„Nur“ Ankommen?

Der letzte Blog ist eine Weile her. Was vorher geschah bei der TortourdeRuhr ist in den folgenden Beiträgen festgehalten:

Los ging es mit dem Ziel Als erstes Mal Ankommen!

Den zweiten Abschnitt konnte Einlaufen, um anzukommen, definieren.

Und nun hieß es den dritten Abschnitt absolvieren:

Vorn kommt eine Brücke. Andreas meint wir nähern uns wieder dem Track. Ok, dann muß der VP ja gleich kommen. Dann übernimmt Klada auf dem Radl und weiter geht es. Kartoffelsuppe und Wasser muß aufgefüllt werden.
Ich werd gleich weiterlaufen. Pause brauche ich nicht. Läuft. Von der anderen Seite am See nähern sich ein paar Stirnlampen. Auch TTdR? Jan kann das nicht sein. Der ist allein unterwegs. Als wir wieder auf dem Track sind, orientieren wir uns kurz. Die anderen sind rangelaufen.
War da plötzlich Musik in der Begegnung!
Wo wir herkommen?
„Wir sind den Ruhrradweg gelaufen.“
„Der geht da nicht lang. Auf der Seite vom See ist kein Ruhrradweg! …“

Wir wären falsch gelaufen.

Das war komisch! Da war eine Spannung, die mich völlig irritierte.

Ich laufe jedenfalls weiter, habe auch keine Lust über Dinge zu quatschen, von denen ich grad eh keine Ahnung habe. Wir kennen uns hier nicht aus. Wir sind den Ruhrradweg gelaufen! Die wichtigen Punkte, bei denen man sich verlaufen kann, hatte ich mir notiert, versucht einzuprägen. Der km, als wir an der Brücke (heute weiß ich, dass das vor dem Kemenadener See ist) der Ausschilderung nach links folgten, statt geradeaus weiter zu laufen, war nicht dabei. Laß die Quatschen. Ich laufe. Andereas bleibt zurück, telefoniert mit Klada.

Die Auflösung für diese Aufregung kannte Klada. Er erzählte diese aber nicht in dem Telefonat, sondern erst deutlich später an Rollis-VP bei km174. Von dieser Auflösung wußten wir natürlich nichts an dieser Stelle:

Klaus traf die Truppe von Olli am VP am Kemenader See. Er kennt alle bestens, kommt selbst aus der Gegend. Ich weiß nicht wieviele km schon zusammen gelaufen wurden. Und was meint er scherzhaft zu den drein?

„Eh Olli, der Schalk ist schon an dir vorbei.“

Ich hab keine Ahnung, was Klada da geritten hat. Die Zeiten von „Überholen ohne Einzuholen“ sind Jahrzehnte her und natürlich war ich zu dem Zeitpunkt nicht an Olli vorbei.

Ein Scherz.

Ich war hinter ihm, habe ihn nicht überholt. Was mögen die Drei bei dem Spruch gedacht haben. Und wenn wir auf so nen Spruch dann ein paar km weiter auch noch aus einer Abkürzung auftauchen, möchte ich nicht wissen, was in den Köpfen der drei anderen in dem Moment ablief. 😉

Als Andreas wieder ran war, erzählte er mir, dass wir Tatsache falsch gefahren wären und dadurch den VP am Kemendaer See nicht angefahren haben. Wir müßten dahin zurück. Was er nicht wußte und ich genauso wenig, dass der VP am Anfang des Sees lag. Da waren wir mittlerweile über 5km weg. Mehr als 10 extra km? Aber wenn man das nicht weiß, ist es ja erst mal nicht so schlimm.

Den Dreien sagen wir, dass wir zurücklaufen. Da kommt kein Widerspruch. Jeder der drei wußte wie weit es zurück war. Das ist der einzige Punkt, über den ich heute auch noch manchmal grüble. Andererseits war es nachts um keine Ahnung wann. Es lagen x km hinter uns allen. Da setzt manchmal der Kopf einfach auch mal etwas aus – meiner jedenfalls. 😉

Nach einer Weile kommt mir Jan entgegen, fragt was los sei. Wir erzählen. Er ist ohne Track unterwegs und logisch genauso gelaufen wie wir. (Später erfahren wir, dass es da noch einigen so ging.) Er überredet mich wieder umzudrehen. Auch das habe ich später im Track ausgemessen. Wir sind exakt 1km zurückgelaufen. Die Abkürzung war also lustigerweise exakt egalisiert. 😉

