Erster Lauf – Einlaufen mit Begleitung

Auf dem Plan standen knapp 50km. Start 6Uhr. Puh, war das früh! Um 5:50Uhr ist es noch stockfinster.

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Gruppenfoto vor dem Start zur ersten Etappe

6Uhr ist es fast hell. Und 10min später ist es richtig hell. So dicht am Äquator geht das wirklich sehr, sehr schnell. Wir versammelten uns alle gegen 6Uhr am Strand. Es wurden die obligatorischen Fotos gemacht und dann ging es los. Die Runde um einen kleinen Hügel und die paar Meter am Strand blieb ich noch bei den anderen. Als wir dann aber auf die Straße kamen, durfte schon mal angefangen werden zu laufen. Es war um die 25°C. Das ist in Deutschland eher nicht so meine Lauftemperatur. Hier empfand ich das aber doch als sehr, sehr angenehm. Der Plan war in der Morgenkühle noch so viele km wie möglich zu schrubben, bevor man ob der Sonne und der dann kommenden Wärme das Dembo deutlich reduzieren müsse. Es war kühl. Und es lief. Wir liefen auf Fahrwegen durch den Wald. Ab und an kamen ein paar Hütten am Wegesrand, ein kleines Dörfchen. Es war richtig schön!

Thomas hatte die Strecken der ersten beiden Tage vormarkiert und wollte die Strecke jetzt mit Fahrrad nachmarkieren. An der ersten Abbiegung pfiff er mich zurück. Ich hatte die Markierung übersehen. OK, auf die kleinen Folienschnipsel muß man sich erst einschießen. Auch an den Folgetagen sollte ich zwischen 6Uhr und 6:15Uhr noch nicht das richtige Licht für mich haben. Auch da lief ich noch ein oder zwei Mal falsch.

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Markierungsbändchen

Generell war die Markierung aber völlig ausreichend. Wenn man an Abzweigen vorbei lief, dann weil der Blick irgendwo, aber nicht auf der Kreuzung war. Der Automatismus an Abzweigen nach Folienschnipseln zu schauen, entwickelte sich sehr schnell – wenn das bei mir auch nicht 100% fehlerfrei funktionieren würde. Aber dazu später noch einmal.

100_3704Auf dem Fahrweg überholte mich Thomas ein, zwei Mal und ich ihn wieder. Die nächste Abbiegung war eindeutig. Dort stand er noch mal und fuhr dann aber weiter. 3 oder 4km später lief ich wieder auf ihn auf. Jetzt wurde die Tour zum „Hase&Igel“-Spiel – mit dem Unterschied, dass ich schon auch allein und ebenso zu Fuß auf der selben Strecke unterwegs war, wie Thomas mit dem Fahrrad. Spaß hat das allemal gemacht. Der erste Zehner ging um die 47min weg. Jup. Klingt.

In einem Dorf oder an einer Kreuzung stand dann Polizei. Thomas wechselte mit denen ein paar Worte während ich mal wieder an ihn vorbeizog. Ab da hatte ich „plötzlich“ eine Eskorte. Die Jungs fuhren mit Ihrem Jeep vielleicht 20m vor mir her. Sehr lustig!

Nach der Markierung mußte ich aber trotz alledem sehen. Es ging von der Straße in die Pampa. Die Eskorte blieb.

100_3678Dann tauchten mitten in der Pampa unsere Mädels auf. Das war schön euch zu sehen! Da mir Thomas schon gesagt hatte, er wäre sich nicht sicher, ob bei meinem Dembo alle VPs bereits besetzt sind, wenn ich da vorbei komme und ich mir ggf. dann halt was kaufen müsse, lies ich mir von Danny schnell noch 50 Peso geben und zog weiter. (Auch bei den späteren Läufen wird sich noch zeigen, dass es immer sinnvoll ist zwischen 50 und 100 Peso (1-2€) in kleinen Scheinen einstecken zu haben.) Jetzt ging der Weg durch ein Privatgrundstück am nördlichsten Zipfel der Philippinen. Ein Blick aufs Meer und weiter.

