Zwei Läufe in einem – eine janz komische BC 2014

Zwei Läufe in einem – eine janz komische BC 2014

So titelte ich am 09.02.2014 bei jogmap.de. Da lag ein sehr komischer Lauf gerade erst hinter mir. Ein richtig schönes Wochenende war das. Eine richtig schöne BC.
Zur BC2015 und 2016 habe ich hier je schon geschrieben. Es steht die BC2019 an und so möchte ich einfach die Gelegenheit nutzen wieder einen alten Beitrag aus Jogmap hier festzuhalten.

Die BC2014 wurde später als die der Superlative benannt. Es ist auch die BC, in der die „spanische Runde“ entstand – aber dazu später. Los geht es mit den Eindrücken, die am Sonntagabend, dem 09.02.2014 aufschrieb:

So richtig habe ich es noch gar nicht für mich grade.
Das war gestern ein ziemlich guter Lauf mit einem völlig unerwarteten Ausgang. Aber das ist vielleicht auch nicht so unnormal für die Brocken-Challenge.

Dienstag Klamotten gepackt. So ein paar Gedanken über den Lauf gemacht, aber eigentlich war der ja eh nur als Trainingslauf geplant. Das Wichtigste war Freunde wieder zu treffen und zu klönen. Ja, Laufen wollten wir auch. So sind Riggo und ich aus Richtung Hannover angereist. Unser Mädels kamen aus Berlin nach. Diese ganzen Bekloppten wieder zu treffen, war super. Über den Lauf hab ich mir Freitag gar keinen großen Kopf weiter gemacht.
Was ist vom Freitag noch erwähnenswert? Das Briefing zur Strecke von Aschu war wieder ziemlich mittel. Freitagabend dann Essen fassen und klönen – auch recht mittel. Die Vorbereitung einfach perfekt, Maren. Abends dann noch das eine Absackerbierchen. Einfach mal doddal genial. 😉
Die Nacht war kurz, das Aufstehen quasi vor dem Wach werden. Wobei mir als Frühaufsteher macht das ja nich so viel aus.
Frühstück war dann wieder oben am Kehr. Irgendwie war ich mit dem Kopf immer noch nicht so groß beim Lauf. Hier ne Runde gequatscht, dort n Schnack. Und plötzlich war es 5:58Uhr. Na jezz aber raus. Geht gleich los.