Auf dem Rückweg war ich Andreas auch noch in ner Kurve vors Radl gelaufen. Der Korb für Getränke und Verpflegung war abgebrochen. Andreas ist also retour zum VP, Klada sollte vor kommen und ich lief mit Jan weiter, jedenfalls ein Stück. Rollis VP war bei km174. Auf der Uhr standen 160km. Aber ich hatte auch schon 6km mehr auf der Uhr, als es real sein sollten. Irgendwo hatte die Garmin wie immer mal nicht vorhandene km gesammelt. Nein, verlaufen hatten wir uns nicht. Aber ab und an spinnt das Teil dann eben. Nicht wichtig. Der VP würde erst bei km180 (lt. meiner Garmin) kommen. Also 20km. Ich hatte mir nen kleinen „Notfallrucksack“ geschnappt, nen Gel rein, bissl Wasser und weiter. Die nächsten 10km überstehe ich auch so. Dann wird Klada ran sein.

Angefressen war ich schon. Wir laufen irgendwo, wo wir uns nicht auskennen und dann wirst du angefahren, du hättest abgekürzt? Da wird ernsthaft Absicht unterstellt? (Konnte ja nicht wissen, dass die Gedanken anderweidig angestachelt wurden.) Boah war ich satt, mußte mich bremsen, nicht zu schnell zu laufen!
Das Zurücklaufen, das Schnacken mit Jan, bis wir wieder in Tritt waren, hatte Zeit „gekostet“. Ich lief und wartete auf Klada. Bei der Überquerung der Brücke bei Hattingen sah ich unten Olli und die beiden Räder. Als ich dort unten an der gleichen Stelle war, trennten uns 10min. Ich war also locker weiter rangelaufen.
Bis zum Treffen am Ende des Kemenadener Sees lief ich einfach nur meinen Stiefel. Ziel war Ankommen und einen guten Lauf hinlegen. Einfach gut einteilen und hinten raus das Dembo noch laufen können, das ich vorn angeschlagen hatte. Und was machte ich jetzt? Ich gab Gas. Im Nachhinein sage ich mir so ein Schwachsinn!

Wieder war ich unten an der Ruhr. Es war dunkel, keine Menschenseele. Vorn irgendwo drei Leute von denen einer lief und die anderen mit dem Radl hinterher fahren. Hinter mir Jan, der schön ruhig sein Ding lief. Und wo war Klada? So weit kann das doch verflucht noch mal für so ’n Radl nicht sein! Wo bleibt er nur? Das Wasser war längst alle. Das Gel längst weg. Ich war mental im Eimer. Wie doof ist das denn? Du wirst doch mal ein paar dieser vielen km alleine laufen können! Jetzt stell dich nicht so an. „Deine Crew bringt sich da durch!“ stand in der Ausschreibung. Jup. So ist es. Der Kopf ist darauf programmiert. Nach diesen vielen Stunden der ständigen Begleitung kommt man sich plötzlich allein vor. Es klingt, als hätte sie mich allein gelassen? Quatsch! Ohne Silke, Andreas und Klada wäre ich nie und nimmer bis dorthin gekommen. Meine Crew hat mich da durchgebracht! Aber so was von. In den Momenten wurde mir selbst so richtig bewußt, wie wichtig diese Stütze ist. Der Akku war leer. Wieso hatte ich nicht bei Jans Freundin vor der Brücke Wasser nachgefüllt? Er hatte es mir extra angeboten. Ich hab sie vielleicht vor einer halben Stunde 50m vom Track wegstehen sehen. Das war noch vor der Brücke bei Hattingen. Hätte nur einfach hinlaufen, Wasser tanken und weiterlaufen müssen. Bescheuert. Egal.