Die Gegend war einfach wunderschön. Es ging weiter am Meer entlang. Ich genoß den Trail, die Gegend, die Pace. Laufen kann einfach schön sein und doch war auch immer ein Stück die Angst das nächste Bändchen zu übersehen, die Ungewißheit, wie sich die Temperaturen entwickelten und wie der Körper damit umgeht. Also völlig locker ist doch noch etwas anders.
100_3681Wir kommen an einer Rangerstation vorbei. Auf der Wiese ein kleiner Folienschnippsel unter einem Stein. Am Ende der Wiese sieht es wie ein Schnipsel am Busch aus. Die noch recht tief stehende, aber doch schon sehr helle Sonne läßt mich es nicht ganz klar erkennen. Doch, da ist ein Schnipsel! Puh! OK, woanders geht auch kein Weg so wirklich lang. Aber man muß schon auch erst mal begreifen, wie der Markierer tickt… Kurz hinter der Wiese kommt von hinten wieder ein Polizeiauto. Ich habe erneut Begleitung. Ein Ort, Hanna’s Beach. Erst später werde ich ihn hören und mir merken. Hier ist Trubel. Tourismus. Tourismus, wie ich ihn irre mag: Ein Spaßpark mit übermannshohen Plastikfiguren von King Kong und weiß ich wem noch. Ich muß ja zum Glück nicht anhalten. 100_3689Der Blick schweift von Links nach Rechts und zurück – die ganzen Eindrücke aufzunehmen. Dann im Kopf wieder klick: war ein Abzweig? Hast du ne Markierung übersehen? Der Straßenrand wird nun nach den Markierungen abgescannt, aber da ist nichts. „Solange keine Markierung kommt, immer dem Hauptweg folgen.“ Hatte Thomas gesagt. Nein, da war bestimmt kein Abzweig. Die Polizei fährt zwar brav vor mir her. Aber ne Ahnung über die Strecke haben die bestimmt nicht. Nach dem Ort wird schon was kommen. Der Ort zog sich. Die Spannung in mir Stieg. Nur machen kann man eh nichts. Am Ende des Ortes dann sah ich endlich – nein, keine Markierung – doch Thomas verschwand oben an nem kleinen Anstieg gerade in ner Kurve. Also richtig. Puh!

Den Anstieg ging es locker hoch. Es war immer noch recht angenehm. Die Beine noch locker. Alles gut! Oben dann der nächste VP. Wasser fix nachgetankt und weiter. Es ging auf einer kleinen Straße runter und vorn Rechts auf den Philippinenhighway rauf. Nein, der Highway ist nicht ganz mit unseren Autobahnen vergleichbar. Es ist weniger Verkehr. Es ist anderer Verkehr. Viel mehr Tricycles sind dort unterwegs, wenige Laster und öfter mal nen Bus. Tricycles sind Mopeds oder kleine Motorräder mit Seitenwagen. 100_3951In Thailand nennt man die Dinger Tuctuc. Autos fahren wenige. Bei einem durchschnittlichen Familieneinkommen von monatlich 300€ und ähnlichen Neupreisen für Autos wie in Deutschland, fällt einem die Vorstellung leicht warum dies so ist.

Beim Laufen auf der Straße gilt logisch das Gebot, dass der Schwächere aufpassen muß. Man läuft somit grundsätzlich links, um den entgegenkommenden Verkehr gut im Auge zu haben. Hält man sich daran und ist etwas aufmerksam, muß man eigentlich nie Angst um Leib und Leben haben. Ich mußte das eh nicht. Ich wurde begleitet und die Autos, Motorräder, Tricycles, etc. wurden merklich langsamer bei Sichtung des Polizeiautos.

Es ging nun vom Meer weg auf dem Highway den Berg hoch. Die Steigung war gut laufbar. Mittlerweile war der km25 aber auch durch und erste Verschleißerscheinungen des vorigen Dembos wegen machten sich bemerkbar. Langsamer werden durfte ich aber auch nicht. Das merken die im Auto ja sofort. Nur bis Saud würde ich das nicht durchhalten. Das war auch sicher. Eine kleine Zwickmühle. Wie ich die richtig löste, wußte ich noch nicht. Aber das würde sich eh finden.

Um km30 ging es wieder rechts vom Philippinenhighway runter. Ich verabschiedete mich mit Handzeichen von den Polizisten, bedankte mich und zog rechts weg. Sie folgten. Mist. OK. Dann eben weiter. Hilft ja nichts. In 4km müßte der nächste VP kommen. Da brauche ich dann langsam auch einen. Das Wasser wird knapp. Km34, ein Abzweig. Leute an nem kleinen Häuschen, aber kein VP! Mist. Wann kam bloß dieser blöde VP? Bei einem der späteren Läufe habe ich einfach im nächsten Ort an nem kleinen Kiosk ne Cola gekauft (ca. 12-15Peso; bzw. ca. 0,20€) und bin weiter. Hier bin ich mit dem Geld im Rucksack und ohne Cola durchs Dorf weiter. War halt der erste Lauf. Jetzt reduzierte ich aber doch stetig das Dembo. Aus einer vorherigen reichlichen 5er Pace wurde nun eine 5:45bis 6:00. Da knallte aber auch der Planet voll von oben drauf. Ich grübelte schon wie ich an Wasser kommen würde. Da stand plötzlich bei km38 Thomas mit, ich glaube, Annann. Es gab Wasser. Es gab Melone. Das war köstlich! Wie im Paradies! Ich füllte alles wieder auf, genoß die Melone und schnackte ne Runde. Die Polizisten fragen warum wir das hier machen und ob das nicht anstrengend wäre. Sehr schöne Fragen. ‚Wenn man Spaß am Laufen und dafür trainiert hat, macht das dann auch wirklich Spaß. Klingt komisch. Ist aber So.‘

Mein Vorsprung zum Zweiten war wohl enorm. Thomas meinte jedenfalls, dass da viel Luft ist. Es waren nur noch 11km. Die überstehe ich auch noch, aber ich würde jetzt langsamer machen (müssen). Jetzt knallte der Planet gnadenlos. Ich mag Sonne von oben in der Intensität eher nicht so. Wieso ich dann auf die Philippinen zum Laufen bin? Hmm. Gute Frage. Vielleicht hatte ich die Hoffnung, es würde schon nicht so schlimm werden? Nein, ich kann so was schon ab. Aber man muß halt das Dembo definitiv darauf einstellen. Weiterballern geht gar nicht. Da zerknallt einen die Wärme. Man bekommt sie einfach nicht mehr aus dem Körper raus.