Der Anfang war konzentriert. Tempo finden. Vorn stürzten wie erwartet gleich erst mal fünf, sechs Leutchen los. Mein Plan war mit 3:30h in Barbis bei km42,195 ankommen und dann sehen, was geht.
Laß die anderen laufen. Wenn sich einer von denen ausschießt, werde ich ihn noch mal sehen. Wenn nicht, ist das auch OK.
Wir waren am Anfang zu Dritt in der Gruppe nach der Spitze. Die war allerdings ziemlich schnell außer Sichtweite. Immer mal wurden ein paar Worte gewechselt. Aber in Summe war es ein ruhiges nebenher laufen. Das war angenehm.
Beim Starten des BC-Tracks hatte sich die Laufuhr aufgehangen. Deshalb ging es die ersten km nur nach Gefühl. Später hab ich sie aus und wieder neu angemacht. Dann war der Track auf dem Display. Jeder km wurde im Nachhinein angezeigt. Aber das Laufen ging rein nach Gefühl. Es hatte zu passen. Zur Laufzeit an irgendeinem Streckenpunkt hatte ich die ganze Zeit keine Ahnung. Ich war auch zu faul auf der Uhr rumzudrücken. Einfach den Track drauf haben und ansonsten regelmäßig die Systeme abfragen und einfach laufen. Kurz vor den VPs schob ich mir in Saft und Wasser aufgequollene Chiasamen ein. Am VP dann zwei Becher Tee drauf und weiter.
Nach Rollshausen, km20 waren wir glaub ich noch zu zweit. Aber eigentlich wollte ich allein laufen, wollte meinen Rhythmus laufen, in der Ebene wie am Berg mein Dembo. Einfach ich für mich allein mein Ding. Bis Rhumesquelle km30 keine Chance. Am Berg war ich weg und in der Ebene oder bergab war er wieder ran. Bis Rhumesquelle halt. Dann ging es tendenziell hoch und ich war weg. Nicht, dass der Vorsprung groß gewesen wäre. Aber das war eh egal. Ich war allein. Und ich war irgendwie immer etwas getrieben. Lies ich nach, war er wieder ran. Also immer schön Spannung halten. So rannen die km dahin.
Vorn kam Barbis in Sicht. Dann der VP. Das Reinlaufen war schon sehr speziell. Ich war in einem Lauf und irgendwie doch nicht. Keine Ahnung wie man das beschreiben soll. Eigentlich wollte ich nur einen guten Lauf hinlegen und das hatte ich bis hier her eigentlich ganz gut hinbekommen. Ich war an Sechs oder Sieben, nach vorn war sicher alles gegessen, nach hinten hatte ich einen unmittelbar im Nacken und sonst war sicher wieder Luft. Also war eigentlich kein Streß. Aber bisher lief alles super und nur das war jetzt bis hoch so zu erhalten. Einfach gut Laufen und darauf lag der Fokus im Kopf. Die Platzierung war ziemlich definiert. Und weil es so lief, wie es lief hatte ich beim ranlaufen an den VP irgendwie Gänsehaut.
Ja, und dann halt der Stop am VP. Erwähnte ich eigentlich bereits was ein super Support bei diesem Lauf ausmacht? Irre viel! Während ich das in Rollshausen etwas verpeilt gar nicht wirklich wahrnahm, war Barbis der Hammer!

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Bild von Volker Hillebrecht

Geplant war der Schuhwechsel auf Spikes und ein Shirtwechsel. Ich lief in Barbis rein und wurde nur noch umhegt. Geil. Tanja hatte einen Stuhl parat. Hinsetzen, Schuhe aus und Einlagen raus, rein in die anderen, Silke sauste nach nem Shirt, Jacke aus, Shirt wechseln, Jacke wieder an, Rucksack auf. Da wurde hier geholfen, da gefragt, dort gezupft und dann wieder los. Trinken und Futter war im Rucksack. Das kann ich auf dem kurzen Anstieg direkt nach Barbis fassen. Vor dem Lauf war noch die Überlegung, ob ich vielleicht noch mal den Support in Lausebuche in Anspruch nehmen wollte, um da erst auf Spikes zu wechseln. Da ich die nun aber schon hier anzog, konnten die Mädels dann direkt nach Schierke weiter.
Kurz bevor ich raus bin, kam mein „Verfolger“ auch rein. Irgendeiner bestätigte mir noch, dass es kurz nach 3:30h wäre. Perfekt. Voll im Soll. Dann ging’s aber auch schon weiter.
Im Anstieg merkte ich, dass ich die kleinen Fläschchen mit den Chiasamen nicht anbei hatte. Alle hatten sich am VP so super gekümmert, aber ich war irgendwie voll verpeilt, doddal im Tunnel.
Einen Liter mit Chiasamen hatte ich davon zwar anbei, aber die Flasche war dünner angerührt. Das würde nur bis Lausebuche reichen. Ok, dann eben ab da auf die Verpflegung der BC zurückgreifen. Was mich da erwartete, war mir nicht ganz klar. Frank organisiert die sehr vegan, aber es würde schon gehen.