Wie weit noch bis zu Rollies VP? 5km? In einer Flußbiegung sah ich eine einzelne Stirnlampe. Bestimmt einen km war Jan hinter mir. Egal. Ich war jetzt platt. Ich wartete auf Jan. Der hatte nen Rucksack bei und was zu trinken. Super Ding. Er schleppt das Gewicht die ganze Zeit mit sich rum und ich schnorre bei ihm. Zwei, drei Schluck. Dann ging es weiter. Wir liefen zusammen weiter. Kopfsache. Nein, bestimmt hätte ich das Trinken nicht zwingend gebraucht. Der Kopf wollte da nicht mehr. Zwei km vor Dahlhausen kam Klada von hinten. Da er nicht wußte, wo wir genau waren, ist er erst mal um den Kemenader gefahren, bevor er die Verfolgung aufnahm. Nen knappen 30er Schnitt ist er mir mit seinem Sohnemann im Dunkeln hinterhergeheizt. Das geht in der Tat nicht schneller. Passiert. Planung ist alles. Dann geht das auch. Im Business würde man das unprofessionell nennen. Aber das hier ist Spaß. Da paßt das. Nicht schlimm.

In Dahlhausen an Rollis VP, den es noch nicht gab um die Zeit, gabs erst mal ne Ladung Kartoffelsuppe und Wasser und ne kurze Pause und dann ging es an Kopf und Körper gestärkt weiter. Jetzt lief es wieder. Nächster VP war km 188. Ab da nur noch ein Marathon. Bei km 160 war das Rennen losgegangen. Jetzt lief es. Klar lief es nicht mehr so leicht wie auf den ersten 50km. Die vergingen schließlich wie im Flug. Aber es lief gut. Ich hatte meinen Rhythmus. Ich hatte Kraft. Keine Zipperlein. Wie komisch ist das denn? Egal. Lief wie ein Länderspiel. Kurz vor Baldeneysee noch nen kleinen Pipistopp für Radler und Läufer und dann ging es weiter. VP. Nur noch ein Marathon. Jup, die km gehen jetzt auch noch.

Kurz setzen, kurz stärken. Olli war gerade erst 4min weg. Und das, wo ich in Dahlhausen über 10min Pause gemacht hatte? Ein Marathon ist nicht mehr weit. Und der läuft jetzt auch noch! Der Morgen dämmerte. Es ging in einen neuen Tag. Ich war noch gut drauf und so zog ich weiter in Richtung Rheinorange.

Nur noch ein Marathon! Juhu!

Wir liefen am Baldeneysee entlang. Klada erzählte mir von den Villen hier. Bald sollte vorn Rechts die Krupp-Villa auf der anderen Seite des Sees auftauchen. Er erzählte von Läufen, die er hier mit Olli und Markus und weiß ich wem nicht gemacht hat. Zum Reden hatte ich keine Lust. Ich lief und hörte einfach zu. Ab und an fragte ich danach wie weit es noch bis da und da wäre. Da gab es salomonische Antworten. „Das kann man nicht so genau sagen.“ Ich werd irre! Das hier ist ein Radweg. Den muß man nicht neu erfinden. Und da gibt es auch km-Angaben. Wieso kann man das nicht so genau sagen? Es half die Spannung im Kopf zu halten. Auch wenn es anstrengend war.

km195. Irgendwas ist hier grad nicht in Ordnung! Ganz langsam schleicht sich  ein Schmerz ins rechte Schienbein. Was sollt der Dreck jetzt? Ich horche. Schmerzen kannst du aushalten. Das ist nicht tragisch. Ist schließlich nicht mehr weit. Nur kaputt machen will ich nichts. Im Sepetember ist mit Andreas der Transalpin geplant. Da muß ich fit sein. Es fühlt sich an wie ein Shin split. Da geht erst mal nichts kaputt bei. Aber das Abklingen kann dauern. Ich versuche anders abzurollen, variiere den Schritt. Der Schmerz nimmt zu. Es gibt zwei Varianten. Du kannst voll reinlaufen und ggf. nen Muskel komplett festlaufen. Den bekommt Klada nicht mehr locker. Du kannst jetzt anhalten und Klada kann schaun, ob da was geht. Klada schaute. Neben dem Schienbein ist ein Muskel verhärtet. Der strahlt auf das Schienbein. Schiet. Den Dreck kenne ich von meinem ersten K78. Da hatte ich die Verhärtung in der Wade. Damals zog die Verhärtung bei km2 rein, bis Filisur (km30) konnte ich noch laufen und bis Bergün (km40) ging dann nur noch Wandern. 28km noch damit Laufen können und dann Gehen. So würde mir das heute auch wieder zusagen. Waren schließlich nur noch 35km. Die Massage half ein wenig. Anlaufen ging wieder. Kurzzeitig ging sogar ein 6er Schnitt. Irgendwann ging ich aber dann doch wieder ein paar Schritte und ein weiteres Anlaufen war nicht mehr drin. Das Rennen war damit durch. 195km laufen war geil. Jetzt war Wandern. 35km Wandern? Wie lange soll das denn dauern? Der Blick auf die Uhr sagte 10er Schnitt im Wanderschritt. 6km/h. Noch 35km hieße knapp 6h! Och nöö! Aber wo war die Alternative?