Anlaufen. Die Pause war zu lang. Mist! Es ging über eine Brücke. Die lief ich noch mit Anstand. Am Ende der Brücke sah ich bereits einen kleinen Anstieg an der Straße. Puh, ab da kann ich gehen. So der Plan. Thomas kam mit dem Fahrrad von hinten und wollte den Rest der Strecke markieren. Oben an der Straße stand der philippinische Race Director und machte Fotos. In Würde schnell gehen! Nein, es ging zum Glück wirklich steil dort.

Aber dann war ich wieder allein. Jeder einzelne Drecks-km wird nun runtergezählt. Schrieb ich schon, dass die Sonne erbarmungslos brannte? Schrieb ich bereits, dass es nicht wirklich Schatten unterwegs gab? Schrieb ich bereits, dass ich an den Kiosken an der Straße vorbei lief, ohne anzuhalten? Die Muskeln begannen sich zu beschweren. Hmm. Salz? Könnte sein. Hab schließlich keins aufgefüllt. Hitze, Dehydration? Kann in die Richtung gehen. Überlastung aufgrund zu hohem Dembo? Ganz sicher ist es das. Hatte ich doch auch beim Thüringen Ultra vergangenes Jahr. Kurz Pause. Kurz dehnen. Salz. Und dann geht das auch wieder. „Soo schlimm ist nun auch wieder nicht. Thüringen Ultra war auch schon schön warm. Also stell dich nicht so an, Schalk!“ Es war der Klassiker: Schnell los, zu spät Nachjustiert, Wärme nicht gut genug beachtet. Reißleine und dann heulen auf hohem Niveau.

Die Folge-km fielen nun deutlich langsamer aus. Aber das war ja auch grad gar nicht so wichtig. Ich bin im Moment am Lernen. Zu schnell los, müßte ich mittlerweile gelernt haben. Das jetzt nicht. Aber unter den Bedingungen ist das alles noch mal etwas anders, dieses Nachjustieren. Wäre ich dem ersten Gefühl der Demboreduzierung gefolgt, hätte das wohl noch etwas besser funktioniert.

Der letzte VP vor dem Ziel. Km42. Mist, bis hier waren es auf dem Hinweg 11km. Würden also nicht 49km am Ende auf der Uhr stehen, sondern 53. Tolle Bohne. Genau darauf hatte ich grad richtig Lust! Den Weg auf der (sehr wenig befahrenen) Straße kannten wir ja schon von Früh. Insofern war klar, dass es keinen Schatten geben würde und die Sonne erbarmunglos von oben knallte. Wenn ich lief, war es zwar meist immer noch nen 5er Schnitt. Aber die fehlende kühlende Wirkung des Wassers auf Kopf und Armen lies mich doch immer wieder ne kurze Gehpause einlegen. Ich hatte einfach zu sehr Bedenken, die Temperatur im Körper nicht mehr runter zu bekommen. Natürlich ist jede Straße mal zu Ende. Es kam ein kleiner Ort, zwei, drei Häuser nur, ein Kiosk. Und dort zog ich dann doch ne kalte Cola. 12Peso (0,22€). Da muß man die wirklich nicht mitschleppen und dann warm im Rucksack haben, oder großartig überlegen, ob man nun eine kauft, oder doch lieber nicht.

Die Kühle und der Zucker taten echt gut. Jetzt ging es wieder besser!

Kurz darauf kam der Abzweig nach links. Markiert war die Strecke aber geradeaus. OK, dann also geradeaus. Noch mal Extrameter? 48km standen jetzt schon. Aber bei Ultras ist man ja Kummer gewohnt. Die angegebenen km sind eh immer weniger, als man am Ende auf der Uhr hat. Ob nun 49 oder 53 oder doch noch mal was extra? Egal. Wird jetzt auch noch.

Wenige 100m später ging es nach rechts und jetzt kam mir der Weg irgendwie bekannt vor. Moment mal! Das ist doch hier ganz kurz vor Saud! Geradeaus nen reichlicher km ist Schluß! Hey! Juhu! Gleich da! Und mit einem Schlag wurde aus der Vorstellung sich noch mal vier, fünf km bei der Dämmse durch die Gegend zu Schleppen die Gewißheit es für den heutigen Tag geschafft zu haben. Jup, da konnte ich auch noch mal zulaufen.

Nach 49,86km und 5:01:52h konnte ich die Stop-Taste auf der Garmin drücken – Das war viel Spaß und doch vor allem aufgrund der erwarteten und notwendigen Anpassung an die klimatischen Bedingungen ein hartes Stück Arbeit.
😉

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