Jetzt ging’s erst mal in den Entsafter und ich mußte erst mal meinen Verfolger wieder los werden. Das ging relativ schnell.
Punkt Zwei war konzentriert im Entsafter I bis Jagdkopf Vorsprung rauszulaufen – ohne sich zu zerschießen! Es kamen ab Jagdkopf noch 27 lustige km. Schnee oder Harsch oder was auch immer war garantiert. Kräfte einteilen war wichtig. Schön kontinuierlich zog ich den schneefreien Entsafter hoch. Wo es etwas steiler war, ein ticken langsamer, wenn‘s flacher wurde, wieder Zug rein. Die km im Anstieg wurden einer für den anderen runter gezählt. Noch vier, noch drei, noch zwei… Irgendwann dann endlich der VP Jagdkopf. Es war herrlich die Mädels da zu sehen! Wieder kurz Chiasamen und etwas Tee und weiter. Beim Anlaufen war unten noch niemand zu sehen. Sehr schön! Aber darauf wird sich nicht ausgeruht. Jetzt kommt der relativ flache Entsafter II. Da hieß es weiter Druck machen – schön kontrolliert.
Hier wurde die Strecke etwas vereist. Ich denke, mit normalen Schuhen oder Yaktrax war das auch ganz gut laufbar. Mit Spikes war es sehr komfortabel. Man konnte sich aufs Laufen konzentrieren. Es fing an richtig Spaß zu machen. Klar ging es langsam Richtung Anschlag, klar waren die vorherigen 55km in den Beinen, aber irgendwie war da noch Luft. Die km flogen dahin. Ich zählte jeden km bis zur Lausebuche runter. Ich war allein, ich sammelte sicher Meter um Meter Vorsprung oder hielt ihn zumindest und es lief einfach. Immer mal wieder traf ich auf Wanderer. Auf dem letzten km vor Lausebuche war wieder jemand vor mir. Aber Moment mal. Das war einer mit kleinem Rucksack. Das war… Nee, kann nich sein! Doch! Da lief einer vor mir. Sofort wurde der Schritt schneller. ‘Hee! Schön ruhig, Brauner. Das sind noch 18km.‘ Einfach so weiter und dann bin ich schon irgendwann vorbei. So schob ich mich janz langsam ran. Noch 200m bis VP. Da zog ich doch noch mal kurz und lief mit ihm zusammen in den VP Lausebuche.
Da war Überraschung. Maren, Rina und Silke. Was machen die denn hier? Eigentlich wollten die doch direkt nach Schierke fahren.
„Schalk, vermisst du was?“
Ich hatte beim Schuhwechsel in Barbis doch tatsächlich vergessen eine Einlage in die Spikes zu machen und bin die 20km in einem Schuh komplett ohne irgendeine Einlage gelaufen. Geht also auch. Gemerkt hatte ich das kein Stück.
Als ich die Einlage sah, meinte ich nur: „Klar, hab ich die ganze Zeit vermißt!“ und beim hinsetzten fragte ich dann erst mal welchen Schuh ich jetzt ausziehen müsse. Sehr komisch. Das gute an dem „Mißgeschick“ war, dass Silke mir die zwei kleinen Fläschchen Chiasamen in die Hand drücken konnte für den Rest der Strecke als Verpflegung. Und so ganz nebenbei war es natürlich klasse für den Kopf die Mädels zu sehen. Ich war richtig happy, irgendwie gut drauf.
Nun aber weiter! Im Loslaufen meinte Maren noch, dass Lars gerade erst vor ner Minute hier weg sei. Das war natürlich eine sehr komische Nachricht. Die Spitze war doch Ewigkeiten von mir weg. Und jetzt plötzlich hatte ich von der Spitze Einen schon überholt und ein wirklich Schneller war nicht weit weg von mir.
Wie kann das gehen? Was ist hier los?
Während ich gerade noch einen schönen und doch entspannten Lauf hatte, drehte sich plötzlich alles. Ich wußte gerade nicht, was ich damit anfangen soll. Aber ich war gut drauf und es waren nur noch 18km. Die sollten noch einmal sehr ereignisreich werden…