Eine Option war ein Schuhwechsel.

Szenenwechsel:

Andreas und Silke waren zum nächsten VP bei km207 gefahren. Endlich mal ne Stunde die Augen zu machen! Endlich! Gerade einen Augenblick ist Ruhe im Körper. Langsam setzt Entspannung nach dem ständigen Hetzen gestern und der sehr lustigen Nacht ein. Endlich ein bischen Ruhe! Und dann klingelt das Telefon…

Nöö! Nicht jetzt! Was ist denn nun schon wieder?

„Ihr müßt kommen. Wir sind grad S-Bahnhof Werden.“
Jetzt weiß mal, wenn du dich nicht auskennst, dass das Essen-Werden ist und finde das mal eben fix.
Sie fanden es. Klada wußte, dass das nicht weit war, wußte auch, wo er langfahren würde. Aber das half den anderen nicht viel.
Egal. Der Lauf war eh fertig. Jetzt ging es maximal noch darum das Rheinorange zu Fuß zu erreichen. Zeit war nicht mehr wichtig.
Kurz vor Essen-Werden war Jan an mir vorbeigezogen. Ein Klaps auf die Schulter, ein „Viel Glück!“ und wir waren wieder allein. Ich freute mich für Jan, dass es lief. Ich war nicht mehr im Lauf. Ankommen! Einfach nur Ankommen. So schnell verschiebt sich das. Nicht schlimm.
Wir hatten uns in den Windschutz einer Bushaltestelle verzogen. Klada massiert den festen Muskel. Es wird kalt, richtig kalt. Bisher war die Temperatur völlig ok. Aber jetzt kam ich zur Ruhe. Die Wärme vom Laufen war weg. Ich zog an, was wir da hatten und frohr trotzdem.

Peter läuft an uns vorbei. Kurzer Gruß. Ich will auch wieder laufen! No way.
Silke und Andreas kommen. Andere Schuhe an, langes Shirt, dicke Handschuhe. Andreas wechselt mit Klada. Weiter geht es – wandernd. Sch…

