Ich bin gerade Königskrug weg. Der VP kam genau richtig. Ich hatte wieder mal nicht genug gegessen, kurz vor Königskrug ein richtiges Loch. Ich lief an Zwei. Vor mir war nur Floh. Der dürfte allerdings das Ziel bereits direkt vor sich haben. Was hinter mir kam, hatte ich keine Ahnung. War auch irgendwie gerade ziemlich egal.
Ich war so froh Maren und Olli zu sehen. Dnake euch! Auftanken. Essen, Cola (ganz gegen meine Gewohnheit) nen Riegel, noch einen, noch was trinken und dann weiter.
Körperlich fertig war ich nicht. Einfach nur ein Motivations- und Versorgungsloch. Da mußte ich jetzt durch! Anlaufen. Ging wieder. Eigentlich sind wir ja jetzt schon fast in der Einflugschneise. Also reiß dich mal am Riemen. Die paar km gehen jetzt auch noch. Irgendwie muß ich doch im Tran gewesen sein. Einfach immer nur die Loipe lang, die Wegweiser schön beachten. War ja nicht weit bis Oderbrück. Einmal rechts ab und dann immer schön den Hauptweg lang… Nach einer Weile setzte der Verstand wieder ein. War da nicht irgendwas mit „Da muß man genau auf dem Wegweiser schauen. Steht zwei Mal Oderbrück.“ beim Briefing? Bin ich da nicht schon zwei Mal lang und das sah anders aus als hier? Das muß hier die „spanische Runde“ sein.
Spanische Runde? Vergangenes Jahr ist der zu dem Zeitpunkt an Zwei liegende Spanier diesen Weg falsch gelaufen und hatte oben beim Brockenwirt einen riesen Aufstand angezettelt, weil er der Meinung war jemand von uns hätte abgekürzt und er wäre doch dritter geworden. Erst später beim Auslesen des Tracks sah er den Umweg und entschuldigte sich.
In dieser Runde war ich also jetzt. War ja auch an Zwei… Wann würde ich wieder auf der Strecke sein? Ist dann wer vor mir? Hab ich dann plötzlich Jungs im Nacken? Zum Zurücklaufen war es längst zu spät. Jetzt hieß es die Runde beenden und dann sehen.

Was war das bis jetzt für eine BC? Verhalten wollte ich angehen. Bloß nicht zu Anfang zu viel Druck machen. In drei Wochen ist Transgrancanaria. Das werden lustige 125km mir ordentlich Bergen. Da muß man sich nicht schon bei der BC ausschießen. Trotzdem hatte ich diesmal wieder von Beginn an nen Rucksack anbei, um Chiasamen und Trinken an Bord zu haben. Sonst war nix im Rucksack. Doch ne 100g Windhose – falls es doch oben zieht. 😉
Von Beginn an ging es im 5er Schnitt und drunter los. Kein Problem. Das ist zügiges ldl-Dembo. Aber eigentlich ist es doch etwas schnell für 80km. Egal. Am ersten VP bin ich durchgelaufen. Hatte ja alles. Damit war aber Lars auch weg. Schade. Die letzten km mit ihm im vergangenen Jahr waren super. Ich lief meinen Rhythmus. Es machte Spaß. Das Wetter war bombe! Es würde einen geilen Sonnenaufgang geben. Darauf freute ich mich schon.
Der Ausblick an der Seulinger Warte war einfach der Hammer!
Nicht nur ich meinte, dass man genau in solchen Augenblicken weiß, welches Privileg wir doch haben diesen Sport in der Form ausüben zu können.