18km Wettkampf? – eine janz komische BC 2014

VP Lausebuche, km 62 irgendwas. Ich fühle mich gut und ziehe wieder los.
Lars direkt vor mir? Na das kann ja was werden. OK, einfach Laufen und dann sehen, was kommt.
Meine Garmin hatte irgendwo um Lausebuche den Dienst versagt, aber ab jetzt kannte ich den Weg weitgehend und die Paceangaben waren jetzt eh egal. Jetzt heißt es das Dembo nach Gefühl richtig treffen.
Während es vor Lausebuche kaum Schnee und nur hier und da etwas Eis gab, war jetzt der Schnee garantiert. Ich freute mich erneut riesig über meine Schuhwahl. Die Spikes waren wirklich Gold wert. Es war Harsch und Schnee und Eis und ein nicht wirklich super zu laufender Untergrund. Ich kam super damit klar. Gefühlt flog ich den Weg entlang. Und in der Tat dauerte es nicht lange bis ich den ersten Rucksack vor mir auftauchen sah – und da war nicht nur einer, drei Leutchen waren da vor mir und nicht weit auseinander. Der Geschwindigkeitsunterschied war schon recht merkwürdig. Während ich leicht über den Schnee glitt, sah es so aus, als würden bei den anderen die Schuhe am Boden festkleben. Nein, natürlich war es nicht so, aber die eigene Wahrnehmung ist bei km65 dann doch irgendwie etwas einfacher. Wer die anderen zwei waren, wußte ich nicht. Ich grüßte kurz und war vorbei. Lars kannte ich. Auch da ein kurzer Gruß und weg war ich. Später meinte Lars, er hat dort versucht zu folgen. Mein Schritt muß da aber doch etwas zügig gewesen sein. Es dauerte nicht lange und ich war aus dem Sichtfeld.
Als ich an den Dreien vorbei bin, sahen alle drei nicht wirklich gut aus. Die würde ich nicht wiedersehen – meinte ich. Aus einem Trainingslauf war plötzlich ein Wettkampf geworden, ein Lauf auf das Treppchen bei einer Laufveranstaltung, bei der ich nie im Leben auch nur ansatzweise gedacht hatte so weit vorn landen zu können.
An welcher Position war ich jetzt eigentlich? Wie viele waren noch vor mir? Einer? Zwei? War ich wirklich auf dem Treppchen unterwegs? Wie weit war der Nächste vor mir?
Vor dem nächsten VP würde ich das nicht erfahren und jetzt hieß es die Kräfte noch besser einteilen. Jetzt durfte ich nicht überzocken. Also etwas Dampf wieder raus und das Ding „in aller Ruhe nach Hause schaukeln“. Noch ein km bis Königskrug. Der Wegweiser zeigte nach links und weitere 150m weiter bog ein Pfad nach rechts ab. Kaiserweg stand am Wegweiser. Schick. Ich will aber nach Königskrug. Wieso steht das hier nicht? Ich meinte, der Weg geht rechts am Waldrand entlang. Keine Menschenseele in der Nähe. Garmin aus und keine Ahnung wo wirklich lang. Das kann doch nicht wahr sein! Ich kann doch jetzt unmöglich auf die anderen warten. ‘Schalk, die Erinnerung sagt rechts, also lauf rechts!‘ Kaiserweg klingt gut. Den nehme ich.