100_3501Wie weit wir es noch sein? Wir wissen es beide nicht. Am nächsten VP km207 werden wir es wissen. Wie weit noch bis da? Ab 207 noch 23km; noch über 3h? Ätzend! Aber nicht zu ändern.
Wir kommen irgendwann VP207 an. Es dauerte gefühlt eine Ewigkeit. Du triffst keine Menschenseehle, bist einfach nur mit Andreas und dir und diesem blöden Schmerz allein. Andreas erträgt mich. Ich glaube, ich ‚heule‘ nicht allzu sehr.
100_3502Eigentlich brauche ich nix am VP. Aber ich habe Zeit. Also kann ich mich auch setzten. Einen schönen, warmen Kaffee. Der erste seit Samstag 6Uhr. Herrlich!
Ich heule ein wenig rum. Obwohl, eigentlich geht es mir bestimmt gut! Wie wird es denen gehen, die in fünf Stunden hier ankommen? ‚Bissl heuln war OK, aber jetzt ist gut, Schalk!‘
Der erste der 100Meiler kommt. Wir schnacken kurz. Andreas massiert noch mal den Muskel und dann geht es weiter. Nach vielleicht 100m teste ich Anlaufen. Andreas muß gut getroffen haben. Es geht! D.h., es läuft! 😉 Langsam aber kontinuierlich geht es weiter. Es ist etwas komisch wieder reinzukommen. In Essen-Werden schaltete der Kopf den Wettkampfmodus aus. Jetzt wieder laufen, war komisch. Mir gingen Gedanken durch den Kopf, die kenne ich sonst nicht. Aber als mir das bewußt wurde, ging auch das wieder.
Jetzt nicht stehen bleiben! Ein paar km geht es ganz gut. Dann ist wieder ein paar Meter gehen. Ein Fehler. Das Anlaufen ist schmerzhafter, als alles vorher. Mist! Aber gut. Der Kopf gewöhnt sich. Irgendwie geht es.
100_3505 Während vorher alle 5 oder 10km der Blick auf die Uhr ging, war jetzt ein km ein Erfolg.
Nur noch 20Mal, 19, 18, …
Bei so einer langen Strecke kann viel passieren. Mir war was passiert. Die Gedanken kreisten immer wieder in der Schleife.
Irgendwo bei Mühlheim überholte mich Robert, der Sieger des Hundertmeilers, den wir ja schon an VP207 getroffen hatten. Jeder von uns feuerte den anderen an. 😉
Ein paar Meter weiter standen zwei Leute an der Strecke und fragten, ob wir die ersten wären. Das war eine sehr lustige Frage. Ein Schmunzeln huschte über das Gesicht. „Natürlich nicht. Die sind schon zwei, drei Stunden durch. Aber die nächsten werden bald kommen und was die geleistet haben, ist großartig!“ Sie wollten auf dem Radweg spazieren gehen und auf weitere Läufer warten. Klasse!
Sebo wollte auch an die Strecke kommen. Ich schrieb ihm noch, dass er mich über nen Livetracker finden kann. Naja, der ging ja seit km 40 oder 50 nicht mehr. Wie soll er da wissen, wann ich wo bin. Ist halt so. Trotzdem schade!
… Und nach der nächsten Wegbiegung muß ich schon wieder gehen. ;-(
Bei km220 massiert Andreas noch einmal den Schnekel. Dann geht es auf den letzten 10er. Ein 10er geht immer! Aber wie weit wird der 10er sein? Klada meinte schon: “ Egal wo du grad bist. Wenn du fragst, sind es ab Mühlheim noch sieben km.“
Es zog und zog sich. Warum ist da kein Rheinorange ausgeschildert? Ich will endlich ankommen!
Hafen. Wo der Hafen ist, kann der Rhein nicht weit sein. Wir müssen noch auf die andere Seite der Ruhr. Wenn wir da über die Brücke kommen, sind es noch reichlich 2km! Aber da kam keine Brücke. Es ging auf dem Deich lang. Gefühlt ewig weit konnte man nach vorn schauen.

100_3510Und dann kam eine Brücke – nach rechts weg – wir mußten aber am Ende auf die linke Seite des Flusses… Auch das dauerte und schließlich kam recht plötzlich dann doch ein Wehr. Es ging links auf die andere Seite des Flußes! Vorn sah es so aus, als könnte man eine Flußmündung sehen. Irgendwo da vorn muß dieses orangene Ding sein! Vor über 24h meinte Markus noch zu Jens, dass es selbst dann gefühlt noch sehr weit ist – aber man ist dann doch schnell da. Hoffen wir mal die beiden haben Recht. 😉
100_3515Beim heutigen Blick auf die Karte muß ich wieder schmunzeln. Im Track ist direkt am Ende des Wehrs ein Punkt „km229“ gesetzt. Zum Glück wußte ich das nicht. Ab da sind es locker noch drei.
Aber jetzt ist das Ende in Sicht! Ankommen ist gesichert! Silke wird da sein. Ist es auch Klada?
Ohne die Drei wäre ich nie hier angekommen! Die gehören jetzt hier einfach her!
Meine Herren zieht sich dieser Weg hier noch mal! Das kann doch alles gar nicht sein! Ich will jetzt ankommen!
Leichte Linkskurve und was sehe ich da vorn? Kein Rheinorange! Nix. Es geht noch mal hoch! Der Weg geht oben am Deich weiter. Unten stand ein Schild „Rheinorange 1,9km“. 100_3527Ok, das ist endlich. 1,9km sind definiert. Die gegen jetzt auch noch. Nur werde ich hoch gehen müssen und freue mich schon wie Bolle auf das Anlaufen oben.
Doch Moment mal! Wer steht da denn oben am Deich? Sebo! Und nicht nur Sebo steht da, auch Olli Spehr mit seiner Lütten ist hierher gekommen! Wie geil ist das denn? Logisch, dass wir uns erst mal begrüßen müssen. Dann muß ich aber weiter. Sind schließlich noch ein paar Meter. 2,5 meint Sebo. Nee? Da vorn stand 1,9!