Der Lauf, der Weg, die VPs, es war alles einfach ein Fließen, ein Vergnügen, Genuß pur. War es anstrengend? Ich glaube nicht. Ich habe Leute überholt, ne Runde geschnackt weiter.
„Du bist Dritter.“ meinte einer zu mir. Wir liefen gleichauf. „Wir sind grad Dritter. Und eigentlich ist der Platz auch egal.“ Nach ein paar km war ich dann doch weg. Es ging auf Barbis zu, sechs, sieben km noch. Einer lief in Sichtweite vor mir. An nem Abzweig schaute ich dann doch mal auf die Uhr. 60s Abstand. Sind noch knapp 50km. Immer mit der Ruhe. Es ging nen Hügel runter. 60s. Aber vor Barbis gehts noch mal kurz hoch. Oben wieder geschaut. 40s. Mei! Dann eben nicht! Das wird schon noch. Bergab nach Barbis drückte ich dann doch mal ein bissl. 17s. Nein, ich kam nicht ran. Schneller wollte ich aber nicht. Im Ort wurde der Abstand noch mal größer. Beim Abbiegen auf die Hauptstraße wieder 23s. Egal! Klar egal! Sonst würde ich ja nicht den km zwei Mal auf die Uhr sehen.
VP Barbis. 50m auseinander liefen wir am VP ein. Die Strategie war unterschiedlich. Ich setzte mich und wechselte von Speedcross auf Spikecross, packte die nächste Flasche mit Chiasamen in den Rucksack, füllte die andere Flasche mit Tee auf und lief wieder los. Der andere stand noch am VP und futterte.
Im direkt nach dem VP kommenden kurzen Anstieg futterte ich dann auch was und trank dazu. Inzwischen kam jemand von hinten hoch gelaufen. „Hei Schalk! Müssen aufpassen, wegen Gran Canaria.“ Ups. Ich schaute rüber. Andreas. Das konnte nur ein Andreas sein. Sehr schön. Schon ne Menge voneinander gehört, bisher noch nicht getroffen, sieben km hinter ihm hergelaufen und jetzt trifft man sich also hier. Wir laufen beide den Transgrancanaria. „Maren wird sich wundern, wenn wir zusammen in Königskrug auftauchen.“ Wir sollten nicht weit zusammen laufen. Sehen wir uns noch mal vor dem Brocken?
Ich lief einfach meinen Stiefel. Es machte Spaß. Entsafter I. Jagdkopf. Hier futterte ich dann doch mal bissl was. Gut Tee. Bevor ich wieder loszog, kam Andreas. Vielleicht sehen wir uns doch noch mal. 😉
Entsafter II. Der Beginn war etwas anstrengend, dann war er aber gut laufbar. Auch hier ein Fluß. Janz allein genoß ich die Natur, den Schnee. Es war einfach nur schön. Lausebuche mußte ich dann wieder was essen. Nen Stück Banane, Tee und bissl Brühe war jetzt nicht viel. Mehr wollte ich nicht. Das geht so nicht lange gut. Weiter ging es. Erst ein kleiner Umweg, um dann wieder auf den direkten Weg zum Königskrug zu kommen. Maren und Oli würden dort stehen. Darauf habe ich mich schon den ganzen Lauf gefreut!
Kurz vor Königskrug aber dann doch ein Loch, Versorgungsloch. Irgendeiner muß den Stecker gezogen haben. Ich denke können könnte ich, aber irgendwie wollte ich nicht mehr wollen. Einen klitzekleinen Anstieg nach Königskrug ging ich doch tatsächlich. ;-(
Egal. Da war er, der VP. Maren und Oli begrüßten mich schon! Herrlich!
Futtern, Cola, Futtern, weiter.