Vielleicht 100m weiter die nächste Überraschung. Von Links aus dem Wald kommt ein Läufer. Das muß einer mehr aus der Spitzengruppe sein. Dann bin ich jetzt ganz vorn? Das kann nicht sein! Auch er sah nicht so gut aus. Ich hatte noch ganz gut Dembo drauf, aber langsam machte sich der „Flug“ der letzten km bemerkbar. Also ging es erst mal fix vorbei und in Königskrug erfuhr ich, dass einer bereits durch wäre – allerdings vor ner halben Stunde. OK. Dann ist jetzt erst mal klar wo es lang geht. Nach dem VP mußte ich erst mal die Gedanken sortieren, die Lage klar kriegen. Ich war jetzt also in der Tat an zweiter Position. Hinter mir liefen vier Leute, die noch ein ganz anderes Potenzial haben als ich, die aber nicht mehr so frisch aussahen wie ich mich fühlte. Jetzt hies es einfach „nur“ das Tempo halten und die Platzierung verteidigen. Wenn ich nicht nachlasse, ist das Ding im Sack. Und bei diesem ganzen Rumgedenke und der Überholerei, vernachlässigte ich allerdings die Versorgung. Der Weg wurde grottenschlecht. Bäume lagen mitten im Weg. Klettern war angesagt und Bücken. Da war kein Laufen mehr, sondern Kraxeln. Und mit diesem rumgekraxel kam dann auch das befürchtete Tief. Man, mußte ich mich zusammenreißen, um weiter Druck zu machen. Aber schneller würden die anderen ja auch nicht sein, meinte ich. Naja, Denken und Wirklichkeit.
Und plötzlich tauchte neben mir ein bekanntes Gesicht auf. Lars kam wie aus dem Nichts.
Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber irgendwie habe ich mich gefreut, dass er in den Lauf zurückgefunden hatte. Es war schön, mit ihm zusammen laufen zu können. Wir liefen nun ein Dembo. Er war der Meinung, wir wären an Drei. Ich klärte ihn über den Irrtum auf und wir beschlossen das Ding zusammen zu Ende zu bringen. Wobei ich ihm sagte er solle Losziehen, wenn er könne. Noch waren es mehr als 8km. Auch da muß man haushalten. Bis Oderbrück liefen wir auf jeden Fall zusammen. Am VP mußte ich dringend was Trinken. Die Akkus waren fast leer – zu leer für weitere 7km ohne Auffüllen. Lars trank kurz nen Becher Tee, aß nen Apfel und lief weiter. „Los, komm Schalk.“ „Mach mal, Lars. Ich muß erst Trinken. Ich komm.“ Ich ließ ihn ziehen. Er hatte auf den letzten Metern vor dem VP einen so unwiderstehlichen Zug. Das würde mich zerreißen. Ich muß mein Ding laufen. Das geht jetzt nicht anders. Ist so.
Noch nen Becher Tee und weiter. Lars war 200m weg. OK, das wird dann halt nix mehr. Aber auch das war egal. An drei und kurz hinter ihm. Das ist gut genug! Definitiv.
Die Strecke ging eigentlich nicht wirklich schwierig. Aber irgendwie war der Akku leer. Lars entfernte sich Meter um Meter. Nächstes Hinweisschild: Brocken 6km. Da kam mir mein Gel im Rucksack in den Sinn. Mensch, du hast doch noch nen Turbo zum zünden. Naja, Turbo vielleicht nicht mehr. Aber ein Dembohalten würde ja schon reichen. Kurz angehalten, Gel raus, rein das Zeugs, Verpackung wieder in den Rucksack, selbigen auf und weiter. Lars war fast schon außer Sicht. 300m waren es sicher. Jetzt hieß es Zähne zusammenbeißen und warten, dass die Wirkung einsetzt. Es ging langsam wieder. Der Abstand vergrößerte sich jedenfalls nicht mehr.