Aber der Blick nach vorn läßt mich doch eher Sebo als dem Schild glauben. Da läuft man 230km und feilscht am Ende um ein paar 100m. Bescheuert. Und doch sind immer die letzten km weiter.
Das Anlaufen ist noch mal sehr spaßig und doch geht es und jetzt ist einfach nur noch ein Grinsen auf dem Gesicht.
Ich bin losgezogen eine Strecke zu bewältigen, die ich flach noch nie zurückgelegt habe. Ich bin losgezogen, um anzukommen. Der Anspruch war einen guten Lauf zu laufen; losziehen und in etwa einem Dembo durchlaufen. Ich war vorher gespannt, ob ich das könnte. Ich wußte, es kann viel passieren auf so einer langen Strecke. Es ist viel passiert. Bis km195 ging Plan A. Danach kam Plan B. Ohne Verletzung hätte Plan A noch länger funktioniert. Kraft war da. Ob diese bis zum Rheinorange gereicht hätte, kann keiner sagen. Es ist auch nicht wichtig. Für mich ist das nicht wichtig.
Ich bin angekommen! Dort vorn ist dieses verdammte Rheinorange! Ein richtig geiler Lauf geht etwas anders. Dafür ist das Schienbein grad sehr präsent. Und doch bin ich zufrieden! Ich habe es geschafft und das gar nicht mal so schlecht – den Umständen entsprechend ganz gut.

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Die letzten Meter laufe ich mit Jens. Wir ratschen kurz über die letzten 35km. Silke steht am Rheinorange! Es ist geschafft!

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Das war der Blick zu Andreas! Jup! Vielen, vielen Dank für die Unterstützung!

Nachlese

Am Rheinorange verweilen wir nicht lange. Bloß nicht erst anfangen auszukühlen. Ricarda noch fix gegrüßt und dann noch nen Schnack mit einem gemacht wie es mir so ginge. Alles gut! Ratsch, ratsch, trallala und gescherzt. Am Ende stellt er sich als Doc vor, der nur wissen wollte, ob er sich um mich kümmern müsse. Sehr lustig.

Mit Sebo, Silke und Andreas geht es zurück. Klada hatte es leider nicht mehr geschafft. Wir sehen uns im Hostel. Andere Läufer kommen entgegen. Abklatschen! Yes! Bald geschafft!

Andreas und Silke friemeln das Radl ans Auto. Ich sitze schon drin, will nur noch ins Hostel, duschen und schlafen. Dazwischen liegt noch ein Weizen und etwas warten, da die Zimmer noch nicht fertig sind. Aber sowie das klar ist, bin ich weg. Duschen, Bett, peng und weg.

Nach ein paar Stunden Schlaf geht es wieder. Das Schienbein ist recht präsent und wird es auch die nächsten Tage bleiben. Der Rest paßt! Naja. Hunger! Aber da gibt es Lösungen.

Den Rest des Tages treffen Läufer und Crews ein, kommen andere nach nem Nickerchen vor. Es wird geklönt. Robert, Peter, Jan erzählen wie es lief. Ich berichte. Da Laufen noch Tanja und Detlef und Kiki und Cordula und Frank ein. Auch da wird geklönt.

Ein toller Abend! – Auch wenn meine Crew sich irgendwie eher verabschiedet, als ich müde bin.

Dnake Jens für diesen tollen Lauf!

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2 Gedanken zu “„Nur“ Ankommen?

  1. Aus irgendwelchen Gründen habe ich erst heute den letzten Teil deines Abenteuers gefunden. Du bist irre, aber das weißt du. Was für eine Leistung! Ich werde an dich und dein Schienbein denken, wenn ich am Samstag zum ersten Mal probiere über die 100km zu kommmen…. LG aus Ostfrankreich ;-))

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    • Aus irgendwelchen Gründen wird im Blog das Datum angezeigt, an dem ich anfing ihn zu schreiben. Fertig ist er zwar schon etwas länger, aber so ghanz ohne noch mal drüber zu lesen, wollte ich ihn nicht veröffentlichen. Und dann sollten da auch mal noch ein paar Bilder rein. Das dauerte. ;-(
      Veröffentlicht habe ich den Blog erst gestern abend. Vorher konntest du ihn also gar nicht sehen. 😉
      Viel Spaß auf den 100+! Wo? Holland, Belgien oder … Jetzt sag nicht Thüringen Ultra den 100Meiler.
      Wir sehen uns spätestens im Juli! Ick freu mir! 😉

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