Weiter. Ja genau. Und am Abzweig dann statt geradeaus eben Rechts in die „spanische Runde“.

Die Umleitung war geschafft. Noch 50m bis zur Abbiegung auf die richtige Strecke. Und wer kam mir entgegen, auch etwa 50m vom Abzweig entfernt? Andreas. Sehr schön. „Laß uns das Ding zusammen zu Ende laufen!“ Aber er war doch etwas ko. Weiter hinten hatte ich noch einen Läufer gesehen. Ok. Zurück im Rennen, also weiter. War schließlich nicht mehr weit.

www.J-Rode-Fotografie.de

Ankunft VP Oderbrück

Oderbrück wollte ich meine Flasche noch kurz mit Tee für die letzten 7km auffüllen und wie ich zurück auf die Strecke gehe, sind da doch zwei Leutchen vor mir. Na jetzt aber ran!
Wenige 100m und wir laufen zusammen. Einen Holländer und Michael habe ich aufgegabelt. Beide machen Druck. Mithalten geht, kein Problem. Laufen wir das eben zusammen. Halbrechts sieht man den Brocken. Ein herrlicher Blick! Es geht noch mal etwas runter, Dreieckiger Pfahl, dann Links leicht hoch und dann kommt die Brockenrampe. Bin gespannt was da von wem kommt. Zu Michael meinte ich schon ‚Laß uns das Ding zu Dritt zu Ende laufen.‘ Das hier ist Brocken-Challenge. Die hat ihren eigenen Spirit. Nein, hier ist nicht wichtig wer wann oben ankommt. Hier bekommt der Letzte oben beim Brockenwirt im Goethesaal mehr Applaus als die Ersten. Hier achtet jeder die Leistung des anderen und es ist egal ob Erster oder Letzter. Da müssen wir auf den letzten km nicht noch ne Challenge draus machen.
Dreieckiger Pfahl. Links. Vor der Brockenrampe geht es einen kleinen Hügel hoch. Der Holländer macht Druck. Ich halte gegen, setze mich vor und nehme raus, will warten dass Michael wieder ranläuft. Genau an der Stelle wo ich vor zwei Jahren Riggo getroffen habe, steht die Nordlichterfraktion! Klasse Ding! Dnake fürs anfeuern!
Dann sind wir an der Rampe.
Ich glaube, ich muß mich entscheiden. Zu Dritt werden wir nicht an der Brockenbahn ankommen. Ich denke, der Holländer hat keine Ahnung von dem was wir mit der BC verbinden. Für ihn ist das ein Laufwettkampf und der ist vorbei wenn alle im Eimer sind oder einer vor den anderen an der Ziellinie. Ist ja ganz normal – wenn das hier nicht die BC wäre.
Es geht die ersten Meter Meter hoch. Der Holländer zieht. Ich bleibe an seinem Haken. Nicht vorlaufen. Michael läßt abreißen. Ein Meter, zwei, drei. Vorne ist Zug im Schritt. Er will die Entscheidung. Es wird anstrengend. In drei Wochen ist TGC. Wozu jetzt noch mal sinnlos Kraft verknallen? Für 5min eher oben sein? Für einen alleinigen zweiten Platz? Für einen zweiten Platz zu zweit und Michael wird Vierter? Für einen dritten Platz allein und kaputt da oben ankommen? Bestzeit wird es eh nicht. Die ist lange weg. Die ist auch egal. Ich ärgere mich, will nicht vor. Aber ich will ihn auch nicht „gewinnen“ lassen.
Wir sind nun schon gute fünf Meter vor Michael. Da fällt die Entscheidung. Ich nehme raus, lasse mich zurückfallen. Es ist nicht OK und doch ist es das. Ich wollte beides, aber das ging nicht. Dann eben so. Gemütlich traben wir den Rest der Strecke nebeneinander her, genießen den Blick auf den Brocken, den Schnee, den geilen Blick in die Gegend, genießen dieses Privileg so einen Scheiß tun zu dürfen – dies so zu können wie wir es machen. Es ist einfach Geil. Wir gehen Slalom um die Touris. Wir laufen Slalom. Der Weg an der Bahn will wieder mal nicht enden. Aber das ist heute nicht schlimm. Dann kann man das länger genießen! Die Brockenstraße hochzulaufen finde ich immer wieder herrlich! Nein, da muß man nicht ins Nirvana laufen. Ganz sicher nicht. Da muß man genießen – genießen können!
Michael läuft auf eine neue Bestzeit und freut sich hochzu schon nen Kullerkeks. Das steckt an. Es ist einfach nur schön!
Normal müßte der Blog ja hier zu Ende sein. Aber da waren doch noch so viele auf der Strecke. Und dieses Jahr war das Wetter so geil da oben, dass man viele auch draußen empfangen konnte. Also fix Duschen, Umziehen, nen Bierchen mit Michael trinken. Viele liebe Bekloppte kamen. Nicola und Rolf, der Marco, Silke, Corina und noch bevor ich was futtern konnte, ging es wieder raus. Mein Riggo war nicht mehr weit weg. Wir warteten im Zielbereich. Aber das dauerte mir zu lange. Also dem Riggo entgegengelaufen. Schön! Da kam der Jan und der Aschu, Andre und andere Läufer. Jeden klatschte ich ab. Das war Spaß pur! Viele Touris gingen runter und konnten gar nichts mit den Läufern anfangen. Es war so schön ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern oder dieses schon vorher da zu sehen. Kurz vor der Brockenrampe traf ich ihn dann endlich. (Zum Glück! Ich wollte da nicht unbedingt noch mal hoch.) Zusammen genossen wir dann noch mal diesen endlosen Weg an der Bahn und die Straße hochzu – bis kurz vors Ziel. Die letzten Meter gehören dem Protagonisten allein. 😉
Und einen nach dem anderen haben wir oben im Saal oder draußen empfangen. Die Nordlichter trudeln einer nach dem anderen ein, Tanja, Sonja mit Männel.
Das ist das eigentlich schöne an der BC! Das Zusammensein da oben, das Klönen und Blödeln, endlich wieder diese lieben Bekloppten sehen, auch auf den oder die Letzte warten und auch die herzlich willkommen heißen.
Und wenn denn alle da sind, dann gehts gemeinsam runter Richtung Oderbrück oder eben Schierke – je nach dem wo das Auto steht.
Schön war es wieder. Viel zu kurz war es wieder. Dnake euch Bekloppten!

Manchmal ist es gut ein paar Tage vergehen zu lassen. Dann sackt das eine oder andere. Man sieht Dinge auch noch einmal unter einem anderen Blickwinkel. So geht es mir jedenfalls diesmal.
Ob ich wirklich alles richtig gemacht habe, weiß ich nach dem TGC. Ich denke heute, dass alles richtig war. Die Entscheidung an der Brockenrampe war es allemal! In dem Moment war ich der Meinung zwei hätten gewonnen – als gemeinsame Dritte. Heute denke ich wir haben alle drei gewonnen. Für andere ist es ein Wettkampf. Für mich ist es die BC!
😉

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2 Gedanken zu “Verloren? Gewonnen? Meine Brocken-Challenge 2015

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