Dreieckiger Pfahl. Beim Abbiegen drehte ich mich kurz um und meinte den Spanier, den ich kurz vor Königskrug überholt hatte, gesehen zu haben. Na jetzt wird es spannend! ‘Schalk, nachlassen ist jetzt nicht mehr drin! Jetzt ging es ums Treppchen. Noch einmal runter, dann die Rampe hoch, an der Bahn entlang und zum Schluß noch die Brockenstraße. Weit war es wirklich nicht mehr. Aber es sollte noch weit werden!
Ab jetzt hatte ich Lars fest im Blick. Vorn ist das Ziel, nicht hinten!
Runterzu machte ich Druck, oder jedenfalls das was man da so als Druck empfindet. Das muß der hinter mir auch erst mal laufen – und er muß schneller als ich, um ranzukommen. Also einfach ans Limit. Dann muß ich mir später keinen Vorwurf machen. Dann kam die Brockenrampe. Das ist ein recht steiler und nicht soo kurzer Anstieg hoch zur Brockenbahn. Lars vor mir ging hier. Unten lief ich noch. Aber dann dachte ich, dass schnelles Gehen sicherlich genauso schnell wäre wie Laufen – und es war kräftesparender in dem Moment. Meter um Meter kam ich ihm näher. Ein Haufen Leute waren auf der Rampe, hoch wie runter. Mein Blick war fixiert auf den Boden und ab und an schaute ich wie der Abstand sich verkürzte. Vielleicht noch 150m. Aber ich war erst in der Mitte der Rampe. Dann war Lars oben. 100m mögen es noch gewesen sein. Doch jetzt konnte er frei Laufen und ich mußte noch etwas steil hoch. Er winkte ich solle kommen – und lief weiter.
Oben! Jetzt waren es vielleicht noch drei km. Ich drehte mich janz kurz um und sah den Spanier nicht. Aber vielleicht hatte ich auch nur nicht richtig geschaut. Vorn war Lars. Ich war platt, aber ich drückte und schob mich jaaanz langsam ran. Nein, einfach machte er mir das nicht. Warum auch? Aber ich kam näher. Der Weg an der Bahn zog sich wie Kaugummi. Andererseits wollte ich gern noch vor der Brockenstraße ran sein. Kurz vorher war es geschafft! Juhu! Und ich war im Eimer. Das Witzige war, dass Lars das Gleiche meinte. Dann gehen wir eben bis oben. Aber ab jetzt zusammen! Naja, Gehen war keine gute Idee. Laufen sollten wir schon. Vielleicht kam da doch noch einer von hinten.
Die Brockenstraße war noch einmal richtig hart. Da war schon noch mal Gehen dran, aber dann auch wieder Anlaufen. Schneller als diese ganzen Touris waren wir allemal. Kurz vor dem Bahnhof meinte irgendjemand, dass das eine super Zeit werden würde. Ich hatte ja keine Ahnung wie schnell wir on tour waren. Die Garmin war lange aus und meine letzte Zwischenzeit kannte ich von Barbis. Er meinte etwas von 7:15h wären rum. Völlig ungläubig schaute ich zu Lars. „Das kann nicht sein!“ Doch, jetzt sind grad 7:17 vorbei. Irre! Völlig Irre! Vor zwei Jahren bin ich eine 8:04h gelaufen und das war anstrengend und die Bedingungen waren damals auch recht gut. Und jetzt das!

Fast am Anstrengendsten war das Slalomlaufen. Oben am Bahnhof war grad ne Bahn ausgekippt worden. Die Leute schauten uns etwas verständnislos an. Aber das war jetzt egal.
Wir waren unterwegs in Richtung Ziel! Wir würden Zweiter werden! Zweiter! Und das in einer Fabelzeit! OK, für mich Fabelzeit. 😉
Nach dem Zieleinlauf wollte Lars gleich ins Warme. Es zog hier oben doch etwas. Aber das war nicht zulässig! Also doch noch kurz Jacke an und ab zum Brockenstein. Dieses klasse Ergebnis muß dokumentarisch festgehalten werden!

7:21h stehen in der Ergebnisliste. Die bisherige Bestzeit lag auf der Strecke bei 7:25h. Ich habe die Zeit vor allem den sehr guten Bedingungen zugeschrieben. Andererseits waren die 2011 auch ganz gut und da ist Lars die 7:25h gelaufen. Ich war da eben noch auf den 8:04h unterwegs. Muß also wirklich ein recht guter Lauf von Lars und mir gewesen sein.
Etwas in den Schatten werden wir allerdings von einem kleinen (?) Floh gestellt. Klein? In den Schatten gestellt? Nein, nicht wirklich. Ein riesen Ultradebüt hat er hingelegt, der Florian Reichert! Eine grandiose Zeit hat er hingelegt. Wir zwei waren im Vergleich zu den Läufen der vergangenen Jahre wirklich schnell. Aber Florian ist nicht nur den ersten Teil, sondern auch den zweiten Teil der Strecke geflogen. 6:44h sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Unheimlich ruhig und sympathisch ist er zu dem.
Nach dem Blick in die Ergebnisliste muß ich noch einige Wahrnehmungen berichtigen. Ich war felsenfest der Überzeugung hinter Lausebuche drei Läufer in einem überholt zu haben. Erst Zwei und dann Lars. Da war aber gar kein Dritter, nur Marcus Amon und Lars. 😉 Insofern übernehme ich auch keine Haftung für Gegebenheiten der Kilometer zwischen Lausebuche und Oderbrück – wann ich wo wen überholt habe und wo Lars mich wieder einsammelte. Aber es muß so oder so ähnlich gewesen sein. Wenn man schon nicht mehr weiß wie viele man überholt, muß das Sichtfeld schon mächtig eingeschränkt gewesen sein.
Etwas aufgeräumt war ich dann wohl schon wieder, als die anderen Stück für Stück eintrudelten. Super Läufe haben die anderen da hingelegt. Mein Riggo hat an der Rampe nicht so geschächelt wie ich. Der ist die Hochgelaufen! Jan wollte Menatltraining absolvieren – mit Bravour geschafft. Andre ist mal eben 1:30h schneller als im letzten Jahr gewesen. Michael war 1:15h eher drin als 2013. Insgesamt müssen sich die JMer ja fast auf der Strecke andauernd auf die Füße getreten sein – so dicht beisammen, wie der Kaw, Andre und Jan oben angekommen sind. Die Mainrennerin stand plötzlich schon auf der Matte. Völlig unerwartet. Draußen war noch Hell! Juhu! Klada hat seinen Lauf gegen Fahrgestell und Kopf gewonnen. Sehr schön war auch mit den Nordlichtern oben noch zu klönen – auch wenn für Mathias kurz hinter Barbis Endstation war. ;-( Und riesig gefreut habe ich mich, dass die harzer Nordlichfraktion hoch gekommen ist! Auch wenn es viel zu kurz war. Es war schön euch doch da oben zu sehen und ne Runde zu schnacken.
Gelaufen bin ich zwar schon selbst, aber der klasse Support auf der Strecke, dem gehört definitiv ein ganz wesentlicher Teil an dem Erfolg. Es war klasse mit Euch! Danke Jaren, Erbse, Pferdchen, Detlef. Waren noch mehr an den VP’s? Sorry! Mehr habe ich nicht wirklich wahrgenommen.
Naja und die letzten Wochen hat da noch jemand eine ganze Menge mehr ertragen müssen – km um km, jedes Wochenende und irgendwie den Kopf nur noch verpeilt. Und das Ganze nur als Vorbereitung auf einen Lauf, der erst in reichlich vier Monaten ist. Dnake Silke!
😉

05.01.2019 – Nun fehlt noch die Geschichte der „spanischen Runde“. kurz nach Lars und mir kam der Spanier Javier ins Ziel. Er sah Lars und meinte Lars hätte abgekürzt; Lars hat ihn nicht auf der Strecke überholt. Wie geht das? Erst im Nachhinein, beim Auslesen der Tracks wurde das klar. Ich überholte Javier vor Königskrug. Der Nächste anzulaufende Punkt nach Königskrug ist Oderbrück. Kurz nach Königskrug kommt  ein etwas lustiger Wegweiser. Nach Rechts ist Oderbrück ausgeschildert. Läuft man bis zum Wegweiser, sieht man, dass geradeaus ebenfalls Oderbrück ausgeschildert ist. Geradeaus ist kürzer, ca. nen halben km. Lars ist geradeaus gelaufen, Javier nach Rechts und kurz vor Oderbrück lief Lars auf mich auf mich auf. Dieser Umweg wurde im Folgenden als die „spanische Runde“ geprägt. Lustigerweise habe ich genau diesen Umweg ein Jahr später selbst genommen. 😉

Und nun steht die BC2019 an. Ich wollte gern auch wieder vorn mitlaufen. Aktuell bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt was wird. Die Plantarsehne zickt gerade etwas. Aber was denn nun am 09.02.2019 wird, werden wir dann sehen. Heute war es schön mal wieder in den alten Blogs von Jogmap zu schmöckern.

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